Das Kapitel, in dem Stephen auffliegt

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"Mareike!", rief Susi überrascht, als ihre Cousine am Sonntagmittag vor der Tür stand. "Was machst du hier?" Mareike quetschte sich durch den Türspalt ins Haus und marschierte in die Küche. "Wir sind doch gestern nebenan eingezogen." Susi schloss kopfschüttelnd die Tür. "Ich dachte, nächste Woche!", rief sie ihrer Cousine hinterher. "Nein", meinte Mareike und schnappte sich einen Apfel aus dem Obstkorb. "Den brauche ich noch für meinen Apfelkuchen!", rief Susi alamiert, aber Mareike hatte schon reingebissen. "Nimm doch die Banane hier!", sagte sie schulterzuckend. Susi verdrehte die Augen. "Es sollte ein Apfelkuchen werden." "Jetzt mach mich doch nicht so crazy mitten in der Nacht", sagte Mareike verärgert. "Es ist zwölf Uhr mittags", entgegnete Susi, während sie auf einen der Küchenstühle sank. Sie drohte umzukippen vor Schock, wenn sie weiterhin stand. Eine Woche zu früh! Das konnte sich erheblich auf ihren weiteren Lebensverlauf auswirken...! "Haste was zu kiffen da?", fragte Mareike fröhlich, Susi jedoch überging diese Bemerkung. "Ihr seid also gestern umgezogen", sagte sie langsam, damit ihr eigenes Hirn es auch verstand. "Yeah!", rief Mareike. "Warum wusste ich das nicht?", fragte Susi mehr an sich selbst gewandt. Mareike zuckte die Achseln. "Du hast doch deine Affäre im Krankenhaus besucht." "Er ist mein Sohn!", zischte Susi zornig. Mareike zuckte wieder die Achseln. "Jedenfalls ist unsere Wohnung voll scheiße." "Das kommt davon, wenn man sie sich vorher nicht anguckt", erwiderte Susi schnippisch, dann stand sie auf. "Auch einen Kaffee?", fragte sie. "Ich brauch jetzt erst mal 'nen Schnaps." Mareike verschlang den letzten Bissen ihres Apfels, der aus Stiel und Kerngehäuse bestand, ohne mit der Wimper zu zucken. "Hast Recht", sagte Susi trocken. "Schnaps." Mit den Worten verschwand sie im Keller, um wenig später mit einem Killepitsch wiederzukommen. Mareike hatte schon zwei Schnapsgläser gefunden und sie auf den Tisch gestellt. Mit zittrigen Händen goss Susi den beiden ein. Wegen ihrer Schwangerschaft war es lange her, seit sie das letzte Mal Alkohol getrunken hatte und nun wusste sie nicht, wieviel sie davon noch vertrug. Aber eigentlich war es ihr egal. Entschlossen griff sie nach ihrem Glas und prostete Mareike zu. "Hau weg den Scheiß!"

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Henry war noch nicht ganz wach, als Stephen mit Ella im Schlepptau in sein Zimmer kam. Tim war gestern Nacht zu Anastasia geschlichen. "Ich hab den Ring bestellt!", flüsterte Stephen, während Ella sich auf Henry's Bettkante plumpsen ließ. "Äh", Henry gähnte, "gut. Wie sieht er aus?" "Hier." Stephen holte ein zerknittertes Bild aus seiner Hosentasche und zeigte auf den schmalen, silbernen Ring mit drei winzigen, smaragdgrünen Diamanten. Als Henry auf den Preis sah, fielen ihm fast die Augen aus dem Kopf. "Das kannst du bezahlen?" Ella lehnte sich an die Wand. "Er kann alles bezahlen", seufzte sie. "Stephen ist Drehbuchautor. An einem guten Film verdient er sich schon eine goldene Nase  Ach, Stephen,  wo wir beim Thema sind, krieg ich wieder Freikarten für den neuen Schweighöferfilm?"  "Natürlich, mein Kind", strahlte Stephen. Henry konnte nicht fassen, wie sehr dieser der Kleinen aus der Hand fraß. Er schien ganz verrückt nach ihr. Ella warf zufrieden ihr rotes Haar zurück. "Danke", sagte sie lächelnd. "Okay", meinte Henry. "Das ist also der Ring. Und du hast ihn bestellt." Stephen nickte fröhlich. "Genau", sagte er, "ich hab ihn bestellt. Er kommt morgen per Morningexpress. Ich muss nur aufpassen, dass Susi nicht aufmacht, wenn der Postbote kommt." Stephen runzelte die Stirn. "Ich kann aufmachen", bot Ella großzügig an. "Ich bin ja den ganzen Morgen hier." Stephen strahlte sie an. "Das ist total -" Ein Klopfen an der Tür unterbrach ihn. "Herein", gähnte Henry. Es war Kai. "Was willst du?", blaffte Henry gleich unfreundlicher. "Ich wollte fragen, ob ich das Bad benutzen darf. Stephen sagte ein "Na klar!", während Ella und Henry ein finsteres "Nein!" in den Raum warfen. "Sind wir hier auf dem Campingplatz, wo jeder denselben Waschraum benutzen darf?", fragte Henry verärgert. Kai zog den Kopf ein. "Ich bin dann mal duschen", rief er betont unschuldig und wandt den dreien den Rücken zu.

