Kapitel 13-Kaputt

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Am Sonntag habe ich zu gar nichts Lust, das Treffen mit Em habe ich kurzerhand verschoben. Den ganzen Tag liege ich im Bett und dämmere vor mich hin. Erst am Abend krieche ich unter der Wärme der Bettdecke hervor und gehe nach unten. Dad ist nicht da und ich weiß nicht, ob ich traurig oder erleichtert sein soll. Ich nehme mir einen Joghurt und löffele ihn noch im Gehen aus. Mein Handy zeigt eine neue Nachricht. Von Mum. Da sie nicht hier ist, kann ich mir denken was drin steht. Trotzdem öffne ich sie.

Liebe Cat, ich komme nicht, es hat seine Gründe. Im Moment bin ich schwer zu erreichen, ruf mich morgen nach der Schule an. Kuss. Mum

Wütend lösche ich die Nachricht und lege mich wieder ins Bett. Da summt mein Handy erneut.

Cat, wie geht's dir? Lust dich morgen mit mir zu treffen? J.

Eigentlich wollte ich ihn ja anrufen. Seufzend schreibe ich

Morgen keine Zeit. Bis dann. C.

Nicht gerade die liebevollste SMS die ich je geschrieben habe, aber was solls? Leider lässt er nicht locker.

Dann dienstag?

Sorry, ist gerade schwierig. Ich melde mich bei dir.

Alles okay?

Darauf antworte ich nicht mehr. Stattdessen schließe ich die Augen und dämmere wieder weg.
*****
"Cat, es war sooo toll! Du glaubst es nicht! Mit Ryder kann man so super reden."
"Schön", sage ich abwesend und knabbere an meinem Daumennagel. Wir sitzen im Klassenraum, die Pause fällt aus, da es draußen in Strömen regnet. Em textet mich seit Minuten von ihrem Date mit Ryder zu. Ich höre ihr nur mit halbem Ohr zu und starre in den Regen.
"Cat! Was soll das? Ich erzähle und du ignorierst mich."
"Stimmt doch gar nicht", murmele ich.
"Ach nein? Was habe ich gerade gesagt?" Ich habe keinen Schimmer, rate aber:
"Wie toll es mit ihm war?" Schließlich redet sie seit Minuten von nichts anderem.
"Nein, ich habe gefragt was du am Wochenende gemacht hast. Muss ja was tolles gewesen sein wenn du mich ohne Erklärung versetzt hast."
"Am Samstag habe ich mich mit Jeremy getroffen." Sie quickt auf.
"Und davon hast du mir nichts erzählt?! Was bist du denn für eine Freundin? Wie war es? Habt ihr euch geküsst?"
"Was? Nein. Es war unser erstes Treffen und außerdem..." Ich will sagen, dass Jeremy zwar nett, aber nicht der Richtige ist, als unsere Lehrerin rein kommt und um Ruhe bittet. Ich widme mich seufzend den physikalischen Formeln, mit den Gedanken bin ich jedoch ganz woanders.
*****
Am Nachmittag fahre ich zum Tierheim, Tanja begrüßt mich am Eingang.
"Hey Cat."
"Hi. Bin ich zu spät?"
"Nein alles gut. Komm, ich führ dich rum." Eigentlich tun mir die Tiere im Tierheim immer total leid, sie so eingeperrt hinter Gittern zu sehen, tut mir weh. Aber dieses Tierheim hier ist ziemlich klein und einige dürfen frei rumlaufen. Wie die zwei Ziegen, ein paar Hühner und die Katzen. Die Hunde, es sind ingesamt acht, sind in einem Haus untergebracht. Jeweils zwei teilen sich ein großes Stück Rasenfläche hinter dem Haus. Dann gibt es noch ein kleines Katzenhaus, für die verletzen, die noch nicht draußen sein dürfen. Und schließlich der Stall für die Hühner. Darin stehen auch ein Pony und ein Esel, beide haben ein Stück Wiese zur Verfügung. "So, das wars auch schon. Deine Aufgabe besteht darin, die Tiere zu versorgen. Futter, Wasser und die Gehege sauber machen. Den Hof ein bisschen fegen. Für andere Arbeiten sage ich dir Bescheid."
"Alles klar. Danke."
"Fang am besten bei den Kleintieren an, die Käfige stehen direkt neben dem Stall."
"Okay." Ich mache mich an die Arbeit. Natürlich ist der Lohn hier nicht so hoch, aber ich bin zufrieden und die Arbeit macht mir Spaß. Besonders bei den Hunden. Peanut habe ich schon bei unserer ersten Begegnung ins Herz geschlossen und er folgt mir auf Schritt und Tritt. Am Anfang habe ich befürchtet, dass Tanja schimpft wenn sie sieht, dass er nicht im Haus ist, aber sie hat nur still vor sich hin gelächelt. Nach zwei Stunden Arbeit gehe ich nach Hause. Die Luft hat sich durch den Regen angekühlt, aber es ist wirklich schön. Ich gehe am Feld lang und sehe in die Abenddämmerung. Der Himmel färbt sich langsam rosa. Da klingelt mein Handy.
"Hallo?"
"Cathrina, wieso gehst du nicht an dein Handy? Du solltest dich doch melden."
"Mum, ich habe einen neuen Job. Im Tierheim und..."
"Schön, Schatz. Ich wollte dir nur erklären wieso ich nicht zu Hause bin. Also, dein Dad und ich haben beschlossen eine Pause einzulegen." Abrupt bleibe ich stehen. Mum war nie jemand, der lange um den heißen Brei herum geredet hat, aber diese Worte schockieren mich.
"Was?"
"Der ganze Stress nimmt uns beide ganz schön mit und ich habe beschlossen eine Weile hier zu bleiben."
"Wo ist 'hier'?"
"In Ungarn. Es ist wirklich schön hier, wenn du keine Schule hättest, solltest du nach kommen."
"Ist das dein Ernst?" zische ich. "Weißt du wie mies es Dad geht?!" Sie seufzt.
"Ja natürlich, aber das liegt nicht nur an mir. Viele Faktoren spielen eine Rolle und es ist ja auch nicht für immer. Ich komme wieder, allein schon wegen dir."
"Und wenn ich nicht will, dass du wieder kommst? Du sagst mir hier am Telefon einfach Mal so, dass zwischen euch Schluss ist und du gerade am anderen Ende der Welt sitzt und dort bleibst. Weißt du was? Ich peif auf dich, bleib dort wo du bist und misch dich nicht mehr in unser Leben ein! Ich habs von Anfang an gewusst."
"Cathrina, wie..."
"Machs gut. Auf nimmer Wiedersehen!" Ich lege auf und stapfe weiter. Eine Träne rollt über meine Wange und noch eine und noch eine. Bald schluchze ich haltlos vor mich hin. Was soll das alles? Wieso bricht jetzt alles auseinander? Ich komme nicht bis zu unserem Haus, sondern nur bis zu Bushaltestelle. Dort setze ich mich und heule weiter. Normalerweise weine ich selten, aber jetzt tut es auf absurde Weise gut.
"Cat? Was tust du hier? Warum weinst du? Cat?" Jemand nimmt mich in den Arm. Ich habe die Stimme erkannt und auch den Geruch. Ich ziehe meinen Pulli über die Hände und schlinge meine Arme um seinen Hals. Er streicht mir über den Rücken und sagt etwas. Ich verstehe es nicht, aber das macht nichts. Er beruhigt mich auch so und solange er nicht die Worte:"Alles wird gut", ausspricht, geht es mir besser.

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