Lukas saß mir mittlerweile im Schneidersitz gegenüber. Er war den ganzen Tag bei mir geblieben und sah fast schon so scheiße aus wie ich. Schwere Augen, die nur durch Tonnen von Kaffee offen gehalten wurden , dunkle Augenringe, zerzauste Haare. Er hätte genauso gut mit mir im Krankenhaus liegen können. Wir mussten beide darüber lachen und hielten dies auf einem Foto fest. Ohne an irgendwelche Konsequenzen für mich zu denken stellte ich dies auf Instagram, Twitter und Facebook. Kaum war es hochgeladen kamen schon nach den ersten Sekunden die ersten Likes und Kommentare. Doch wir einigten uns darauf, dass wir auf Fragen, bezüglich genaueren Informationen über den Aufenthalt, nicht eingehen würden. Genervt von den dauernden Benachrichtigungen stellte ich mein Handy auf Stumm und legte es auf den kleinen Tisch neben dem Bett.
"Oke. Das ist jetzt vielleicht ein Falscher Zeitpunkt, aber... Wie hast du dir das jetzt vorgestellt? Also wie lange soll ich noch bei dir bleiben und auf dich aufpassen?", fragte Lukas vorsichtig und zwinkerte mir bei letzterem zu. Überraschend war seine Frage nicht. Schließlich war er schon eine gute Woche bei mir und noch kein einziges mal hatten wir darüber gesprochen. Trotzdem kam es schon ein wenig plötzlich und ich wusste nicht wie ich darauf reagieren sollte. Das bemerkte auch Lukas und hängte noch hinterher.: " Wir müssen das nicht jetzt klären, dachte nur, weil wir gerade Zeit haben und ich kann ja nicht auf ewig bei dir 'wohnen'. ". Wie automatisch schoss ein 'Doch' aus mir heraus und er sah mich ein klein wenig schockiert an. " Spaß. Aber keine Ahnung. Du kannst ja schon noch ein bisschen bleiben.", versuchte ich mich noch zu retten und lachte gespielt auf. Mit einem lächeln auf dem Lippen und einem Nicken Stimmte er mir zu. Ich wollte nicht, dass er schon geht. Ich brauchte ihn zu dem Zeitpunkt einfach. Erst recht, weil ich ohne ihn gestorben wäre.
Es war spät am Nachmittag als jemand an die Zimmertür klopfte. Lukas und ich waren mitten in einem Gespräch vertieft und wurden dadurch im Wort abgeschnitten. Sofort lehnte sich Lukas etwas nach hinten, damit er die Tür besser im Blick hatte und sah gespannt zu, wie diese sich langsam öffnete. Wer mich besuchen kam wusste ich anfangs zwar nicht aber eine Vermutung hatte ich trotzdem.
Als der Besuch weiter ins Zimmer herein ging, machte sich ein lächeln in meinem Gesicht breit und ich wurde in meiner Überlegung bestätigt. Mein bester Kumpel Marcel kam herein und schüttelte nur lachend den Kopf. " 35 Jahre und du musstest nie ins Krankenhaus. und jetzt...",Marcel unterbrach kurz seinen Satz und musterte mich derweil. "Hast gut durchgehalten Bro.", brachte er Scherzes halber seinen Satz zu Ende und trat zu mir ans Bett heran. Ich konnte über seine Worte nur grinsen. Er hatte eben schon recht. Ich konnte echt von Glück reden, dass ich all die Jahre ohne irgendwelche ernst zu nehmende Probleme überlebt habe . Obwohl es manchmal schon ganz schön knapp war. Es war einfach nur eine Frage der Zeit, irgendwann wäre es so oder so passiert. Marcel schnappte sich einen der Stühle und schob diesen näher ans Bett heran. Er ließ sich auf den Stuhl fallen und begrüßte Lukas. Danach musste ich ihm erstmal genau erklären was passiert war, woraufhin er wieder einfach nur lachend den Kopf schüttelte. " Du machst auch Sachen Timi.", lachte Marcel fassungslos auf und verdrehte dabei die Augen. Wiederholt protestierte ich damit, dass es ja nicht absichtlich war.
