Nach unserem Kuss sehen wir uns noch lange in die Augen und ich muss daran denken, wie Lukas mir zum ersten mal seine Liebe gestand.
Es waren paar Tage vergangen, nachdem Lukas und ich unseren Song aufgenommen hatten. Er blieb noch ein Paar Tage länger als geplant. Ich freute mich wirklich sehr darüber, doch es stand eine ungeklärte frage im raum. Warum kam Lukas die Nacht wirklich zu mir ins Bett? Anscheinend wollte er darüber nicht reden und schwiegen darüber. Immer als ich das Thema doch ansprach sah er mich mit seinem Typischen Ironischen 'Fick dich'- Lächeln an und umging das Thema gekonnt. Nach vielen gescheiterten Versuchen ließ ich es dabei bleiben. Was hätte ich ihm auch schon vorwerfen können? Er meinte Lediglich nur einmal kurz, dass er etwas Gesellschaft gebrauchte. Nun ja. Was das zu bedeuten hatte? -Keine Ahnung. Es war ja auch nicht unbedingt neues, dass wir uns das Bett teilten oder in den Armen des anderen Lagen. Während einer Tour über kuschelten wir schon ab und zu; und auf der Bühne machten wir auch ein paar mal rum. Für uns war das einfach normal und hatte rein gar nichts Homosexualität zu tun. Wir waren einfach beste Freunde und aus Spaß stellt man sich eben ein bisschen Schwul. Deshalb hatte ich auch kein Problem sowas zu sagen wie ' der Schnuckelige Alligatoah'. Aber Lukas war echt schon schnuckelig als wir ihn damals in den Trailerpark geholt hatten; da war er noch so Jung. Damals hatte man den Altersunterschied zwischen uns vier gar nicht so stark bemerkt. Doch wir sind alle älter geworden. Erst recht ich und das sah man mir auch an. Natürlich war mein hoher Drogenkonsum auch nicht ganz unschuldig daran. Aber unser Charakter hatte sich nicht verändert, wir waren immer noch die gleichen Spasten wie zuvor und ich war mit einer der Kindischsten. Das ist eben meine Art, das bin ich. Vom Kindischen Jungen bis hin zum depressiven Junkie. Für mich war und ist es einfach die beste Art mit Problemen umzugehen. Alles mit Humor nehmen und einen Spaß draus machen.
Jedenfalls, Lukas war noch ein paar Tage geblieben und obwohl ich mich darüber freute war es auch ziemlich nervig. Er versuchte mich die ganze Zeit zu bemuttern und das störte mich. Es schien so als hätte er versucht mich in Schutz nehmen zu wollen. Nicht so wie man es sich vorstellt, nein, eher mehr so unterschwellig und dass man es erst gar nicht bemerkt. Und das nur weil ich wieder Rückfällig geworden bin. Lukas hätte sich echt nicht so anstellen müssen. Dadurch, dass er versuchte so stark für mich da zu sein, gab er mir das Gefühl, dass er nur deshalb geblieben ist um auf mich aufzupassen und nicht weil es ihm Freude machte bei mir zu sein. Als es mir dies dann wirklich bewusst wurde, versuchte ich ihm immer wieder deutlich zu machen, dass er nicht auf mich aufpassen bräuchte.Schließlich hätte ich das auch allein geschafft.Doch ihm direkt sagen, dass er mich nervt konnte ich nicht. So sehr wie in dieser zeit hatte er sich noch nie um mich gekümmert. Obwohl er während den Touren mich Gesund pflegte und sich hin und wieder um mich kümmerte, war es schon seltsam.
Einen Nachmittag war es soweit. Ich wollte einfach nur meine ruhe haben und einen Joint anzünden. Es ging mir nicht gut und es herrschte einfach nur eine tiefe schwarze leere in mir. Lukas und sein bemuttern konnte ich da gar nicht gebrauchen. Doch er tat es trotzdem. ' Ist alles okay Timi?' , ' Kann ich irgendwas machen?' und so weiter. Immer wieder kam er an und stelle mir irgendwelche nervigen Fragen. Ich bin nicht der Typ wie Basti der jemanden Locker ne ansage machen kann oder in Streit Situationen die Oberhand hat, weshalb ich mich eher gerne aus sowas zurück halte. Ich denke mir einfach meinen teil dazu. Aber in diesem Moment ging es nicht anders und ich musste was sagen. "Boa. Lukas. Lass mich doch einmal in ruhe.", kam es dann forsch aus mir heraus. Lukas sah mich einfach nur an. Anscheinend war er echt darüber überrascht wie ich auf seine Art reagierte. "Sorry das ich mich um dich sorge. ", entgegnete er mir stumpf und wollte das Wohnzimmer verlassen. In dem Moment bereute ich meine Ton- und Wortwahl schon ein wenig. Mit leicht gesenktem Blick sah ich Lukas hinterher. " Ja, nein. Das Brauchst du aber nicht. Es ist alles gut. ", bekam ich dann etwas leise aus mir heraus. Ich wollte ja, dass Lukas bei mir war nur sollte er mich nicht die ganze zeit in Watte packen. Lukas bliebt stehen und blickte über seine Schulter zu mir. " Du nimmst das alles auf die leichte Schulter Tim.", kam es von ihm zurück und obwohl er in einem ruhigen Ton sprach, konnte man genau hören wie ernst er es meinte. Ohne überhaupt über seine Worte nachzudenken entgegnete ich ihm sofort, dass er die ganze Situation nicht dramatisieren sollte. Mein Blick war nun komplett dem Boden zugewandt und er drehte sich zu mir um. Für einen Moment dachte ich , dass er wieder was sagen wollte doch er hielt inne und wartete anscheinend. "Tim.", fing er dann sehr ruhig an, gefolgt von einem kleinen Seufzer. Immer wenn es ihm ernst war, sprach er mich direkt bei meinem Namen an. "Ich will nicht noch einen Freund wegen irgendeiner Scheiße verlieren." Er pausierte seinen Satz für ein Moment und ohne ihn anzusehen, spürte ich mit was für einer Traurigkeit er mich ansah. " Du bist kurz davor in eine Klapse eingewiesen zu werden. Willst du das? Dann bist du und Basti weg. Wie soll das denn weiter gehen? Dann können wir Trailerpark komplett vergessen" Nach seinem ersten Satz hörte ich ihm gar nicht mehr zu. Ich hasste es mehr als alle andere, wenn mir jemand sagte ich sollte in Therapeutischer Behandlung oder gar in die 'Klapse'. Am liebsten hätte ich ihn angeschrien, doch ich konnte nicht. Meine ganze Wut ballte ich in Fäuste. Die Fingernägel schmerzten schon in meinen Handinnenflächen und meine Knöchel färbten sich weiß. Immer wieder spannte ich unter schmerzen mein arm an um ruhig zu bleiben. " Tim. Ich könnte es nicht ertragen dich gehen zu lassen." Leise nahm ich Lukas Stimme im Hintergrund war. Mal wieder hatte ich alles um mich herum vergessen und war viel zu sehr in meinen Gedanken versunken. Lange musste ich über Lukas Worte nachdenken. Doch ich war immer noch enttäuscht von dem was er zu mir sagte. Niemand wusste es besser als er, dass ich auf sowas sehr negativ reagierte. Deshalb warf ich ihm einfach nur einen verwirrten Blick zu, der gleichzeitig ausdrückte wie enttäuscht ich von ihm war. Ohne auf seine Reaktion zu warten, sah ich wieder zurück auf den Boden. Heisenberg hatte mitbekommen, dass er mir wieder schlecht ging und legte sich deshalb zu mir auf meine Füße. Vorsichtig ließ ich meine Hände durch sein kurzes Fell gleiten. Währenddessen setzte sich Lukas sich vorsichtig neben mir auf das Sofa.
