Jeremy führt mich an eine kleine Imbissbude. Der Verkäufer begrüßt ihn freundschaftlich und zwinkert mir zu.
"Na, was solls sein?" Ich bestelle eine Cola und Pommes mit Gyros. Eine Komische Mischung, die ich noch nirgends gesehen habe. Jeremy nimmt die klassische Currywurst. Zu meiner Überraschung essen wir nicht direkt hier, sondern gehen weiter.
"Hast du gedacht, ich will dir eine Frittenbude zeigen?" fragt Jeremy lachend.
"Hätte ja sein können." Zumindest weiß ich jetzt, wieso Jeremy es gut fand, dass ich vorhin im Kino nichts gegessen habe. Wir gehen noch ein ganzes Stück, bis vor an die Küste. Hier bin ich so selten, dass ich mich erstmal umsehe. Die Straßenlaternen spenden etwas Licht, da klettert Jeremy über den Zaun, der Fußweg von den großen Steinen trennt und später vom Strand.
"Was tust du da?" zische ich.
"Komm einfach." Zögernd folge ich ihm und klettere hinter her. Wir balancieren, bis er stehen bleibt und sich auf einem der Steine niederlässt. Wir haben den perfekten Blick aufs Meer. Die Sonne ist zwar schon untergegangen, aber schön ist es trotzdem.
"Wow", sage ich. "Auf die Idee bin ich noch nie gekommen."
"Soll ich dir was verraten? Ich eigentlich auch nicht. Es hat mir jemand gezeigt."
"Wer denn?" Jeremy sieht mich lange an. Schließlich sagt er:
"Ryder. Aber er kommt selbst nicht mehr so oft her, es ist jetzt mein Lieblingsplatz." Ich erwidere lieber nichts darauf, denn ich habe das Gefühl auch Jeremy will nicht über ihn sprechen. Wir essen und unterhalten uns dabei.
"Hast du schon eine Idee was du später werden willst?" Ich bin überrascht, dass er mir diese Frage stellt, lasse es mir aber nicht anmerken.
"Nicht wirklich und du?"
"Astrologe", sagt er sofort.
"Ungewöhnlich. Wie kommst du darauf?" Worlos stellt er seine leere Essschachtel neben sich, lehnt sich nach hinten und bedeutet mir, es nach zu machen. Jetzt liegen wir ziemlich nah bei einander und sehen in den Nachthimmel hinauf.
"Jeder Stern oder Planet ist Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Der nächste ist die Sonne. Und obwohl sie uns klein erscheinen, sind sie in Wirklichkeit riesig. Jeder Stern ist einzigartig und wenn er verglüht gibt es eine Sternschnuppe. Ich könnte noch viel mehr erzählen, viel wissenschaftlicheres Zeug, aber das fasziniert mich daran nicht. Sondern die Weite, diese Unendlichkeit. Was das Universum alles in sich trägt. Wie die Sterne und die Planeten. Und sie sind nur ein kleiner Teil von etwas ganz großem. Eines Tages hoffe ich, dieses ganz große näher kennenzulernen." Ich spüre, wie er mich von der Seite ansieht und dann weiter erzählt. Seine Stimme ist schön und ich höre ihm gerne zu. Wie fasziniert er von alldem ist. Und trotzdem wünschte ich mir, hätte noch einmal nach meinem Berufswunsch gefragt. Obwohl das sinnlos ist, schließlich habe ich gesagt, dass ich es nicht weiß. Gegen halb elf gehen wir zurück, er bringt mich bis zur Bushaltestelle.
"Es war schön, danke für alles", sage ich und lächele ihn an.
"Kein Problem. Ich hoffe, wir sehen uns wieder?"
"Klar, ich rufe dich an." Auf dem Weg nach Hause denke ich nach. Jeremy ist toll, keine Frage, aber er ist nicht das, was ich mir unter der großen Liebe vorstelle. Vielleicht ist es sinnlos aber ich glaube an Schmetterlinge im Bauch und der ganze Kram drum herum. Als ich die Haustür aufschließe ist schon alles dunkel. Vorhin habe ich Dad geschrieben, dass er nicht auf mich warten soll, vielleicht hat er einmal auf mich gehört. Auf dem Weg ins Bad erschrecke ich jedoch fast zu Tode, denn er sitzt am Küchentisch, nur eine Kerze spendet Licht.
"Haben wir Stromausfall?" frage ich. Er antwortet nicht. Seine Augen sind blutunterlaufen und die Wangen sind eingefallen.
"Dad, was ist los?" Wieder sagt er nichts.
"Dad?" Ich lege ihm vorsichtig eine Hand auf die Schulter.
"Geh Cathrina! Geh auf dein Zimmer oder sonst wo hin!", schreit er mich an, ich zucke zurück, tue aber was er sagt. Oben schreibe ich Mum eine SMS, wann sie denn morgen kommt. Wie mies es Dad geht, schreibe ich nicht, vielleicht überlegt sie es sich dann anders. Eine ganze Weile sitze ich am Fenster und starre in den Himmel. Jeremys Worte fallen mir ein. Wie unendlich das Universum ist. Aber sie trösten mich nicht. Stattdessen wünsche ich mir, wo anders in dieser Unendlichkeit zu sein.
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A kind of Love
RomanceWenn die beste Freundin sich verknallt sollte man sich für sie freuen, oberstes Gesetz im Beste-Freundinnen-Handbuch! Cat würde sich gerne für Emily freuen, wäre da nicht der Typ in den sie sich verknallt hat: Ryder Blake. Macho, Herzensbrecher und...