Anastasia wachte mit einem leichten Kater auf und erinnerte sich verschwommen an den vergangenen Abend. Gott, sie hatte mit ihnen gesoffen! Sie vergrub das Gesicht in den Händen, dann nahm sie den klingelnden Wecker und schmiss ihn gegen die Wand. Ihr gegenüber saß Mira auf dem Boden und starrte sie unverwandt an. Anastasia verzog das Gesicht. "War's schön mit Jerome?" Mira nickte schnippisch und warf ihre blonde Lockenmähne zurück. "Ihr wart auch nicht zu überhören", murmelte Anastasia und schälte sich aus ihrem Deckenkokon. Leider musste sie heute direkt von der ersten Stunde an zur Schule und um erstmal richtig wach zu werden, wollte sie sich im Bad das Gesicht kalt auswaschen.
Doch als sie die Hand an die Türklinke legte, berührten ihre Fingerspitzen etwas klebriges, glitschiges. Sie schrie auf und zog ihre Hand zurück. Unterdessen quietschte Mira begeistert auf. Anastasia hatte inzwischen bemerkt, dass sie auf den Jahrhunderte alten Zahnpasta-Trick reingefallen war und ging auf ihre drei Jahre jüngere Schwester los, als Henry grölend hereinkam. Anscheinend hatte er seinen Rausch keineswegs ausgeschlafen. "Bitchesfight!", rief er begeistert, als Anastasia ihre weiß beschmierte Hand an Mira's Haaren abwischte, woraufhin diese sich kreischend über den Boden wandt.
Schnell stand die ganze Familie, einschließlich Frank und Tim, im Türrahmen versammelt und verfolgte das Geschehen. Die Peinlichkeit hatte sich potenziert. Knurrend warf Mira sich auf Anastasia und drohte, ihr ins Gesicht zu spucken, doch dann wurde sie von einer Frauenhand auf den Boden gedrückt. "Ihr seid ja wie die Tiere!", fauchte Susi und richtete sich mühsam auf. Anastasia und Mira standen sich atemlos gegenüber und funkelten einander an. "Sie hat die Klinke mit Zahnpasta vollgeschmiert!", erklärte Anastasia erbost und zeigte auf ihre Schwester. "Ja und, kein Grund, so auszurasten!", rief diese schmollend zurück. "Du kennst mein Temperament und hast mich provoziert!", schrie Anastasia und wandte sich an die Familie. "Von Anfang an hat die mich provoziert!" "Die hat auch einen Namen!", keifte Mira zurück. "Ja, aber mir wird immer so schlecht, wenn ich ihn ausspreche, deswegen lass ich es", entgegnete Anastasia kühl. Mira äffte ihre Grimasse nach. "Hey hey, das ist nicht der Ton, auf den wir bei Konfliktbedarf geeinigt haben", rief Susi dazwischen und ihre Stimme übertönte die beiden Furien um weites.
Im Türrahmen standen die Männer des Hauses und beobachteten ihre kreischenden Frauen mit verschiedenen Mimiken. Stephen schien äußerst verblüfft, während Henry und seine Freunde eher amüsiert dreinblickten. Moritz begann zu weinen.
Anastasia hatte sich inzwischen gefangen. "Ja, super Susi, manchmal muss man eine Sache einfach mit Gewalt klären, kurz und schmervoll, anstatt sich stundeang zu belabern!" Susi verstärkte empört den Griff an ihrer Schulter, während sie die Augen aufriss. "Hat dir das deine Mutter begebracht, oder wie?" Somit hatte sie das Fass zum Überlaufen gebracht. Stephen im Türrahmen verzog schmerzlich das Gesicht und wappnete sich gegen eine ausrastende Tochter. "Wenn du noch ein Wort über meine Mutter sagst, das sage ich dir, dann knallt's, aber gewaltig!", brüllte Anastasia. Ihre Augen schienen sich zu verdunkeln und blinkten gefährlich. Susi schnappte nach Luft. "Sag mal wie-" Sie stockte abrupt und riss Mund und Augen auf wie ein Fisch. Sie beugte sich vor und fasste ihr Becken. Unter ihr auf dem Boden bildete sich ein nasser Fleck und sie stieß einen wehleidigen Laut aus, bevor sie zu schreien begann. "Ich glaube, meine Fruchtblase ist" , sie holte Luft "GEPLATZT!" Stephen stürzte vor, um sie zu stützen. "Kinder, es ist so weit!", rief er, doch die Hektik blieb