Jedes Leben endet

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Den restlichen Tag konnte ich mich auf nichts anderes mehr Konzentrieren. Meine Gedanken waren die ganze Zeit bei Heisenberg. Ich machte mir unheimliche Sorgen.

Aus Mitleid, hatte ich ihm in meinem Schlafzimmer ein Körbchen aus Shirts und Decken gebaut. Ich konnte es einfach nicht mit ansehen, wie er sich auf dem harten Boden unterm Tisch einrollte. Vorsichtig zog ich meinen Hund hervor und trug ihn in mein selbst gebautes Körbchen. Sofort ließ er seinen Kopf auf die weichen Decken sinken und atmete lange aus. Es zerbrach mir das Herz ihn so zu sehen. Immer wieder versuchte ich ihn zum esse zu Motivieren oder wenigstens zum Trinken. Jedoch blieb beides Erfolglos. Wenn ich ihm etwas hingehalten habe drehte er sofort, so gut es eben ging, seinen Kopf weg. Schlussendlich gab ich es auf. Trotzdem wich ich nicht von seiner Seite. Oft legte ich mich zu ihm, strich einfach nur durch sein kurzes Fell und sprach ein wenig mit ihm. Lukas wäre am liebsten sofort zum Tierarzt gefahren, aber ich habe irgendwie noch gehofft, dass es besser werden würde.

" Timi, jetzt guck da doch nicht immer hin. Ihm wird es morgen bestimmt wieder besser gehen.", versuchte Lukas mich aufzumuntern und ließ sich neben mich aufs Sofa fallen. "Hoffentlich.", sagte ich mit traurigem Unterton und löste erst am Ende meines Satzes den Blick vom Flur, der zu meinem Schlafzimmer führte. "Aber wenn...", er Unterbach seinen Satz, um mich nicht zu verletzten. "... Dann fahren wir aber zum Tierarzt, ja? ". Ich nickte einfach nur und versuchte mich für den Rest des Tagen auf andere Gedanken zu bringen.

Ich wurde am nächsten Morgen ziemlich früh wach. Sieben Uhr. Der Stille zu Urteil, war Lukas noch am Schlafen. Augenreibend griff ich nach meiner Brille und setzte mir diese noch ihm liegen auf. Verschlafen drehte ich meinen Kopf zur Seite und sah zu Heisenberg herüber. "Heisenberg, komm her." Dabei ließ ich einen arm aus dem Bett hängen und klopfte auf den Boden. Nichts. Mein Hund rührte sich kein Stück. Nur seine dunklen Augen sahen leiden zu mir herüber. Ich rief ich ein weiteres mal zu mir. Noch einmal und noch einmal. Doch nicht wie üblich reagierte er sofort und rannte freudig auf mich zu, er blieb einfach liegen. Ich wartete noch kurz aber dann riss ich ohne zu zögern die Decke weg, sprang  vom Bett auf und rannte zu Lukas ins Wohnzimmer.

Nichts Ahnend lag Lukas noch schlafend auf dem Sofa. Ich nahm keine Rücksicht auf ihn und rüttelte so stark an seiner Schulter wie ich nur konnte. "Lukas man! Jetzt wach auf! ". Schlagartig öffnete er seine Augen und sah in mein Panisches Gesicht. " Wir müssen Heisenberg zum Arzt bringen. Jetzt!". Ich wurde zum Ende hin immer lauter. Lukas verstand anfangs gar nicht was los war. Ich blickte einfach nur in ein Verwirrtes Augenpaar. Doch ohne etwas weiteres zu sagen, griff ich nach seiner Hand und zog ihm vom Sofa herunter. Er stolperte bei dieser Aktion und stand danach direkt vor mir. " Es geht ihm nicht besser. Es kommt mir sogar schlimmer vor. Bitte lass uns jetzt zum Tierarzt fahren.", versuchte ich ihm so ruhig wie möglich zu erklären. Nun machte sich auch die Sorge in seinem Gesicht breit und er Nickte hastig.

So schnell wie möglich zogen wir uns irgendetwas über. Während ich Lukas die Autoschlüssel zu warf, hob ich vorsichtig Heisenberg hoch Da ich bei meinem Hund bleiben wollte, musste Lukas fahren. So spielte ich für ihn das Navi und dirigierte ihn so zum Tierarzt.Die ganze fahrt über, lag Heisenberg erschöpft in meinen Armen

" Es wird schon alles gut werden Timi.", versuchte er mich zu beruhigen und stelle den Motor des Wagens aus. Sofort schnallte ich mich ab und ging über den Parkplatz der Praxis, rüber zum Eingang. Wie verrückt drückte ich die Klingel der Praxis. Doch das bekannte Summen, welches die Tür öffnet, kam nicht. Ich hörte Lukas Schritte neben mir zum Stehen kommen. " Tut mir leid dir das jetzt sagen zu müssen... Aber es ist gleich erst neun Uhr und die Praxis öffnet um zehn.". " Das hier ist aber ein Notfall!", schrie ich in richtig der Tür und trat einmal dagegen. " Jetzt komm mal runter Timi! Wir werden einfach hier warten und bestimmt werden wir dann noch vorgezogen.". Genervt von allem setzte ich mich auf die weißen fliesen Stufen der Praxis und drückte Heisenberg fest an mich.

