Wahrheit

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Eine schrille Melodie ertönte am frühen Morgen, gefolgt von einem nackten Mädchen, welches hastig aus meinem Bett hüpfte. Unweigerlich wurde ich davon aus meinem Schlaf gerissen. Hektisch kramte das junge Mädchen, wessen Vornamen ich immer noch nicht kannte, im Klamotten Haufen herum, welchen wir beim entledigen unserer Kleidung verursacht hatten. Die nervende Musik stellte sich als ihr Handy Klingelton heraus und erleichtert nahm sie das Gespräch an, als sie ihr Telefon noch rechtzeitig fand. So wie ich das verstanden habe, hatte sie eine Arbeitskollegin zu dieser unmöglichen Zeit kontaktiert. Kaum hatte sie auch schon das Gespräch beendet, kramte sie erneut in dem Haufen herum und suchte alles heraus was ihr gehörte. Eilig zog sie sich ihre Klamotten vom gestrigen Abend an, wobei sie sich etwas schusselig anstelle und immer wieder stolperte. Dafür stand sie aber in unter fünf Minuten komplett angezogen vor mir. " Tut mir leid, dass ich dich geweckt habe. Ich muss jetzt aber ganz dringend die Schicht einer Freundin übernehmen. Wärst du so lieb und rufst mir ein Taxi? Dann würde ich noch schnell ins Bad huschen.", redete sie viel zu schnell und kramte wie wild in ihrer kleinen Handtasche herum. Ich griff mit noch schwachen Gefühl in den Armen nach meinem Handy und rief ihr gezwungenermaßen das gewünschte Taxi. Was anderes wäre mir auch nicht übrig geblieben, denn bevor ich ihr das hätte ausschlagen können, rannte sie schon Richtung Bad.  Als sie zurück kam, hatte ich mich wenigstens schon mal dazu aufgerafft mich richtig hinzusetzen.  Meinen Schritt hielt ich mit der Decke bedeckt. Sie hatte die schwarzen Ränder ihres Make-ups entfernt und hatte ihre langen Schwarzen Haare zu einem Zopf gebunden. Im Gegensatz zu mir, sah sie topp fit aus und nicht so als wäre sie die ganze Nacht durch gevögelt worden. Ich gab ihr bescheid, dass das Taxi draußen auf sie warten würde und mit einer Flüchtigen Umarmung verabschiedete sie sich von mir. Bevor sie jedoch ging versprach sie mir von sich aus, das alles Geheim zu halten und zwinkerte mir zu. Obwohl sie so an sich nicht schlecht war, glaubte ich nicht daran, dass es irgendwas ernstes werden würde, geschweige denn ich sie jemals wieder sehen würde. Außer ich müsste nochmal irgendwann wegen einer Überdosierung ins Krankenhaus. 

Mit halb geschlossenen Augen, griff ich nach einer Boxershorts und irgendeinem Shirt, welches sich zusammengeknüllt in meinem Bett befand. Während ich mich auf dem Weg aus meinem Zimmer raus ins Bad machte, sah ich bewusst auf die Uhr. Noch nicht mal acht Uhr. Ob Lukas überhaupt schon wach war?  Ruckartig blieb ich stehen, als dieser Name in meinen Gedanken fiel. " Scheiße!", dachte ich "Hoffentlich ist er heil nach Hause gekommen und ist nicht allzu sauer." Doch auf eine 'Konfrontation' mit ihm konnte ich mich nicht mehr drauf einstellen. Plötzlich tauchte er am Ende des Ganges auf und sah mich einfach nur an. Wirklich begeistert sah er nicht aus oder gar erfreut mich zu sehen. Langsam ging ich auf ihn zu und Lukas beobachtete kritisch jeden einzelnen Schritt von mir. Schritt für Schritt ging ich auf ihn zu und von mal zu mal wurde ich immer nervöser. Er stand einfach nur da und sah mich mit einem wachsamen Blick an. So als würde ich jeden Moment eine Geisel erschießen.
Schließlich kam ich vor ihm zum stehen. Lukas sah mich einfach nur an und schwieg. Sein verhalten mir gegenüber war äußerst seltsam und eigentlich wartete ich nur darauf, bis er mir irgendetwas wegen dem gestrigen Tag vorhalten würde. Doch nichts, einfach nur schweigen und anstarren. Nach einer ganzen Weile wurde mir dies aber zu doof und ich grüßte ihn mit einem irritierten lächeln, um meine Nervosität zu überspielen. Sofort danach schob ich mich einfach an ihm vorbei, weiter Richtung Bad. Den Anschein mich abzuhalten machte er nicht, lediglich kam ein kaltes 'Morgen' von ihm, als ich ihm bereits den Rücken zugewandt hatte.

