Das Kapitel mit dem Morgen danach

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"Morgen, Süße." Ella streichelte sanft über Anastasia's Wange. "Hey", sagte sie nun etwas lauter und rüttelte ihre Freundin dabei. Anastasia fuhr auf. "Ah", machte sie und hielt sich den Kopf. Dann sah sie sich um. "Warum bin ich im Keller?" Ella schüttelte traurig den Kopf. "Es ist etwas schreckliches passiert." Sie blickte zu Ana herab. "Du hast mit Kai geschlafen." "Ich weiß", sagte Anastasia. "Wir sind wieder zusammen. Ella, er hat ein total schönes Date vorbereitet und sich bei mir entschuldigt für alles. Weißt du, er ist.. -" "Anastasia, wach' doch endlich mal auf!", fuhr Ella dazwischen. "Kai ist nicht mehr hier! Er hatte nie vor, mit dir zusammen zu sein, alles was er wollte, war Sex! Er hat dich verarscht." Stille. Anastasia betrachtete eine schwarze, haarige Spinne, die an der grauen Kellerwand hinaufkletterte, deren Putz allmählich bröckelte. "Kai ist... weg?", hauchte sie verständnislos. Sie war nicht imstande, vernünftig zu denken. "Ja", sagte Ella langsam. "Er ist heute Morgen aus dem Haus geschlichen. Vermutlich ist er längst in Köln." "Das heißt, ich bin allein?" Tränen schwammen in Ana's müden Augen. "Nein, das bist du nicht. Ich bin bei dir." Ella drückte die Hand ihrer besten Freundin. "Aber du fährst morgen", sagte Anastasia leise. "Fuck, Ella! Was habe ich nur getan?" Sie schluchzte auf und verbrag das Gesicht in ihren Händen. "Komm", murmelte Ella. "Machen wir dir einen Kaffee."

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Stephen nahm einen Schluck von seinem Tee und wollte sich gerade wieder der Zeitung widmen, als seine Tochter laut weinend im Arm ihrer besten Freundin in die Küche kam. "Anastasia?", fragte er besorgt, "Alles in Ordnung?" Es war eine rein rhetorische Frage, denn jedes Schwein konnte sehen, dass nicht alles in Ordnung war. "Papa", schluchzte sie und warf sich ihm um den Hals. "Ich habe Mist gebaut!" Er strich ihr liebevoll über den Rücken und drückte sie an sich. Unterdessen hantierte Ella mit der Kaffeemaschine. "Schätzchen, jeder Fehler ist machbar", murmelte Stephen aufmunternd. "Aber nicht dieser." Anastasia schob sich auf einen freien Stuhl und ließ ihren Kopf auf die Tischplatte fallen. "Ich hab alles kaputt gemacht", sagte sie traurig. "Nein!", sagte Ella energisch. "Er hat alles kaputt gemacht! Du hast nur dazu beigetragen, dass es so einfach für ihn war." Stephen blickte Anastasia fragend an. "Von wem sprechen wir hier?" Ella goss ihrer Freundin eine Tasse heißen Kaffee ein. "Von Kai", erläuterte sie nüchtern. "Papa, ich war betrunken!", weinte Anastasia. Sie sah ganz verzweifelt aus, wie sie da hockte und große Tränen über ihre Wangen liefen. Stephen spürte, wie seine Vatergefühle aufblühten. Er atmete scharf ein. "Anastasia, wir schaffen das", sagte er sanft. "Ich will dich da nicht mit reinziehen", jammerte diese, ehe sie einen großen Schluck Kaffee nahm. "Aber ich bin dein Vater!", gab Stephen zurück. "Ich werde hinter dir stehen, Maus. Es wird alles gut." Er beugte sich zu ihr, um ihre Hände zu fassen. "Ja", sagte Ana trotzig. "Aber das dauert eine Weile. Bis ich selber das verarbeitet habe und bis" - sie schluckte schwer - "Tim das verarbeitet hat." "Ein Baby ist nichts, wofür du dich schämen musst", beschwor Stephen seine Tochter. "Was für ein Baby?", rief diese aufgebracht aus. "Papa, es gibt kein Baby!" "Ich dachte, du wärst schwanger!" Stephen riss seine Hände zurück. "Nein!", schluchzte Ana. "Kai hat sie verarscht", erklärte Ella ruhig. "Er ist heute früh gefahren." "Ich dachte, du bist mit Tim zusammen!", rief Stephen verwirrt. "Nein", gestand Anastasia kläglich. "Wir sind nicht zusammen. Das war alles Show für Kai, damit er nicht auf die Idee kam, sich Chancen bei mir auszurechnen. Im Endeffekt war es sinnlos", setzte sie seufzend hinzu, als ihr auffiel, dass Kai nicht nur ihr Herz, sondern auch Tim's zerbrochen hatte. Ihr graute es jetzt schon davor, ihm davon zu berichten. Immerhin würde sie damit diese kleine Welt zerstören, die sie sich aufgebaut hatten - falsche Küsse, falsche Blicke, falsche Beziehung, falsche Idee. Im Grunde verschwendete Lebenszeit, aber immerhin hatte es hin und wieder gut getan, in den Arm genommen zu werden. Und auch, wenn die Beziehung wegen Kai nur gespielt gewesen war - Tim würde sie nie mehr so ansehen wie vorher. Er würde sie hassen.

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