Nun bin ich 36 Jahre alt , fast 37, und habe ein langes, schweres Leben hinter mir. Doch ich weiß, das ist nicht alles, ich habe noch einige Jahre vor mir. Ich weiß nicht was noch alles auf mich zukommen wird, aber im Gegensatz zu damals sehe ich nicht mehr in eine schwarze, ungewisse Zukunft. Mir ist bewusst, dass ab jetzt nicht alles 'super toll' werden wird nur weil eine dauernde Pechsträhne aufgehört hat und ich wahrscheinlich die Liebe meines Lebens gefunden habe, aber es wird weiter gehen. Das wird es immer.
In meinem Leben stand ich oft am Abgrund, habe den Tot herausgefordert , sah das Ende meiner Welt und trotzdem bin ich noch hier. Ich hatte nicht unbedingt die beste Kindheit, hatte viele Familiäre Probleme, hatte oft stress mit der Polizei, habe meiner Mutter nur Kummer und sorgen bereitet, war in Depressionen und voller Selbstzweifel versunken. Das Lebe hinterlässt Narben in der Seele die man bis zum Ende mit sich rum tragen muss. Man kann daran kaputt gehen, aber auch daran wachsen. Das ist jedem Selbst überlassen.
Wie oft musste ich mir anhören: " Tim, du hast dich verändert. Werd' wieder der alte.". Doch das ist Schwachsinn. Ich bin immer noch ich und werde es auch immer sein. Jeder Mensch verändert sich im laufe der Jahre, im laufe des Lebens. Daran ist nichts verwerfliches und man ist immer noch man selber.
Ich habe Probleme mit mir selber aber im Grunde bin ich zufrieden. Man lernt mit den Schmerzen umzugehen. Klar, hätte ich mir ein schöneres Leben vorstellen können. Aber ich irgendwie habe ich es immer Überlebt. Auf vieles was ich getan habe, bin ich nicht wirklich stolz und trotzdem bereue ich nichts. Es ist gekommen wie es kommen musste. Es standen immer Leute hinter mir und ich werde ihn allen bis zum Schluss unendlich Dankbar sein. Doch von allem, hat mir die Musik am besten geholfen. Gemeinsam mit Cannabis war und ist es meine Selbsttherapie; im Gegensatz zu allen anderen richtigen Therapien die ich gemacht habe, hat diese wirklich geholfen. Wie oft Stand ich auf einer Brücke, kurz vorm Sprung, wie oft habe ich mir die Knarre an den Kopf gehalten, wie oft habe ich versucht mich über zu dosieren... Ich hatte schon lange nicht mehr mitgezählt.
Und jetzt Liege ich hier. Mit dem Mann meiner Träume neben mir. Das ganze letzte Jahr hatte alles übertroffen. So vieles ist passiert und hat mich in alte Verhaltens Muster zurück fallen lassen. Ich dache, mit jedem Tag ginge ich ein Schritt weiter auf eine Klippe zu. Doch was ich nicht wusste war, dass am Ende nicht der Abgrund wartete, sondern Lukas.
Da denkt man ' Es kann eh nicht mehr Schlimmer werden. Ich habe schon alles durch gemacht.' und geht Schritte nach vorne, in der Hoffnung glücklich zu werden, doch dann schlägt einen das Leben so hart zurück, wie noch nie. Man findet sich am Anfang wieder, am Anfang der Dunklen Zeit. Man durchlebt das alles ein zweites mal.
Deshalb erwarte ich schon gar nichts mehr vom Leben. Es kann immer schlimmer werden. Aber auch immer besser. Und das liegt an einem Selbst.
Doch was ich mich am meisten frage ist, musste ich wirklich so viel scheiße durchleben? Nur damit ich ,erst, mit 36 die Liebe meines Leben, in meinem alten Band Kollegen finde? Das ist so absurd.
Das letzte Jahr. Es hat angefangen, dass ich wieder unter Depressiven Schüben litt, gefolgt von Panik attacken; so wie früher. Doch man überspielt die Tatsachen, man will es nicht wahrhaben. Alle haben versucht für mich da zu sein, doch einzig und allein wollte ich meine ruhe.
Es hatte sich alles so sehr aufgestaut und angesammelt, dass ich immer wieder Panik Attacken bekam und mich in meinem ganzen Leben einschränkten. Ich war hilflos , ich sah zu wie sich meine Band immer weiter auseinander lebte. Doch so sehr ich es auch wollte, ich konnte nichts dagegen tun.
Dann ist ein langjähriger Kumpel und gleichzeitig Band Kollege , den Drogen komplett verfallen und steckte in irgendeiner Klinik fest.( Das wovor jeder Junkie insgeheim Angst hat.) Dadurch gab es nur noch mehr streit innerhalb der Band und alles pisste mich nur noch an.
Wir waren nur noch zu dritt. Dies hielt jedoch nicht lange. Sudden wurde schwer Krank, weshalb er uns viel zu früh von uns gegangen ist...
Nun fing auch ich an, den Drogen immer weiter, wenn das überhaupt noch ging, zu verfallen. Immer öfters wurde ich mitten am Tage wach und fand eine Spritze in meinem Arm. Ich schottete mich komplett ab. Niemand kam mehr an mich heran. Nicht mal meine eigene Familie. Alles was mich früher am Leben gehalten hatte, gab ich auf. Vernachlässigte Freunde und gab jegliche Arbeit mit Musik auf. Es wurde sogar so schlimm, dass mein bester Freund sein Leben vernachlässigte und seine Karriere aufs spiel setzte um bei mir zu sein. Er war eine unglaubliche Stütze; obwohl ich das damals noch gar nicht so erkannte.
