Kapitel 27

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Rana drängte sich immer noch nah an Azad, lachte übertrieben laut und legte immer wieder „zufällig" ihre Hand auf seinen Arm. Azad blieb dabei betont neutral, aber ich kannte ihn gut genug, um zu sehen, wie angespannt er war. Trotzdem spielte er mit – oder musste er?

Mein Herz raste. Es tat weh, ihn so zu sehen. Er gehörte nicht zu ihr. Und doch konnte ich nichts sagen. Wenn jemand hier herausfand, dass zwischen uns etwas war, wäre es ein Desaster – für ihn, für mich, für unsere Familien.

„Ayla, kommst du?" rief Merve neben mir, aber meine Beine waren wie festgefroren. Mein Blick blieb auf Azad und Rana haften. Sie plauderte unbeschwert weiter, während Azad nur mit knappen Worten antwortete. Aber dann tat sie es: Sie legte ihre Hand auf seine Schulter und grinste ihn an, als würde sie die einzige Person in seinem Universum sein.

Mein Atem stockte, und ich merkte nicht einmal, dass Mansur plötzlich wieder bei mir stand. „Was starrst du so? Hat sie dir was getan?" fragte er, und seine Stimme war viel zu laut.

Ich zuckte zusammen und schüttelte schnell den Kopf. „Nein, alles gut", log ich und zwang mich dazu, meinen Blick von Azad und Rana zu lösen. Doch Mansur kannte mich zu gut. Er runzelte die Stirn und folgte meinem Blick.

„Oh, ich verstehe", murmelte er. Sein Tonfall wurde bitter. „Rana und Azad, was? Der Typ zieht sowas ja magisch an."

Ich schluckte schwer und versuchte, ruhig zu bleiben. „Warum sollte mich das interessieren?"

Mansur verschränkte die Arme und musterte mich mit einem Blick, der mir sagte, dass er mir kein Wort glaubte. „Ich hab keine Ahnung, warum du so angespannt bist, Ayla, aber ich sag dir eins: Wenn Azad Rana verarscht, dann wird er ein echtes Problem mit mir kriegen."

Mein Herz raste. „Mansur, lass es einfach, okay? Es geht mich nichts an, und es sollte dich auch nicht interessieren."

Er lachte trocken. „Oh, es interessiert mich. Sie ist meine Cousine. Und der Typ? Der kommt mir nicht sauber vor."

Bevor ich etwas erwidern konnte, fiel mir auf, dass Azads Blick plötzlich zu mir wanderte. Unsere Augen trafen sich für einen Moment, und ich spürte, wie mein Gesicht heiß wurde. Seine Augen schienen zu sagen: Halt durch. Aber wie sollte ich das, wenn Rana direkt neben ihm stand und ihn so ansah, als wäre er bereits ihr Eigentum?

Plötzlich unterbrach Rana das Schweigen, indem sie laut verkündete: „Azad, mein Vater möchte dich kurz sprechen! Kommst du mit?" Ihr Ton war fröhlich, fast kindlich, aber ich wusste, dass sie genau wusste, was sie tat.

Azad nickte knapp. „Natürlich", sagte er und folgte ihr, warf mir aber im Vorbeigehen einen schnellen Blick zu. Es war nur eine Sekunde, aber es reichte aus, um mich noch nervöser zu machen.

Merve, die die ganze Zeit neben mir stand, stieß mich leicht an. „Du solltest dich beruhigen. Es sieht sonst echt auffällig aus."

Ich wandte mich zu ihr um und zischte: „Ich bin total ruhig."

Sie hob eine Augenbraue. „Klar. Du siehst auch überhaupt nicht so aus, als würdest du gleich Rana an die Gurgel springen."

Ich verdrehte die Augen und atmete tief durch. „Was soll ich denn machen, Merve? Ich kann doch nicht einfach hingehen und..." Ich brach ab, weil ich den Satz nicht aussprechen konnte.

„Du kannst nichts machen", sagte sie leise.

Ich biss mir auf die Lippe, um nicht laut zu seufzen. Azads Vater hatte ihm deutlich gemacht, dass er mit Rana zusammenarbeiten – und sich bei ihrem Vater beliebt machen – musste, um dieses Projekt zu gewinnen. Es war der Schlüssel für ihre Zukunft. Für seine Zukunft. Aber wie sollte ich das ertragen?

Nachdem eine Woche vergangen war und Azad bereits zweimal mit Rana in mein Restaurant gekommen war – jedes Mal mit der Begründung, dass sie unbedingt dort essen wolle –, konnte ich die gesamte Woche über kaum schlafen. Jede Nacht lag ich wach, die Bilder der beiden vor Augen: wie sie gemeinsam hereinkamen, wie sie nebeneinander saßen, wie sie lachten.

Ich redete mir ein, dass es Zufall war. Oder dass es wirklich nur an Rana lag. Aber jedes Mal, wenn Azad mir tief in die Augen sah, als wollte er mir stumm etwas sagen, zog sich mein Magen zusammen.

Ich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen. Ich zwang mich zu einem Lächeln, wenn ich an ihrem Tisch vorbeiging. Ich tat so, als würde es mich nicht interessieren, wenn Rana ihn spielerisch an der Schulter berührte oder ihn mit einem Blick ansah, der mich fast in den Wahnsinn trieb. Doch in mir brannte es.

Und dann kam er das dritte Mal.

Aber dieses Mal war er allein.

Als er das Restaurant betrat, ohne Rana an seiner Seite, blieb mein Herz für einen Moment stehen. Ich wusste nicht, ob Erleichterung oder Panik in mir überwog.

Er sah sich kurz um, entdeckte mich dann hinter der Theke und kam langsam auf mich zu. Seine Augen waren ernst, fast entschlossen.

„Ayla", sagte er leise, als er vor mir stand.

Ich schluckte schwer. „Was willst du hier?"

Er sah mich lange und intensiv an. Dann sagte er nur:

„Wir müssen reden."

i hate youWo Geschichten leben. Entdecke jetzt