Das Kapitel mit furzenden Aliens

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"Also. Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, haben Mama und du Streit, aber du willst ihr trotzdem einen Antrag machen?" Henry zog seine Stirn in Falten und nippte an seiner Cola. "Genau." Stephen musste ein Stück vorrücken, damit ein etwas korpulenterer Arbeitskollege mit seinem Tablett an ihm vorbeipasste. "Wo bleibt die Logik?", fragte Henry aufgebracht und spuckte das, was anscheinend ein Chicken Wing sein sollte, angeekelt auf seinen Teller zurück. Nun war ihm der Appetit endgültig vergangen. "Unsere Beziehung wird diesen Streit schon überstehen", sagte Stephen und lächelte selig. Henry fühlte sich wie in einem Heimatfilm für liebestolle Senioren ab siebzig. "Ich frag' mich, wann ich so peinlich werde, ey! Du kennst meine Mo nicht mal ein Jahr und willst sie schon heiraten. Hey, Locco, setz' die rosa Brille ab!" Stephen's Gesichtsausdruck wechselte von selig über verblüfft zu beleidigt. "Henry, deine Mutter und ich sind seit zwei Jahren ein Paar", raunte er ihm zu, da einige seiner Kollegen bereits neugierig zu den beiden hinübersahen. Schon allein wegen Henry, der in seinem lässigen Stil rein gar nicht zu den edlen Anzugträgern passte. "Ich dachte, ihr habt euch auf so einer Internetseite für Singles kennengelernt, hier, Parship oder so!", rief er. Die Frau an der Essensvergabe schüttelte verständnislos den Kopf. "Nicht so laut", mahnte Stephen und beugte sich vor. "Und Susi und ich haben uns auf einer Singleparty kennengelernt." "Ist doch fast dasselbe, Alter", schimpfte Henry. "Und jetzt, schieß los, wie du die Alte rumkriegen willst!" Stephen richtete seine Krawatte. "So weit bin ich noch nicht. Ich habe ja nich nicht einmal einen Ring." Henry verzog das Gesicht zu einer Grimasse. "Dann melde dich bei mir, wenn du einen gefunden hast." "Du sollst mir beim Aussuchen helfen!", entfuhr es Stephen, der Henry auf seinen Stuhl zurückdrückte. "Ach, Herr Hoppe, wer ist denn die Glückliche?", fragte eine von Stephen's Kolleginnen. "Meine Freundin, Frau Schmittgen, meine Freundin." Stephen warf Henry einen vernichtenden Blick zu. "Glückwunsch, mein Großer. Jetzt löchern sie mich täglich mit Fragen!" Henry verdrehte die Augen. "Frag doch hier... Frau Schmittwen wegen dem Ring." "Frau Schmittgen mit 'G', Henry. Außerdem heißt es wegen des Ringes", korrigierte Stephen. "Der Deutschunterricht würde sich lohnen." Er grinste schadenfroh, als er sah, wie Henry tiefer in seinen Stuhl rutschte. "Aber wenn dein Abitur gut wird, dann passt ja alles." Henry nickte kurz angebunden. "In Ordnung. Also hau raus, wie soll der Ring aussehen?" "Das wollte ich jetzt eigentlich dich fragen", murmelte Stephen resigniert. "Alter, hast du überhaupt irgendwovon einen Plan?", rief Henry. "Psssss",  machte Stephen. "Ein Goldring mit eingravierten Innitialien reißt jede Frau vom Hocker!", rief Frau Schmittgen verträumt. "Frau Schmittgen, bitte!", zischte Stephen. "Soll nicht die halbe Firma wissen, dass ich keinen Plan von Ringen habe." Frau Schmittgen schnappte beleidigt nach Luft und Stephen wandt sich wieder an Henry. "Ich dachte, du könntest mir die Richtung geben?" "Was für eine Richtung?" "Ringe, die deine Mutter toll findet." Stephen musste erneut vorrücken, weil der korpulente Kollege von eben das zweite Mal Essen nachholte. Die Frau an der Essensvergabe schien sichtlich erfreut, dass sie endlich wieder etwas zu tun hatte - und schaufelte dem Herrn einen beächtlichen Turm der ekelhaften Chicken Wings auf den Teller. Henry bekam Würgreize bei diesem Anblick. "Wie war das?", fragte er an Stephen gewandt. "Was deiner Mutter an Schmuck gefällt!" Stephen stieß gereizt Luft aus und lehnte sich mit verschränkten Armen zurück. Daher hatte Anastasia das also. "Ich weiß nicht." Henry hob die Schultern. "Die meiste Zeit in meinem Leben sehe ich sie nackt, ohne Schmuck und den Kram." Diese Aussage sorgte unter den Kollegen, die das Gespräch nun allesamt verfolgten, für kollektives Raunen und Kichern. Ein paar empörte Rufe stachen aus der Menge hervor. Schamesröte stieg Stephen in den Kopf und sein Gesicht nahm ungefähr die Farbe seiner Haare an. Henry bemerkte, wie er angestarrt wurde und drehte sich um. "Hey, hey, cool play jetzt mal hier. Nur weil ihr kein Sexleben habt, müsst ihr uns nicht angaffen wie furzende Aliens, wenn wir über meine nackte Mutter reden. Sie hat eben andere Vorzüge,  aber ihn macht's glücklich!" "Das reicht!", rief Stephen und stand mit solch einem Elan auf, dass der Stuhl nach hinten kippte und dem korpulenten Kollegen, der seinen Nachtisch vergessen hatte, den Weg versperrte. Stephen funkelte Henry an. "Du kommst jetzt mal mit, Freundchen!"

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