Als dann noch mein Hund starb, hatte ich quasi schon mit dem Leben abgeschlossen. Ich wollte einfach nicht mehr, nur noch schlafen, für immer. Was hatte ich denn noch vom Leben? Alle um einen herum sind Glücklich, bekommen ihr leben auf die reihe, nur man selber nicht. Und deine ehemaligen Freunde, die vom Suff weggekommen sind, die nun eine Familie haben, verstoßen einen, weil man nicht mehr dazu passt, weil sie die Vergangenheit abgeschlossen haben, alles daraus löschen, und irgendwann wird einem bewusst, was man über lange zeit verdrängt, dass man dazu gehört, zur Vergangenheit, die sie aus ihrem Leben verbannt haben. Umso mehr die Zeit voran schreitet, umso mehr Leute gehen, verlassen einen die , die einem so viel bedeutet haben, lassen einen in der Dunkelheit sitzen und gehen selbst, mit anderen, ins Licht, in eine bessere Zukunft. Schlussendlich ist man der letzte, der letzte der es nicht geschafft hat Erwachsen zu werden. Das schlimmste daran, man weiß, dass man es alleine aus dem kleinem verdreckten Zimmer, mit einer zerstörten Couch, auf der man irgendwann Platz genommen hat, nicht mehr raus kann. Doch wer ist geblieben? Niemand. Alle sind weg und keiner von außen findet einen. Ein kleiner Teil eines Kreislauf vom Leben eines Junkies.
Doch irgendwann , wenn man denkt, dass alles verloren sei und man nur noch in diesem heruntergekommenen Zimmer sitzt, um auf den Tot zu warten, da öffnet sich die Tür einen Spalt. Man weiß nicht was auf einem zukommt, immer wieder wagt man einen Blick hinüber, hat aber jegliche Hoffnung verloren, erkennt den Umriss eine Person, die sich nicht hineintraut. Irgendwann, ohne weitere Vorkommnisse, ignoriert man die Person, die einen Beobachtet, fällt zurück, redet mit sich selber, redet die Person an ohne eine Antwort zu erhalten, gibt auf, steht dem Tot ein weiteres mal so nahe, blickt dem Tod in die Augen. Doch dann, wenn einem sein eigener Körper unter den Spritzen entgleitet, wenn man vom Sofa auf den Boden sinkt, da wo man gefühlt hingehört, dann öffnet sich diese Tür komplett und diese Person tritt ins Zimmer, in dein Leben. Und sie wird dich retten, sie zieht die hoch, schleift deinen Leblosen Körper zur Tür hinaus und richtet dich auf. Erst dann spürst du das Leben wieder, was du alles verpasst hast und das nur weil du dich im Zimmer, im Leben, versteckt hast. Du blickst die Person an, richtig, verlorene Gefühle tauen wieder auf. Und dann erst bemerkst du, dass die Person schon etliche Jahre in deinem Leben war, einfach von außen herein kam und dich aus der Dunkelheit zog, das unmögliche möglich gemacht hat. Dein Kopf ist leer, so viele neue Möglichkeiten haben sich dir geöffnet, doch du denkst nur darüber nach, wie sehr du diese Person liebst, und den Rest deines Lebens bei ihr bleiben möchtest. Zum ersten mal Atmet man wieder das Leben.
Zurzeit läuft aber alles wieder rund. Lukas hat mir wieder zurück ins Lebens geholfen. Ich habe die Arbeit mit der Musik wieder aufgenommen und werde sogar bald auf Tour gehen.
Mit Lukas läuft es Super, allgemein ist gerade alles gut. Anscheinend hat mein Leben sich ein wenig beruhigt und ich kann aufatmen. Mit jedem Atemzug genieße ich das Leben und mache das Beste daraus. Mein Leben hat eine komplette 180 grad Wendung gemacht und ist nicht mehr so wie vorher. So vieles hat sich verändert und trotz den anfänglichen Schwierigkeiten, komme ich den neuerungen gut klar. Ich hab mein Leben wieder in der Hand. Dazu gehörte auch, dass ich Heroin den Rücken gekehrt habe. Es war schwer, sehr schwer sogar, Tage und Nächte voller Schmerzen und Gedanken die einen gefühlt zerstören. Doch mit ihm an meiner Seite habe ich es durch gestande. Klar, manchmal denke ich noch dran aber das ist normal und nichts neues. Mit dem Kiffen habe ich aber nicht aufgehört und das werde ich auch nie.
Auch die Beziehung zu meiner Ex hat sich verbessert, weshalb ich meinen Sohn wieder öfters zu Gesicht bekomme. Zwar sehe ich ihn immer noch nicht so regelmäßig, aber ein striktes Verbot habe ich nicht mehr. Sein lächeln spendet mir immer wieder aufs neue Kraft zum weitermachen.
Doch das Beste ist, dass wir heute Basti aus der Klinik abholen können! Endlich, nach eineinhalb Jahren, sehe ich meinen alten Kumpel wieder. Obwohl er eine ziemliche große Fresse hat, habe ich seine dummen Sprüche schon ziemlich vermisst. Wahrscheinlich wird es jetzt auch wieder mit Trailerpark Berg auf gehen.
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Das Ende von Trailerpark
ФанфикшнTimi denkt über seine zeit im Trailerpark nach. Es hatte sich einiges in seinem Leben verändert. Beruflich aber auch in seinem Privatleben. Alles brach Stück für Stück zusammen. Lukas war für seinen Besten Freund da und obwohl Tim es ihm nicht imme...