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Mit einem herzhaften Gähnen streckte sich Anastasia, bevor sie ihre Arme um den Körper schlang, der neben ihr lag. Sie ging zumindest davon aus, dass es Ella war. Stutzig tastete sie den harten Oberkörper ab, dann wanderte ihre Hand über das Gesicht und verweilte in den welligen, weichen Haaren. Verwirrt öffnete sie die Augen. Und natürlich lag dort nicht ihre beste Freundin, sondern Tim. Erschrocken stieß sie einen spitzen Schrei aus. "Ist es so schlimm?", fragte Mira, die die beiden von ihrem Bett aus anstarrte. Ihre Augen waren klein, rot und verquollen, ihr ganzes Gesicht übersäht mit roten Flecken. "Öhm, ich... es kam so unerwartet", murmelte Anastasia und zwang sich, ruhig und gleichmäßig zu atmen. Es war ja nur einer ihrer Freunde, der dort neben ihr im Bett lag, kein Monster. "Hier", schniefte Mira und warf ein kleines Päckchen durch den Raum. Anastasia fing es auf und betrachtete es misstrauisch. "Was ist das? Eine Stinkbombe?" Angeekelt warf sie das Ding vom Bett. Mira verdrehte die Augen. "Das ist ein Kondom." "Wie... öh... aufmerksam von dir." Ana rang sich ein Lächeln ab. In Wirklichkeit fragte sie sich, wie lange Mira die zwei schon beobachtete. "Ihr könnt's ruhig tun, ich hab da kein Problem mit", meinte Mira schulterzuckend. "Nein danke", zischte Anastasia zurück. "Was ist denn los mit dir?", wollte Mira wissen. "Hab meine Tage." Ana räkelte sich aus den Decken, um aufzustehen. Mira legte den Kopf schief. "Dann solltest du vorher daran denken, das Tampon zu entfernen." Anastasia funkelte sie zornig an. "Wer bist du? Gabi aus der Bravo Girl, von 'Frag Gabi'?" "Witzig", schnaubte Mira. "Hast du Ella gesehen?" Statt auf eine Antwort zu warten, verschwand Ana direkt aus dem Raum. Wo war Ella? Leise tapste sie den Flur entlang, bis sie Stimmen aus Henry's Zimmer hörte. Hatte ihr Stiefbruder etwa mit ihrer besten Freundin geschlafen? Entsetzt stieß sie die Tür zu seinem Zimmer auf, doch gegen ihre Erwartungen sah sie Stephen. Schon wieder? Sie kniff die Augen zusammen, während sie den Blick durch's Zimmer gleiten ließ. Da war Ella, unschuldig an die Wand gelehnt. Henry wirkte ziemlich verschlafen. "Anastasia." Stephen lief rot an. Ihr Blick fiel auf den Zettel in seiner Hand und ehe er sich versah, hatte sie ihn an sich gerissen. Darauf war ein Ring abgebildet. Ein Verlobungsring. Es dauerte nicht lange, bis sie eins und eins zusammen gezählt hatte. "Du willst sie heiraten?" Stephen kam gar nicht dazu, ihr zu antworten. "Du willst sie heiraten, ohne mich zu fragen, still und heimlich, ohne ein Wort zu sagen? Ohne mich zu fragen, ob ich Trauzeugin sein soll, ohne mich vorzuwarnen? Ist das dein Ernst?" Wütend zerriss Ana den Zettel in tausend Stücke, dann stürmte sie aus dem Zimmer. "Susi!", brüllte sie, während sie die Treppe hinunterpolterte. "Susi!" Keuchend kam Anastasia in der Küche zum Stehen, wo Susi mit Mareike saß und gerade einen Schnaps hinunterkippte. Anastasia griff zu der Flasche und nahm einen großen Schluck. "Stephen will dir einen Antrag machen", sagte sie atemlos. "Was?" Susi sah sie verwirrt an. "Er hat einen Ring gekauft!", schrie Anastasia. "Er bereitet einen Antrag vor. "Petze", murmelte Mareike und goss sich wieder ein. Anastasia warf ihr einen wütenden Blick zu. "Aber ich  muss den Antrag machen", sagte Susi alamiert. "Was?" Ana raufte sich entsetzt die Haare. Bitte, bitte, lass dieses Erlebnis einen Traum gewesen sein! "Er weiß doch gar nicht, was er tut", jammerte Susi. "Ich hab Ahnung davon, also muss ich den Antrag machen." Sie griff nach Mareike's Arm und zog sie vom Stuhl. "Schnell!", rief sie. "Wir müssen einen Ring kaufen und einen Antrag vorbereiten, bevor er es tut!" Mit den Worten rauschten die beiden zur Tür hinaus und ließen die missmutige Anasrasia vollkommen allein zurück. Da dachte man, man könne was retten, da kam es schlimmer als erwartet...

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