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29 - Fluchttunnel

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Nachdem ich noch einmal meine Klamotten gewechselt hatte, da diese heute nicht nur aus Schwarz bestanden hatten, konnten wir los. Jetzt trug ich eine schwarze Lederhose, ein einfaches T-Shirt, darüber eine Lederjacke und ein Paar kniehoher Stiefel, die jedoch keinen Absatz hatten. Ganz normal liefen wir durch den Palast, schließlich würde uns niemand dafür verdächtigen, dass wir hier herumspazierten. Ohne das sie mir verriet wohin sie genau wollte, folgte Arya zielstrebig einem ganz bestimmten Weg. Dieser führte uns durch die hohen Gänge meines Palastes immer tiefer. Die Diener und Wachen wurden immer weniger, bis uns bald niemand mehr über den Weg lief. Schließlich waren wir an einem Punkt angelangt, den selbst ich nicht kannte. Die schön dekorierten Wände und der edle Fußboden waren von alten Steinwänden abgelöst worden. Der Gang war immernoch hoch, doch wirkte nun beklemmend und eng. Die Luft war modrig und es roch nach Schimmel. In regelmäßigen Abständen waren Halterungen mit Fackeln in den Stein eingelassen. Die Decke war komplett in Dunkelheit gehüllt, sodass sie kaum zu erkennen war. Ich ließ meine Finger über den Stein gleiten, nur um festzustellen das meine Fingerkuppen anschließend von grünlichem Schleim überzogen waren. Angeekelt strich es an meinem T-Shirt ab und holte eilig zu Arya auf. Irgendwann kamen wir zu einer Abzweigung, von der aus gut vier Gänge in verschiedene Richtungen führten. Aus manchen kamen laute Geräusche, die ich irgendwelchen Keraturen zuordnete, die offenbar hier unten lebten. Mir war durchaus bewusst gewesen, dass mein Palast einen Keller besaß, jedoch nicht das er aussah wie die Katakomben aus dem Mittelalter. Und auch nicht das in ihm offenbar irgendwelche Kreaturen lebten.

Arya dagegen schien sich ihrer Sache völlig sicher zu sein. Ohne groß zu überlegen ging sie zielstrebig auf den Gang ganz rechts zu, aus welchem im Gegensatz zu den anderen kein einzigstes Geräusch kam. Ob das nun gut oder schlecht war konnte ich selbst nicht beurteilen, ich musste nun wohl komplett auf das Gespür meiner Besten Freundin vertrauen.

"Und du bist dir ganz sicher das wir hier lang müssen?" fragte ich unsicher. Meine Stimme hallte laut wieder und wurde von den Wänden zurückgeworfen, sodass ein unheimliches Echo entstand. "Ja, absolut. Ich kenne hier jeden Gang in und auswendig und dieser hier wird uns nach draußen führen." erwiederte sie völlig sicher und lief zügig weiter. Dabei klackten die Sohlen ihrer Schuhe auf dem Boden, wodurch die gesamte Atmosphäre noch etwas angespannter wurde. "Wie aber soll uns dieser Gang hier raus führen? Geht der Schild nicht unter die Erde?" Arya schüttelte den Kopf und warf mir einen kurzen Seitenblick zu. "Doch geht er, aber das betrifft nicht diesen Tunnel. Eigentlich kennt niemand den Weg hier runter, oder würde sich hier verirren und von den Monstern gefressen werden, die du vorhin gehört hast." Hier ließ sie eine Pause und schien kurz zu überlegen. "Du musst wissen, dieser Palast gehörte früher jemand anderem. Das hier unten wurde als gigantisches Gefängnis genutzt. Es gibt auch ein paar Zellen, doch meistens wurden die Gefangenen einfach hier reingesteckt und dann den Monstern überlassen. Nur der eigentliche Besitzer des Palastes wusste, wie man hier runter gelangte, nichtmal Luzifer würde sich hier zurechtfinden. Jedenfalls hat er auch alles magisch isolieren lassen, damit seine Gefangenen auch nicht entkommen können. Außerdem baute er vorsichtshalber einen Fluchttunnel ein, den wir uns heut zu nutze machen. Nach seinem Tod versuchte man die Bestien hier raus zu schaffen und die Isolierung aufzuheben, doch das führte nur zum Tod aller Dämonen die es versuchten. Also wurde es dabei belassen und irgendwann gelangte dieses Labyrinth in Vergessenheit. Außer mir weiß niemand wie man hier rein und wieder rauskommt." erklärte sie und behielt ihr Schritttempo bei. Ich versuchte all diese Informationen in meinem Kopf zu verarbeiten und damit klar zu kommen das wir uns in einem riesigen unterirdischen Labyrinth befanden, zusammen mit unzähligen Monstern. Die Menschen würden wahrscheinlich einen Film draus machen.

"Du willst mir sagen unter meinem Palast ist ein gigantisches Labyrinth mit Massen an Monstern und es ist nichtmal verschlossen?" fragte ich entgeistert. "Wie bereits gesagt, niemand außer mir weiß wie man hier rein oder raus kommt, auch die Kreaturen hier unten nicht." Fassungslos schüttelte ich meinen Kopf, war ja nicht so, dass mich mal jemand hätte informieren können. Vielleicht hätte ich diese Wesen ja hier rausbekommen können, schließlich kann ich mit fast allen Kreaturen der Hölle reden. Da kam mir plötzlich ein Gedanke. "Warte, hat nichtmal Garm diese Bestien hier raus bekommen?" Garm war schließlich der Herr über alle Kreaturen der Hölle, er konnte sie eigentlich befehlen wie er wollte. Eigentlich. Wieder schüttelte meine Freundin ihren Kopf und bog plötzlich in einen kaum sichtbaren Nebengang ab. Fast wäre ich einfach weitergelaufen. "Nein, sie wollten einfach nicht auf ihn hören. Keiner konnte sich so richtig erklären wieso, doch anscheinend sind sie immernoch auf ihren früheren Besitzer geeicht." sagte sie völlig ruhig, wie als wäre das ganz normal. Dabei bestand die Möglichkeit, das jederzeit eines dieser Viecher um die nächste Ecke kam und uns angriff.

Mein Name ist MorgensternGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt