Eigentlich sind nicht Drogen das Problem

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Wir mussten nicht lange warten, bis die Wirkung vom THC dann auch bei Lukas einsetzte. Während der Wartezeit machte ich es mir auf dem Sofa bequem und ließ meine Augen zum entspannen die ganze Zeit geschlossen. Ich war in meinen Gedanken versunken, als sich langsam die ersten 'Symptome' bei Lukas bemerkbar machten. Doch vorerst bekam ich von all dem gar nichts mit, zu sehr hatte ich in Gedanken meine eigene Welt aufgebaut und konnte mich quasi auf nichts anderes mehr Konzentrieren. Immer weiter verlor ich mich in meinen Gedanken und war wie weggetreten. Genau wie ich, bekam auch Lukas von all dem überhaupt nichts mit. Er war von den eintretenden Wirkungen zu sehr geflasht.

Dass Lukas Hand mein Bein langsam auf und ab glitt, bemerkte ich Anfangs nicht mal. Die Stellen, die er mit seiner Hand berührte wurden ungemein warm und ließen mein anderes Bein eiskalt wirken. " Timi.. Ehy... Timi...", flüsterte Lukas aufgeregt, woraufhin ich meine Augen langsam wie schlaftrunken öffnete. Mein Blick fiel als erstes auf seine Hand die immer noch auf meinem Bein hin und her wanderte. Lukas Blick zu urteilen, bemerkte er gar nicht, dass sich seine Hand meinem Schritt immer weiter gefährlich näherte. Deshalb griff ich vorsichtig nach seiner Hand und hielt diese vorerst fest. Einfach nur zur Sicherheit. In dem Moment als ich zu ihm herüber sah, drehte er auch seinen Kopf zu mir und unsere Blicke trafen sich. Lukas sah mich mit seinen riesigen Pupillen und seinem rot unterlaufenem Augapfel an. Dazu zierte noch ein breites lächeln sein Gesicht, welches mich ansteckte. Schon seit Tagen und Wochen hatte ich ihn nicht mehr so Glücklich gesehen. Seit Suddens tot hatte auch er vorerst sein Strahlen abgelegt. Aber mir zu liebe überspielte er all seine Trauer und tat alles dafür, dass ich Glücklich war.

Ich dachte oft daran, wie ich mich angemessen bei ihm bedanken konnte. Aber egal wie angestrengt ich darüber nachdachte, mir fiel nichts ein was dem, was er alles für mich getan hat, angemessen war. Mich überkamen diesen Gefühle und ich drückte meinen zurzeit einzigen und besten Freund an mich. Ohne mein Handeln in frage zu stellen erwiderte er meine Umarmung und drückte mich genauso feste an sich wie ich es tat.

" Das fühlt sich so gut an", hauchte Lukas in meinen Nacken und brach danach kurzzeitig in lachen aus. Ich hingegen konnte dem nur ein schmunzeln abgewinnen und hielt ihn weiter fest in meinen Armen. " Fuck Timi, ich bin so Stoned.", lachte er noch etwas und schmiegte seinen Kopf an meinen. Diesmal musste auch ich ein wenig lachen, da er für diesen Satz circa fünft Minuten gebraucht hatte. Mitten im Satz vergaß er immer wieder was er überhaupt sagen wollte und er zog jedes Wort ungewöhnlich in die länge. Mein lachen ging in ein kleines grinsen über und ich legte meinen Kopf wieder langsam auf seiner Schulter ab. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich Lukas irgendwann nochmal richtig bekifft erleben würde, hätte ich demjenigen niemals geglaubt.

"Danke", nuschelte ich in seine Hals beuge und drückte ihn noch einmal richtig an mich. Verwirrt drehte Lukas ,soweit es eben ging, seinen Kopf zu mir und versuchte mich anzusehen. Dies war jedoch unmöglich, da ich meinen Kopf aus dieser Position partout nicht lösen wollte. Während er sanft über meinen Rücken strich, fragte er Scherzes halber wofür er das verdient hätte. " Für alles.". Lukas schwieg. Seine Hand die vorher noch über meinen Rücken glitt, kam zum stehen und krallte sich leicht in mein Shirt. " Du weißt gar nicht wie viel es mir bedeutet, dass du jetzt gerade für mich da bist... und es auch immer warst." Ich konnte er förmlich hören wie ich mit diesen Worten ein lächeln auf Lukas Lippen zauberte. Seine Hände wanderten zu meiner Hüfte hinunter und drückten mich etwas von ihm weg, damit er mich endlich ansehen konnte. Ich musste schon ein wenig überwinden ihm in die Augen zu sehen. " Ich werde auch immer für dich da sein.", sagte er mit ruhiger Stimme und Strich mir einzelne Haarsträhnen aus dem Gesicht. Zustimmend nickte ich und wir lösten uns vorsichtig aus der Umarmung. Trotzdem saßen wir uns weiterhin gegenüber und sahen uns einfach nur an. Man konnte Lukas genau ansehen, wie gerne er mich einfach nur geküsst hätte. So gesehen wäre der Moment Perfekt gewesen, nur eben nicht für mich. Für eine Sekunde, wirklich nur eine Sekunde, dachte ich daran ihn zu küssen. Aber es wäre falsch, weshalb ich den Gedanken schnell wieder verwarf. Wir waren einfach nur beste freunde und kein Schwules Pärchen.

Wenn ich aber jetzt so darüber nach denke, waren wir schon längst in einer Art 'Beziehung'Wir haben es nur nicht bemerkt, wir waren eins dieser Paare die schon seit Jahren zusammen waren und die übertriebene glückliche Anfangsphase überwunden hatten. Wahrscheinlich wollte ich mir das damals nur nicht eingestehen. Das was unsere Freundschaft von einer Beziehung unterschied war, dass wir nicht " Ich liebe dich" sagten, wir uns nicht küsste und dass wir kein Sex hatten. Manchmal wenn Lukas bei mir im Zimmer bis tief in die Nacht an seinem Album arbeitete und es nicht mehr ins Wohnzimmer schaffte, kam es schon mal vor, dass wir uns für diese eine Nacht mein Bett teilten. 

" Wie kams' eigentlich dazu, dass du zugesagt hast? Sonst wolltest du doch auch nie mit mir Kiffen...", versuchte ich das Wort zu ergreifen um das Peinliche Schweigen zu durchbrechen. Aber die frage Interessierte mich auch  wirklich. Ich hatte ihn nur zum Spaß gefragt und hätte niemals gedacht, dass er wirklich zusagt. "Wollte wohl einfach wissen, was du so toll daran findest", versuchte er eher sich selber als mir zu erklären. Anscheinend wusste Lukas selbst nicht so genau warum. Ich musste, oder eher gesagt, konnte ich darüber nur Schmunzeln. 

Lukas gefiel anscheinend die Wirkung vom Gras ganz gut, aber trotzdem wollte er lieber beim Alkohol bleiben. Erst recht, dass er die ganze Zeit vergaß was er sagen wollte oder was er in den paar Minuten davor gemacht hatte, verleitete ihn zu diesem Gedanken. Deswegen kam es auch dazu, dass wir uns nicht mehr dran erinnern konnten, wie wir auf die Idee kamen uns für diese Nacht wieder einmal das Bett zu teilen. 

Das Ende von TrailerparkWo Geschichten leben. Entdecke jetzt