Ich vertiefte mich immer mehr in ein Gespräch mit Marcel. Ich drehte mich deshalb zu ihm herüber und ließ meine Beine aus dem Bett hängen. Lukas hingegen wurde immer ruhiger und schloss sich selbst von der Unterhaltung aus. Als ich nach einer ganzen Weile einen kurzen Blick zu ihm herüber wagte, sah ich wie Lukas seine Augen geschlossen hatte und sein Kopf zur Seite gefallen war. Es verblüffte mich schon, dass er so schlafen konnte. Aber er hatte auch lange und Stressige Stunden hinter sich ohne Schlaf, da war es verständlich. Deshalb wollte ich ihn unter keinen Umständen Wecken, schließlich gönnte ich ihm die paar Minuten ruhe. Ohne es zu bemerken, zierte ein sanftes lächeln mein Gesicht. " Was grinst du so blöd?", holte Marcel mich aus meinen Gedanken. Verwirrt sah ich schnell zu ihm herüber und bemerkte wie dumm ich einfach nur ausgesehen haben musste. Gedanken versunken haben ich Lukas angestarrt und gelächelt.-Peinlich. " Ich grinse nicht und ich glaube wir müssen etwas leiser sein. Der große da pennt.", rechtfertigte ich mich und deutete zu Lukas herüber. Wir beide lachten leise auf und unterhielten uns danach weiter.
Lukas war schon lange wieder Wach, als die Krankenschwester zum Abend hin erneut das Zimmer betrat. Sie verwies meine beiden Freunde freundlich daraufhin, dass die Besuchszeit zu Ende war. Gezwungenermaßen Verabschiedete ich mich also von ihnen und sah zu wie die beiden zur Tür heraus gingen. Die Krankenschwester hingegen blieb noch im Zimmer. Sie stand am Ende des Bettes und lächelte mich an. Es war schon ein klein wenig seltsam, dass sie mich als Künstler kannte. Jedoch machte sie bis auf diesen einen kleinen Kommentar keine weitere Anspielungen darauf und unterhielt sich mit mir auf Beruflicher ebene. Sie klärte mich über meinen Gesundheitlichen zustand auf und verwies darauf, dass ich zu dünn war und deshalb länger als sonst am tropf hing. Doch davon abgesehen, hatte ich die Überdosis gut verkraftet.
Da sich mein Zustand in der Folgenden Nacht nicht verschlechtert hatte, sogar stabilisierte, wurde ich glücklicherweise zum Mittag hin entlassen. Nachdem ich dies am Morgen erfahren hatte, rief ich sofort Lukas an und bat ihn darum mich abzuholen. Natürlich stimmte er zu und machte sich sofort auf den Weg zu mir. Deshalb war er viel zu früh da und so verbrachten wir die restlichen Stunden, bis ich endlich entlassen wurde, zusammen.
Immer noch etwas erschöpft verließ ich gemeinsam mit Lukas das Krankenhaus. Wir benutzen die kleine Parkanlage die sich rechts neben dem Eingang befand, als Abkürzung um schneller am Parkplatz zu sein. Am auto angekommen, nahm ich auf dem Beifahrersitz platz und wir fuhren endlich zu mir nach Hause. Ich hatte einfach keine Lust mehr auf diese depressive Krankenhaus Atmosphäre.
Wie abgesprochen blieb Lukas noch eine Weile und somit hatte die zweite Woche, in der er sozusagen bei mir Wohnte, angefangen. Es hatte sich mittlerweile vieles normalisiert und somit ging Lukas von meinem Zuhause aus seiner Arbeit nach. So verliefen die Nächsten zwei Tage nach meiner Entlassung ziemlich langweilig. Doch das nächste Ereignis ließ nicht lange auf sich warten. Schon nach diesen zwei Tagen wurde ich von den neuen Ereignissen überrumpelt.
Gerade hatten Lukas und ich ein kleines Info Video über unsere Band Trennung für unsere Fans gedreht, da klingelte es an der Tür. Genervt trottete ich in den Flur und erkannte schon durch die kleinen milchigen Fenster in der Tür, wer ungeduldig draußen wartete. Schlagartig musste ich daran denken, was es für Probleme geben könnte wenn eine bestimmte Person über meinen Aufenthalt im Krankenhaus bescheid wusste. Und diese eine Person war meine Ex. Meine Ex die ich vor 5 Jahren geschwängert hatte. Ich atmete noch einmal durch und öffnete zögerlich die Tür. Innerlich hoffte ich, dass ich mit meiner Vermutung falsch lag. Doch kaum hatte ich die Tür geöffnet wurde jegliche Hoffnung in mir zerstört. " Tim. Wir müssen unbedingt reden.", fuhr sie mich direkt in einem ernsten Ton an.
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Das Ende von Trailerpark
FanfictionTimi denkt über seine zeit im Trailerpark nach. Es hatte sich einiges in seinem Leben verändert. Beruflich aber auch in seinem Privatleben. Alles brach Stück für Stück zusammen. Lukas war für seinen Besten Freund da und obwohl Tim es ihm nicht imme...