Es vergingen gefühlte stunden voller schweigen bis er wieder das Wort ergriff. " Du weißt, dass ich dich Liebe." Seine Stimme klang etwas heiser, weshalb er sich direkt danach kurz räusperte. Lukas war einfach der liebste Mensch und der beste Freund den ich haben konnte. Wir sagten uns oft, dass wir uns liebten aber es war immer nur freundschaftlich gemeint. Deshalb ging ich damals auch davon aus. Er sorgte sich einfach viel zu sehr um mich und eigentlich hätte ich darum echt froh sein können. Doch ich war so dumm und wies ihn in dieser Hinsicht ab. Ich atmete etwas lauter aus und strich mir meine Haare aus dem Gesicht. Gerade wollte ich ihm dann Antworten, da landeten Lukas Lippen auf meinen. Lukas küsste mich und ich verstand die Welt nicht mehr. In so einer Situation hatten wir uns noch nie geküsst, weshalb ich einfach nur total verwirrt dasaß und seinen Kuss nicht erwiderte. ' Das ist jetzt total unpassend Lukas', ging es mir als einziger Gedanke durch den Kopf. Doch dann kam es wie ein Blitz über mich und ich realisiert was wirklich in dem Moment passierte. Vorsichtig drückte ich ihn von mir weg. Langsam lösten sich unsere Lippen voneinander und Lukas sah mich an. Nur kurz erwiderte ich seinen Blick und versuchte danach diesem aus dem weg zu gehen. Mir hatte es die Sprache verschlagen und nur unsicher brachte ich so etwas wie Worte heraus. "Du meinst das ernst oder?" Dann erst sah ich in wieder an und von ihm kam nur ein schweigendes nicken zurück. Darauf wusste ich keine Antwort. Wie hätte ich damals reagieren sollen? Wieder saßen wir einfach nur rum und ich starrte an die Wand. Was ich in diesem Moment gedacht habe, weiß ich nicht mehr. Tausend Gedanken und Fragen schwirrten durch meinen Kopf. Immer wieder formulierte ich Sätze in meinen Kopf aber jeden davon verwarf ich wieder. Lukas stand irgendwann auf. Ich musste einfach etwas sagen und das erstbeste was ich heraus brachte war eine Entschuldigung dafür, dass ich ihn vorhin so angekackt hatte. Sein Rücken war schon zu mir gewandt als er mir versicherte, dass es schon okay sei. Zwar konnte ich sein Gesicht nicht erkennen aber trotzdem wusste ich genau wie traurig er ausgesehen haben musste und wie er sich fühlte. Die Person die er liebte drückte ihn weg und empfand nicht das gleich wie er. Und mir fiel nicht besseres ein als eine Entschuldigung. Ich war sauer auf mich selbst. "Ich weiß nicht ob es so gut ist, wenn du hier bleibst", bekam ich stotternd heraus. Er tat mir unheimlich leid und deshalb fiel mehr dieser Satz auch unheimlich schwer. Er warf mir ein lächeln zu und wie als wäre das ganze nie passiert, antwortete er mir:" Ich bin nicht erst seit paar Tagen in dich verliebt Timi. Nein schon lange. Und ich konnte die ganze zeit damit Umgehen. Das ist wirklich kein Problem für mich." Er musste lügen. Ich wusste es ganz genau. Welcher Mensch kommt mit sowas schon klar? " Außerdem weiß ich das du Hetero bist deshalb mache ich mir eh keine Hoffnungen. Und es würde mir nur weh tun wenn du mich jetzt deshalb abschieben würdest." Obwohl die ganze Zeit über ein Lächeln in seinem Gesicht war, hörte ich die Trauer in seiner Stimme. Ich zündete mir eine Zigarette an und er schob noch hinterher, dass sich seine Gefühle schon legen werden. Aber damit widersprach er sich selbst.
Lukas war mir unglaublich wichtig als Freund und nur weil er ein paar Gefühle für mich hegte, konnte ich doch die Freundschaft nicht beenden. Außerdem hatte er es davor auch geschafft. Ich wollte ihn ebenso wenig verlieren wie er mich. Trotzdem verblieben wir erstmal so, dass Lukas zurück nach Berlin fuhr. Schließlich musste er so oder so mal irgendwann wieder nach Hause.
Wie immer Verabschiedeten wir und mit einer Langen Umarmung. Ich hatte zwar ein komisches Gefühl im Bauch aber ich versprach ihm noch, dass sich nichts zwischen uns ändern würde. Außerdem galt unser Abschied nicht für eine unbestimmte Zeit, wir sollten uns schon in ein Paar Wochen wieder sehen.
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Das Ende von Trailerpark
FanfictionTimi denkt über seine zeit im Trailerpark nach. Es hatte sich einiges in seinem Leben verändert. Beruflich aber auch in seinem Privatleben. Alles brach Stück für Stück zusammen. Lukas war für seinen Besten Freund da und obwohl Tim es ihm nicht imme...