Eine Halbe Stunde bevor die Praxis öffnete, trafen die Tierarzthelferinnen, sowie der Arzt ein. Anscheinend mussten wir echt verzweifelt ausgesehen haben, weshalb er uns sofort in einen der Behandlungsräume schickte.

Nach mehreren Untersuchungen und langem Warten, kam der Arzt wieder zu uns in den Raum. Als er den Raum betrat, wusste ich, dass etwas falsch war. Ein beklemmendes Gefühl machte sich in meiner Brust breit und von Sekunde zu Sekunde wurde ich Nervöser. Ich wollte nur noch wissen, was mit meinem Hund los war. " Ich werde nicht lange drum herum Reden Herr Weitkamp.". Er machte einen Mitleidenden Gesichtsausdruck. " Heisenberg hat sehr wahrscheinlich etwas hoch Giftiges zu sich genommen. Leider können wir dagegen nichts mehr machen. Er wird wahrscheinlich innerhalb dieser Woche noch Sterben. Es tut mir leid.". Mein Kopf war leer. Ich konnte nicht fassen was er da gerade gesagt hatte. Ich war wie in einem falschen Film. Ich krallte mich in das Fell von Heisenberg und sah versteinert zu Lukas herüber. Dieser Stand sofort auf und ging zu mir herüber. Selbst ihm fehlten die Worte. Ich sah von Heisenberg rüber zum Arzt. " Wird... Wird er leiden?", versuchte ich irgendwie hervorzubringen. Der Arzt nickte nur, woraufhin ich meinen Blick senkte. "Das beste wäre ihn einschläfern zu lassen. Er wird sich die nächsten Tage nur noch quälen.". Ohne großartig darüber nachdenken zu müssen, nickte ich ihm zu und zog meine Nase etwas hoch. Schweigend legte Lukas seine Hand auf meinem Rücken ab.

Ich krallte mich an den kalten Eisen Rand des Behandlungstisches und sah nervös zu wie der Arzt alles vorbereitete. Mir war nicht zum weinen zumute. Das ging alles so schnell, dass ich gar nicht wirklich Realisierte was in dem Moment geschah. Mein Blick war an die Tätigkeiten des Arztes gefesselt. Er setzte die Spritze an und drückte langsam den Inhalt hinunter. Vorsichtig zog er diese wieder heraus und schmiss sie in den Müll. Erst dann wurde mir bewusst was gerade geschehen ist. Mein geliebter Hund wird in 15- 30 Minuten ruhig einschlafen. Für immer. " Sie können sich jetzt noch von ihm Verabschieden.", mit diesen Worten verließ er das Zimmer. Ich schluckte schwer und blendete alles um mich herum aus. Mit schwachen Armen hob ich Heisenberg hoch und drückte ihn an mich. Langsam Schrittes ging ich auf einen der beiden Stühle zu und ließ mich auf ihm nieder.

Ich hielt ihn wie ein Kind in den Armen und strich ihm immer wieder über sein Köpfchen. Er sah mich mit seinen großen braunen Kulleraugen an, er wusste ganz genau was gleich Passieren würde und doch schien er Glücklich. Er wusste, dass das Leiden gleich endlich vorbei sein würde. Der Gedanke daran schenkte mir etwas Hoffnung, aber ich war noch gar nicht bereit dazu meinen Hund einfach so gehen zu lassen.

Von Zeit zu Zeit wurden seine einzelne Körperteile nur noch schlaff und waren wie betäubt. Seine kleinen Pfoten fielen gegen meinen Brust und schließlich sein ganzer Köper. Doch seine Atmung war noch Aktiv; ganz leicht. Heisenberg konnte seinen Kopf aus eigener Kraft nicht mehr halten und ich reagierte sofort. Vorsichtig schob ich eine Hand unter seinen Kopf, um diesen sanft aufrecht zu halten. Mit meinen Fingerspitzen strich ich beruhigend durch sein Fell. Eher als Beruhigung für mich als für ihn.

Mit einem leichten lächeln auf den Lippen versuchte ich die Trauer zu überspielen. Die Trauer, die mich innerlich zerriss. Schon 20 Minuten waren vergangen und trotzdem schlug sein kleines Herz immer noch.Man sah förmlich zu, wie jegliches Leben stück für stück verschwand. Langsam konnte ich mich nicht mehr zusammen reißen und vergrub mein Gesicht in seinem Fell. " Ich liebe dich Heisenberg.", nuschelte ich in sein Fell und drückte ihn noch einmal feste an mich. Die restlichen fünf Minuten, lauschte ich seinem immer langsam werdenden Atem, bis dieser für immer aussetzte. Sofort riss ich meine geschlossenen Augen auf und starrte den Leblosen Körper meines Hundes an. Tränen tropfen auf sein Fell, sie wollten schon gar nicht mehr aufhören. Mein Kopf war wie leer gefegt. 

Dass Lukas einen Arm um meine Schulter legte und mich tröstend zu sich zog, bekam ich gar nicht mit. Mir gingen nur noch drei Wörter durch den Kopf: " Heisenberg ist tot."

Das Ende von TrailerparkWo Geschichten leben. Entdecke jetzt