20 - Eine Schlange kommt selten allein

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Ich folgte dem Geistermädchen zurück durch die Dunkelheit, wobei sie mich mehrmals ermahnen musste nicht stehen zu bleiben. Am liebsten hätte ich mich einfach hingelegt und gar nichts gemacht. Mein Kopf dröhnte und fühlte sich an, wie als würde er gleich platzen. Was hatte sie gemeint, damit das mein Vater noch mehr Frauen gehabt hatte? Mir war natürlich klar gewesen, dass meine Mutter nicht die einzigste war aber über soetwas hatte ich nie nachgedacht. Hätte er mir das nicht gesagt? Wie's aussieht nicht. Schaltete sich meine innere Stimme ein. Plötzlich lief ich in das Mädchen hinein, was mir ein wütendes Schauben einbrachte. "Wir sind da." sagte sie und deutete auf die Tür vor uns. Es war exakt die gleiche Tür, durch die ich gekommen war. Erst jetzt wurde mir bewusst, dass ich nicht wusste wie viel Zeit vergangen war. "Danke." murmelte ich und stieß die alte Tür auf. Schwaches Licht kam durch den Türspalt, welches wahrscheinlich von Namrael kam. Ich ging komplett durch die Tür und ließ sie hinter mir ins Schloss fallen, bevor sie wieder verschwand. Charun und Namrael hatten auf mich gewartet und sahen mich erwartungsvoll an. Erst wollte ich die beiden nach dem fragen, was meine Mutter mir erzählt hatte, entschied mich dann jedoch dagegen. Wenn es wirklich so ein Geheimnis gab, dass mir aus irgeneinem Grund nicht erzählt worden war, dann würde ich noch etwas warten und versuchen selbst etwas rauszubekommen. Ich atmete aus und setzte ein leichtes Lächeln auf, bevor ich auf die beiden zuging.

"War ich lange weg?" fragte ich als erstes. Charun zuckte mit den Schultern. "Zeit ist relativ." sagte er nur. Ich rollte mit den Augen und wollte etwas sagen, wurde jedoch von Namrael unterbrochen. "Und hast du herausgefunden, was du wissen wolltest?" Ich fuhr mir durch die Haare. So richtig hatte sie mir meine Frage nicht beantwortet, außerdem hatte ich noch viel mehr Fragen stellen wollen. Also zuckte ich nur mit den Schultern. "Mehr oder weniger." Charun lachte und grinste mich an. "Die Toten haben das so an sich. Meistens sind sie nicht gewillt eine Frage direkt zu beantworten." Hab's gemerkt. Ich nickte und ging auf die beiden zu. Vor Charun blieb ich stehen und lächelte leicht. "Danke, dass du mich mit meiner Mutter hast sprechen lassen." bedankte ich mich. Der Dämon lächete mich ebenfalls an. "Gerne, auch wenn es eine Ausnahme war." Dann drehte er sich zu seinem Bruder herum. "Ich muss noch etwas mit ihr besprechen. Geh du schon, ich bring sie nach." Namrael sah zweifelnd von mir zu seinem Bruder und knurrte wiederwillig. "Wehedem du-" "Keine Sorge, ich mach nichts. Und komm mich mal wieder besuchen!" rief er, während der Engel widerwillig zurück in den schwarzen Nebel ging. Nachdem Namrael weg war wurde es schlagartig dunkler. Lediglich von dem kleinen Kreis um uns herum hielt sich der schwarze Nebel fern.

"Also, was möchtest du bereden?" fragte ich mit einer hochgezogenen Augenbraue. Charuns Gesicht wurde ernst und er breitete seine Schwingen hinter sich aus, die eine beeindruckende Spannweite besaßen. "Mein Bruder scheint sich ja ganz schön für dich zu interessieren." begann er dann. Ich sah ihn perplex an, denn auf diese Aussage war ich definitiv nicht vorbereitet gewesen. "Er ist mein bester Freund. Ich kenne ihn seit ich klein bin." antwortete ich einfach. Der Dämon grinste und sah mich vielsagend an. "Aha, wirklich nur Freunde?" hakte er nach. Ich schnaubte wütend und verschränkte meine Arme. "Ja, wirklich nur Freunde!" zischte ich. Nun durchbohrte er mich mit einem undefinierbaren Blick. Ich erwiederte diesen bloß, was in ein Starrduell ausartete. Das Rot in seinen Augen schien sich zu bewegen und wie Feuer in seiner Iris umher zu peitschen. Dennoch starrte ich ihn weiterhin kalt an, nicht gewillt aufzugeben. Ich dachte schon wir würden ewig hier stehen, bis Charun plötzlich seine Hand hob. Bevor ich reagieren konnte hatte er sie bereits auf meine Stirn gelegt. Kurz stand ich erschrocken da, dann knurrte ich und entzog mich seiner Hand. "Du hast gelogen." sagte er nur ruhig. "Was?" fragte ich verwirrt. "Bei anderen Dämonen kann ich durch die Augen sehen ob sie Lügen, aber bei dir hat es nicht funktioniert. Deine Gedanken waren jedoch gerade so darauf fixiert zu verbergen das du gelogen hast, dass ich dich nur berüheren musste, um es zu merken." erklärte er und grinste selbstgefällig. Ich knurrte nur und war froh, dass nicht alle Dämonen diese Fähigkeit hatten. "Also, ihr seit nicht nur Freunde?" stellte er seine Frage erneut. Ich fuhr mir duch die Haare und seufzte. "Naja, eigentlich schon, aber letztends hat er versucht mich zu küssen. Unter einem eingestürzten, brennenden Haus!" fauchte ich und spürte, wie meine Krallen heraus kamen. Ich ballte meine Hände zu Fäusten, darauf bedacht mir nicht die eigenen Handflächen aufzuritzen. "Versucht?" lachte er. Ich knurrte daraufhin nur, wissend das er gleich genauso reagieren würde wie Arya. "Ja, wir wurden vorher von den Trümmern befreit, aber das tut jetzt nichts zur Sache. Worauf willst du hinaus?" fragte ich genervt. Charuns Miene wechselt wieder von belustigt, zu ernst. "Wie ich dir vorhin bereits gesagt habe teilen die Toten ihr Wissen mit mir. Unter anderem warnten sie mich vor einem Krieg, von dem du sicher schon weißt, aber auch vor dem, was zwischen dir und meinem Bruder ist. Auch wenn viele nicht daran glauben und es auch nicht immer zutrifft, in manchen Fällen existiert das Schicksal." Ich starrte ihn ungläubig an und wurde immer verwirrter. "Was, zur Hölle, willst du mir sagen?" fauchte ich, sichtlich genervt. "Namrael ist nicht dein Schicksal. Für euch ist eine unzertrennliche Freundschaft vorherbestimmt, aber nicht mehr. Der Deine ist ein anderer." brachte er es schließlich auf den Punkt. "Du willst mir also sagen Namrael und ich gehören nicht zusammen und mir wurde bereits jemand anders vorherbestimmt?" wiederholte ich das Offensichtliche. Auch wenn es gemein klang, so war mir gewisser Maßen doch ein Stein vom Herzen gefallen. Ich glaubte nicht, dass ich Namrael liebte und wollte ihn auch nicht verletzten. Doch wenn sogar das Schicksal dagegen war konnte ich auch nichts machen. "Ja, so ist es." antwortete mir der Dämon.

Mein Name ist MorgensternGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt