Es war sehr spät als der spontane Besuch sich auf den Weg nach hause machte und dementsprechend war es auch schon dunkel draußen. Ich sah den Rückleuchten von Bjets Auto hinterher, bis die Dunkelheit sie verschluckte. Ein kalter Wind wehte in den Flur hinein, woraufhin ich sofort die Tür ins Schloss fallen lies. Die Glühlampen im Flur waren vor Wochen schon durchgebrannt, doch Zeit geschweige denn Lust diese Auszuwechseln hatte ich nicht. So stand ich in der Dunkelheit des Raumes und drehte mich um. Direkt vor mir befand sich auf einmal eine Person, die quasi von der Dunkelheit des Raumes verschluckt wurde. Scharf zog ich die Luft ein und schlug mit der flachen Hand gegen die Brust meines Gegenübers. "Man Lukas jetzt erschreck mich doch nicht so!", fuhr ich ihn gespielt an. Lachend entschuldigte sich der Große bei mir und gemeinsam gingen wir zurück ins Haus.
Ohne ein weiteres Wort über mein Heroin Konsum zu verlieren, legten wir uns schlafen. Lukas auf das äußerst bequeme Sofa und ich in mein Bett. Ich bin froh,dass Lukas vorerst nicht mehr auf das Thema eingegangen war. Süchtig war ich nach dieser Teuflischen Droge Gott sei Dank nicht, aber der Konsum stieg in den letzten Wochen und Monaten rasant an. Anfangs blieb es beim ziehen von Lines, aber umso mehr mein Leben einem Scherben Haufen glich, umso weniger hatte ich den gewünschten Rausch. Schlussendlich bin ich aus reiner Neugier beim inter venösen Konsum angelangt. Schon nach der ersten Spritze wusste ich, dass man es nicht miteinander vergleichen konnte. Der IV-Konsum ist bei weitem besser. Zwar versuchte ich es immer in Grenzen zu halten, aber von Tag zu Tag fiel es mir immer schwerer dieser Droge nicht zu verfallen.
Und dafür danke ich Lukas. Ich danke ihm dafür, dass er ohne Fragerei mit nach Bielefeld gekommen war. Ohne ihm etwas erklären zu müssen, verstand er. Anscheinend hatte er sich unseren Streit damals zu herzen genommen und versuchte mehr Rücksicht zu nehmen. Er war einfach nur da. Er war für mich da und unterstützte mich. Wäre er nicht gewesen, dann wäre ich der Droge wahrscheinlich noch komplett verfallen. Lukas gab mir das gute Gefühl, welches mir nur Heroin geben konnte.
Wir kamen gerade vom Spaziergang mit Heisenberg wieder und setzten uns gemeinsam aufs Sofa, als das Thema indirekt wieder fiel. Ich trank in dem Moment gerade aus einer Plastikflasche, die noch bei mir auf dem Wohnzimmertisch stand. " Also wegen gestern nochmal. Tut mir leid, falls ich dir da zu nah getreten bin. Das war nicht korrekt. Aber du weißt schon..", fing er an, aber unterbrach seinen Satz und hielt inne. " Wegen Basti?", versuchte ich seinen Satz zu beenden. Lukas bestätigte meine Vermutung mit einem kurzen nicken und nahm mir die Flasche ab. Für einen kurzen Moment schwiegen wir beide. " Nein alles gut. Mach dir darum keine Gedanken... Deswegen bist du ja hier.", durchbrach ich die Stille und versuchte das Gespräch am laufen zu halten. " Aha. Ich muss also das Kindermädchen für dich spielen?", antwortete Lukas Scherzes halber. " ... Ja gut. So würde ich das jetzt nicht bezeichnen... ", sagte ich leicht beschämt, während ich in eine andere Richtung sah und durch meine Haare am Hinterkopf strich. Wir beide fingen daraufhin an zu lachen und sahen uns an. Unsere Blicke trafen aufeinander und so verharrten wir eine ganze Weile.
Immer wieder aufs neue vergaß ich, dass mein bester Freund Gefühle für mich hatte. Doch in solchen Momenten fiel es mir Blitzartig ein und wusste vom einen auf den anderen Moment nicht mehr wie ich mich verhalten sollte. So gut wie es ging, versuchte ich mich normal zu verhalten. Wahrscheinlich war das aber auffälliger als alles andere.
Irgendwann löste ich meinen Blick von ihm, bevor es Peinlich wurde und lehnte mich am Sofa an. Lukas tat es mir gleich und wir starrten beide gegen die zugestellte Wand. Mir gingen viele offene Fragen zu dem Thema durch meinen Kopf und vorsichtig versuchte ich ihn darauf anzusprechen.
" Also.. Du bist schwul? Warum hast du mir das nicht eher gesagt, man. Du bist mein bester Freund.", fing ich dann an und sah kurz zu ihm herüber. " Ich weiß es war nicht gut von mir es dir zu verschweigen. Sorry. Aber um das Klar zu stellen. Ich bin nicht schwul. Also nicht komplett. Ich stehe auch auf Frauen.", gab er dann erstaunlich gelassen und ehrlich zurück. Weil er so positiv und gar nicht abwertend auf das Thema reagierte, wollte ich das Gespräch weiter führen. "Aber du Lukas?", vorsichtig versuchte ich meine nächste Frage einzuleiten, denn ich wusste nicht wie er darauf reagieren würde. Schon bevor ich überhaupt die Frage ausgesprochen hatte musste ich mir ein Grinsen verkneifen. Verwirrt sah er mich an und mit einem lang gezogenen 'ja?' stimmte er meine Fragerei zu. Ich sah ihm genau an, dass er etwas unbeholfen war und nicht wusste was ihn erwarten würde. " Hattest du mal einen Schwanz im Arsch?", fragte ich ihn dann geradewegs heraus. Obwohl ich die Frage ernst meinte, musste ich mir ein lautes auflachen unterdrücken. Lukas seufzte nur aber antwortete mir dann genauso idiotisch wie ich ihn gefragt hatte. " Nein. Normalerweise bin ich der, der seinen Schwanz in anderer Leute Ärsche steckt.". Er zwinkerte mir provokant zu und daraufhin konnte ich mich nicht mehr zurückhalten. Lauthals fing ich an zu lachen und hielt mir den Bauch. " Sorry bro. Aber..", ich konnte meinen Satz vor lachen nicht zu ende bringen. " Scheiße diggah.", brachte ich als Schluss nur noch heraus, bevor ich mich vor lachen nicht mehr ein bekam. Lukas hingegen schwieg und grinste mich nur an. Zum Glück reagierte er auf das alles sehr gelassen.
Nachdem ich mich teilweise wieder beruhigt hatte, fing ich weiter an mit meinen Fragen. Diesmal fragte ich, wie der Sex mit einem Kerl ist und ob es ein großer Unterschied zu einem Weib ist. "Aha. Warum denn auf einmal so Interessiert?", stellte er als Gegenfrage, bevor er meine Beantwortete. " Ja is' schon ganz nice. Is' für mich jedenfalls, kein unterschied. ". Wiedermal konnte ich mich vor lachen nicht mehr halten. Obwohl ich so am lachen war, antwortete er mir weiterhin in einem gespielten ernsten Ton. " Ach, ich hatte eben noch nie nen halb Schwulen besten Kumpel", gab ich ihm zu verstehen. Daraufhin musste er selbst kurz auflachen.
Nachdem ich mich wieder komplett beruhigt hatte, stellte ich ihm noch eine allerletzte Frage. " Und dein Schwanz hat also Interesse an mir?". Ohne zu wissen wie er darauf reagieren würde und ob es wirklich die beste Idee war ihn genau darauf anzusprechen, sah ich ihn an. Mit dieser Frage brachte ich ihn anscheinend komplett aus dem Konzept, da Lukas vorerst nur ein stockendes "ehhm.." heraus bekam. " Tja. Bei so 'nem Knackarsch wie du ihn hast, lässt sich das wohl nicht vermeiden.", scherzte Lukas und zwinkerte mir erneut zu. Er nahm es mir also nicht böse. Erleichtert von dieser Art von Antwort, zwinkerte ich zurück und legte noch einen drauf. " Dein Penis hat keinen schlechten Geschmack. Muss ich echt sagen". Ich liebte es, dass Lukas so wie immer mit mir herum scherzte. " Ich werde es ihm ausrichten", gab er mir mit einem Lächeln auf den Lippen zu verstehen.
Ohne irgendwelche bedenken zu haben, erwiderte ich sein Lächeln. Doch Lukas kam mir von Sekunde zu Sekunde immer näher. Kurz bevor es zum Kuss gekommen wäre, stoppte er und sah mir tief in die Augen. Ich stockte und war wie gelähmt. Zuerst sah ich auf seine immer näher kommenden Lippen und dann in seine Augen. " Keine Sorge. Ich küsse dich nicht wenn du das nicht willst." Ich spürte seine Worte förmlich auf meinen Lippen und bevor ich mich aus meiner starre löse konnte, lehnte er sich wieder zurück. Noch kurz warf er mir einen Blick zu und trank dann noch ein großen Schluck aus der Flasche.
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Das Ende von Trailerpark
FanfictionTimi denkt über seine zeit im Trailerpark nach. Es hatte sich einiges in seinem Leben verändert. Beruflich aber auch in seinem Privatleben. Alles brach Stück für Stück zusammen. Lukas war für seinen Besten Freund da und obwohl Tim es ihm nicht imme...
