Ich stand in der letzten Reihe, nicht vorne bei der trauernden Familie, nicht bei denen die weinten und davon sprachen, was für ein großartiger Mensch Jenny gewesen war. Ich stand hinten, abgeschirmt von den Tränen, den mitleidigen Blicken. Ich war nicht traurig, ich fühlte mich nicht einmal schlecht. Ich fühlte nichts als Leere. Als hätte man mir die Seele ausgesaugt, den Lebensinhalt genommen. Für mich gab es eigentlich keinen Grund zu bleiben. Der Pfarrer brabbelte irgendetwas davon, dass wir alle Jenny vermissen werden und als er fragte, ob jemand etwas zu ihr sagen wollte, erhob ich mich. Er lächelte mich dankbar an, doch ich schüttelte nur den Kopf und drehte ihm den Rücken zu, während ich die Kirchentür aufschob. "Tristan...", jemand zog mich am Ärmel zurück und als ich mich umdrehte erkannte ich Laura. "Denkst du nicht, dass du es ihr schuldest? Hier zu bleiben?" Ich schluckte hart. Wie kam sie dazu mir vorschriften zu machen?! "Ich schulde es ihr?! Ich schulde es ihr??! Ich weiß nicht ob du es bemerkt hast, Laura, aber sie ist tot! Sie hat mich verlassen, sie wollte nicht dass ich ihr helfe, sie ließ es nicht zu bis sie keinen anderen Ausweg mehr hatte. Sie ist der egoistischte Mensch, den ich je kannte. Sie war stur und sie hat einem nie gesagt was sie wirklich denkt oder wie sie sich fühlt. Sie war immer darauf aus, dass es allen immer gut geht, egal wie schlecht es mir ging wenn ich sie dabei beobachtete! Es war ihr egal. Und jetzt ist sie fort. Sie ist gegangen und hat kein Recht darauf mir zu sagen was ich ihr schulde. Ich hasse dich, Jenny! Ich hoffe du hörst mich. Und euch hasse ich auch! Keiner von euch kannte sie und doch redet ihr von ihr als habe es euch auch nur etwas interessiert wie es ihr ging als sie noch lebte!" Laura sah mich geschockt an "Tr-Tristan..." "NEIN, NICHTS TRISTAN!!!! Ich habe sie geliebt und was hat sie getan?! Sie hat mich verlassen! Sie hat mich allein gelassen und ich kann ihr nicht folgen!", ich drehte mich um und schlug mit der Faust gegen die alten Kirchenmauer. Man hörte wie etwas in meiner Hand brach, und etwas Putz von der Wand abbröckelte, doch ich spürte nichts. Ich fühlte nur die Wut. Sie hatte mich allein gelassen, allein an einem Ort an dem sie nicht bleiben konnte. Wie konnte sie mir das nur antun?! Ich atmete tief durch und drehte mich noch einmal um "Sie war der einzige Mensch, der mich zum Lachen und zum Weinen brachte. Sie brachte mich zum Nachdenken, wenn ich nur Blödsinn im Kopf hatte und beruhigte mich, wenn meine Gedanken nicht die Klappe hielten." Mit diesen Worten wandte ich mich wieder der Tür zu und stieß sie auf. Draußen setzte ich mich in meinen Wagen und fuhr los. Ich fuhr durch die Innenstadt, vorbei an der Eisdiele, an der ich ihr als Entschuldigung ein Eis gekauft hatte, vorbei an ihrem Arbeitsplatz, vorbei an dem Park in dem wir mit Sam und Jamie einen unserer ersten Tage zusammen verbracht hatten. Ich wusste nich wohin. Aber hier konnte ich nicht bleiben. Nicht wo all diese Erinnerunge hinter jeder Ecke auf mich warteten.
Doch wo würden sie das nicht? Die Erinnerungen würden mich mein Leben lang verfolgen, wie Schatten, wie Dämonen in meinem Kopf. Ich würde ihnen nie entkommen...
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Lead Me Out Of The Dark
Teen FictionDies ist die Geschichte von Jenny, einem sechzehnjährigen Mädchen. Sie hat zwei Jobs, um ihre Mutter finanziell zu unterstützen während diese mit Jennys Vater mitten in einem Scheidungskrieg steckt. Ihr Leben verbrachte sie stehts nur damit zu arbei...