Ich verbrachte gefühlte Stunden im Badezimmer um Lukas erstmal nicht zu begegnen. Zu 100 Prozent war ich mir sicher, dass noch etwas von ihm kommen würde.
Bevor es auffällig wurde, schlenderte ich zu ihm in die Küche. "Wenn er wirklich wegen der letzten Nacht sauer auf mich ist, dann ist das echt Kindisch." Begleitend mit diesem Gedanken ließ ich mich zu Lukas am Frühstückstisch nieder. Doch so schön wie sich das anhört war es nicht. Der Gedeckte Tisch bestand lediglich aus ein paar hingeklatschten Brettchen mit jeweils einem aufgebackenen Brötchen und nur zwei Sorten Aufschnitt. Meistens fiel unser Frühstück so mager aus, da ich einfach so gut wie nie wirklich etwas vernünftiges da hatte. Allerdings standen noch tausend andere Sachen, die eigentlich nichts auf einem Esstisch zu suchen hatte, verstreut herum. Aber auch Lukas mit seiner abweisenden Haltung mir gegenüber, trug zur ungemütlichen Atmosphäre bei.

Lukas hatte diesen Morgen für uns etwas zu essen gemacht, welches ich jedoch nur widerwillig in mich hinein Stopfte, um eine von den viele Diskussionen über mein Essverhalten aus dem Weg zu gehen. Immer wieder wenn er dachte, ich würde es nicht sehen, starrte er mich fast schon  abfällig an. Dies ging mir aber schnell eindeutig zu weit, weshalb ich mein Messer auf den Tisch schmiss und ihn angepisst ansah. " Was ist dein scheiß Problem?" Lukas schreckte von dem plötzlichen Geräusch auf und erwiderte meinen Blick. Er blieb stumm. Man sah ihm an, wie er fast schon Krankhaft nach den passenden Worten suchte. Dann, endlich, nach mehreren Minuten voller Schweigen und anstarren, ergriff auch er das Wort. " Wie kamst du nur auf diese scheiß Idee irgendeinen Fan mit nach Hause zu nehmen?" Er war also wirklich deshalb sauer.  Seine Stimme blieb zwar ruhig, aber in seinen Augen erkannte ich wie sehr er enttäuscht von mir war. Oder war er eifersüchtig? Ich versuchte ruhig zu bleiben, aber meine Emotionen überkamen mich. " Das geht dich doch gar nichts an. Du bist nicht meine Mutter!" " Schon vergessen warum ich hier bin? Weil ein gewissen Herr Weitkamp nicht mehr alleine klar kommt. Also bin ich schon sowas wie deine Mutter, oder ein Ersatz dafür." Genervt knallte ich mit meinem Rücken gegen die Stuhllehne und verschränkte meine Arme. Innerlich wusste ich, dass er recht hatte, eingestehen wollte ich es mir aber nicht. Erst recht die Worte  ' nicht mehr alleine klar kommen' von ihm verletzen mich ziemlich.

Ruckartig stieß ich mich vom Tisch ab und stand auf, ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen. Obwohl mein Essen noch zur hälfte vorhanden war, nahm ich das Brettchen in die Hand und warf es regelrecht in die Spüle. " Weder dich noch meiner Mutter geht es was an mit wem ich schlafe." 
Ich wollte gerade genervt aus der Küche stürmen,doch wurde von Lukas Worten aufgehalten. "Von mir aus Schlaf mit wem du willst, aber nicht mit irgendwelchen X beliebigen Fans!  Du weißt was das für Konsequenzen mit sich tragen kann." Lukas Worte klangen zum ende hin immer besorgter. Dass die Frau die Krankenschwester war, verheimlichte ich ihm lieber.

Im Hintergrund hörte ich wie Lukas' Stuhl über den Boden schliff , gefolgt von wenigen Schritten. 
Ich spürte Lukas gegenwart, seine Wärme und sein Atem in meinem Nacken. 

Kaum hatte ich mich zu ihm Umgedreht, da ergriff er ein weiteres Mal das Wort. " Ich kann meine Gefühle zu dir zurückschrauben, um für dich da zu sein, dass wir weiterhin Freunde bleiben können. Aber wenn ich nebenan liege und dir zuhören muss wie du es mit dem nächst besten Weib machst, ist es selbst für mich schwer. Du machst es mir echt nicht leicht. " Kurz pausierte er  und Strich sich innerlich fertig über die Stirn. "Ich möchte ungern den Kontakt zu dir abbrechen,wirklich nicht, aber..." 

Jedes weitere Wort von ihm schnürte mir die Brust zu und ließ Panik in mir aufsteigen. Er konnte mich da doch nicht einfach so verlassen. Dann hätte er mich direkt auf dem Weg nach Berlin an einer Klapse rauslassen können. Wenn er gegangen wäre, wen hätte ich denn dann noch gehabt? 

Während er sprach sah ich die ganze Zeit zu, wie seine Lippen sich bewegten. Die Wörter fielen wie Steine aus seinem Mund. Mein Kopf war wie leer gefegt und ich handelte aus Angst, die ich mir so niemals eingestanden hätte. Angst ihn auch noch aus meinem Leben verschwinden zu sehen. Mitten in seinem Satz unterbrach ich ihn. Mit meinen Fingern krallte ich mich in den Saum seines Shirts und zog ihn näher an mich heran. Lukas stand schon fast auf meinen Füßen, so nah war er mir. Und bevor er irgendwas sagen konnte, lagen meine Lippen schon auf seinen. Ohne zu zögern ging er darauf ein und legte seine Arme um meine Hüfte. Zärtlich erwiderte er meinen Kuss.

Das Ende von TrailerparkWo Geschichten leben. Entdecke jetzt