"Na, wie war euer erster Schultag?", fragte Susi, sobald Anastasia, Henry, Frank und Tim zur Tür hereinkamen. Anastasia stöhnte auf, für heute hatte sie genug 'Naa's gehabt. Sie schleuderte ihre Tasche gegen die Wand und setzte sich zum Essen an den Tisch. Tim setzte sich ihr gegenüber und warf ihr einen verschwörerischen Blick zu. "Und Anastasia, schon irgendwelche Bekanntschaften gemacht?", sagte Stephen und legte seine Tageszeitung beseite, um den Braten anzuschneiden. Seufzend nahm sie einen Schluck Apfelschorle aus ihrem Glas und schüttelte beschämt den Kopf.
"Wenigstens ein paar nette Jungs, die dich interessieren könnten?", hakte Stephen augenzwinkernd nach und reichte ihr den Apfelmus. Das übliche 'Boa Papa!' blieb ihr im Halse stecken, als sie Tim's hoffnungsfrohen Blick erhaschte. Der Arsch glaubte auch echt, sie würde mit einem solch selbstgefälligen Typen wie ihm etwas anfangen! "Nö", sagte sie lächelnd und kostete den Moment aus. "Nichts für mich dabei. Nichts, dass ich nicht schon kenne." Anasrasia freute sich regelrecht über Tim's gekränkten Blick und reckte das Kinn in die Luft. Ha! Das hatte er davon.
"Da ergibt sich bestimmt noch was, hm. Brauchst nicht traurig zu sein", sagte Susi lächelnd und berührte mitleidig ihren Arm. Anastasia befreite sich aus ihrem Griff und schüttelte den Kopf. Ihr war danach, noch einen oben drauf zu setzen, um Tim zu zeigen, wer hier die Hosen anhatte. "Ich bin glücklicher Single und im Moment habe ich auch echt keine Lust auf Jungs. Ich suche mir wohl erst mal eine paar nette Freundinnen", erläuterte sie und pikste ein Stück Fleisch auf. Sie war froh darüber, dass Susi solch eine begandetete Köchin war, denn bei ihrem Vater hatte es regelrecht bloß Nudeln gegeben.
"Sie muss erst über Kai hinwegkommen", raunte ihr Vater Susi zu, welche wissend nickte. Als ob sie das nicht hören könnte! Anastasia hätte ihrem Vater am liebsten eine Kopfnuss verpasst!
Nach dem Essen verzog sie sich auf ihr Zimmer, um die wenigen Hausaufgaben zu erledigen, die sie audbekommen hatten. Die Lehrer hier kannten echt keine Gnade...!
Nachdem sie die Zimmertür hinter sich geschlossen hatte, atmete sie einmal tief durch. Mira war nicht da, jedenfalls war sie nicht zum Essen erschienen und diese Gelegenheit musste Anastasia nutzen.
Dann allerdings hörte sie seufzende, schmatzende Geräusche und entdeckte ihre Schwester mit einem jungen Schwarzafrikaner auf ihrem Bett sitzen, während sie sich gegenseitig die Zungen in den Hals jagten. Sie verzog angewidert das Gesicht und räusperte sich, woraufhin Mira kurz aufsah, sich aber nicht weiter für sie interessierte. "Ehm, ich hatte mir Nils immer ganz anders vorgestellt", sagte Anastasia und verschränkte die Arme vor der Brust. Mira's Strickjacke landete auf dem Boden. Währenddessen hob diese den Kopf, um zu antworten. "Nein, das ist Jerome", erklärte sie und widmete sich dann wieder ihrem Verehrer. Anastasia ging in die Hocke, um die Strickjacke vom Boden zu klauben. "Sag mal, was ziehst du eigentlich ständig meine Sachen an, ohne zu fragen?", fragte sie nach einem Blick auf das kleine Schildchen. Doch Mira hatte kein Ohr für sie frei, denn sie war ganz und gar mit Jerome beschäftig. Inzwischen fummelte sie den Gürtel aus ihrer Hose, während er begann, sein Hemd aufzuknöpfen. "Bah Leute, geht weg hier, echt! Ich muss mich jetzt konzentrieren!", rief Anastasia genervt und ließ sich auf ihren Schreibtischstuhl sinken. Mira sah zu ihr auf und fuhr sich durch die Haare. Ihr Atem ging unglaublich flach. "Gut. Komm' Jerome, wir haben im Keller eine Matratze stehen", sagte sie dann zwischen zwei Küssen. Er nickte, hob sie hoch und sie schlang ihre Hände um seinen Nacken. Kopfschüttelnd sah Anastasia dabei zu, wie die beiden polternd den Raum verließen. "Vergesst nicht, ein Kondom zu benutzen, sonst haben wir bald das Kamerateam von Teenie-Mütter auf der Matte stehen!", brüllte sie den beiden hinterher, dann knallte sie die Zimmertür zu und öffnete das Fenster, um den Geruch von Schweiß und feuchten Küssen nach draußen zu vertreiben.
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Im Flur erklang ein Poltern und Henry sah von seinem Fernsehbildschirm auf, auf dem er sich mit seinen Freunden gerade einer wilden Schlacht bei 'Call of Duty' lieferte. Durch die Tür nahm er Mira's Kichern wahr, gefolgt von einer fremden Stimme. Himmel, seine Schwester war ja schlimmer als er! Es am helligten Tag zu treiben...! Kopfschüttelnd schaltete den Fernseher aus und sah aus dem Fenster. Die Sonne war bereits untergetaucht und die ersten Sterne waren schwach zu erkennen.
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Achtung Patchwork!
HumorGroßfamilie? Nein danke! Zumindest in den Augen der siebzehnjährigen Anastasia, die ein ganz idyllisches Leben in Köln, allein mit ihrem Vater führt. Doch von heute auf morgen findet sie sich in einem Düsseldorfer Neubaugebiet wieder und soll ab sof...