aus und die Teenager standen verblüfft da und sahen ihren Eltern zu, während Susi sich wandt wie ein Fisch im Trockenen. Unterdessen gab sie furchbare Schreie von sich. Moritz weinte lauter. "Hecheln, Schatz, hecheln! Das hat doch die Kursleiterin vom Yoga für Schwangere gesagt! Hecheln!" Stephen wurde immer verzweifelter. Anastasia konnte ein Grinsen kaum unterdrücken. "Ihr wart beim Yoga für Schwangere? Zusammen?" Währenddessen begann Susi zu hecheln und zu keuchen, doch sie brüllte immer noch, alles gleichzeitig. "Ich rufe 112!", verkündete Tim, doch sie hielt ihn auf. "Kein Notarzt! Ich hechel den Schmerz weg! Stephen, ruf die Hebamme, die wir für die Hausgeburt gebucht haben!" Stephen stürzte zum Telefon, während Susi sich an der Schreibtischkante verkrampfte und wieder schrie. "HECHELN!", rief Stephen aus dem Flur. "Ja doch!", gab Susi zurück und rang nach Luft. "Das ist nur alles nicht so einfach, Schatz! Hast du das mal gemacht!? Schreien tut gut! GEBT MIR EIN KISSEN!" Aus Angst, sie würde jemanden ermorden, wenn sie es nicht taten, führte Anastasia sie zum Bett und reichte ihr ein Kissen. Susi schlug wie verrückt darauf ein. Angewidert musterte Anastasia den mit Fruchtwasser gesprenkelten Boden und fragte sich, wann der Tag kommen würde, an dem sie aufwachte und alles normal wäre.
--------------------
Henry beobachtete schüchtern seine Mutter, die die Kissen auf Anastasia's Bett zusammenprügelte. "Die Hebamme ist unterwegs!", rief Stephen inzwischen und drängte sich ins Zimmer. "Helft mir, sie ins Bett zu bringen!", schrie er den Kindern zu und gemeinsam trugen sie sie durch den Flur ins Elternschlafzimmer. "Wir müssen zur Schule!", rief Moritz erschrocken und trocknete seine Tränen. "Ihr seid alle dabei!", rief Susi zurück, die mittlerweile auf der Matratze lag und zog die Beine an den Bauch. Super! Warum hatte sie sich auch für die Hausgeburt entschieden? Es klingelte an der Tür und Mira rannte aus dem Raum, um zu öffnen. Wenig später erschien eine Hebamme im Zimmer und half Susi aus den Klamotten, dann presste sie nasse Tücher auf ihren Bauch. "Hecheln, Frau Kreschmeyer!" Seine Mutter rang nach Luft. "Und pressen!", rief die Hebamme. Susi schrie erneut und er hielt sich die Ohren zu, als er sah, wie sich ein Fleck Blut auf der Matratze ausbreitete. Etwas rundes, haariges kam zum Vorschein. Henry spürte, wie ihm übel wurde und rannte zur Tür hinaus. Hektisch suchte er den Weg ins Badezimmer und übergab sich über der Kloschüssel. Dann spülte er ab. Schließlich saß er ganz elendig an die kühlende Wand gelehnt, hielt sich die Ohren zu und wartete, dass es endlich vorbeizog.
Die Schreie seiner Mutter wurden weniger, bis sie schließlich vollkommen erlöschten. Zu dem Zeitpunkt wusste er jedoch schon nicht mehr, wie lange er dagesessen hatte. Vorsichtig trat er auf den Flur und dann kam ihm auch schon Anastasia entgegen. "Total hässlich", sagte sie schulterzuckend und lief an ihm vorbei, die Treppe runter. Er schluckte mit geschlossenen Augen. Ihm war immer noch übel.
Welch ein stressiger Start in den Tag! Er überlegte, ob er sein neues Geschwisterchen ansehen wollte, doch als er durch den Türspalt linste, sah er nur diese gelbgrüne, wibbernde Schnur und musste ein Würgen unterdrücken. Also folgte er bloß Anastasia, um etwas zu Trinken.
******************
Ja, jetzt ist das fünfte Kind da. Was glaubt ihr, Junge oder Mädchen? :D
Bitte hinterlasst Kommis! :)
DU LIEST GERADE
Achtung Patchwork!
HumorGroßfamilie? Nein danke! Zumindest in den Augen der siebzehnjährigen Anastasia, die ein ganz idyllisches Leben in Köln, allein mit ihrem Vater führt. Doch von heute auf morgen findet sie sich in einem Düsseldorfer Neubaugebiet wieder und soll ab sof...
