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19 - "Eins der Kinder Luzifers"

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Ich stand nach wie vor neben Namrael und beobachtete das Geschehen. Namrael richtete seinen Blick auf seinen Gegenüber und schien zu überlegen. "Wohl wahr." antwortete er schließlich und musterte den Anderen. "Du hast dich nicht verändert." meinte er dann, mit einem leichten Grinsen im Gesicht, welches jedoch nicht seine Augen erreichte. Charun lachte und breitete seine Arme aus, wobei das Ende seiner Sense leicht über den Boden schliff und ein kratzendes Geräusch erzeugte. Sein Lachen hallte laut wieder, wie als würden wir uns in einer großen Halle befinden. Der schwarze Nebel wich vor seiner Bewegung zurück, wie als hätte er angst seinen Herren zu berühren. "Du warst doch sonst nicht so kalt Bruderherz. Hab ich was falsches gesagt?" lachte der Dämon. Namrael knirschte mit den Zähnen, dann schüttelte er seinen Kopf.

Man konnte es zwar nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennen, aber die beiden waren tatsächlich Brüder. Und zwar nicht dieses 'Alle Engel sind Brüder', sondern richtige Brüder, blutsverwand. Charun war Namraels großer Bruder, auch wenn man ihm natürlich nicht ansah das er älter war. Niemand würde je glauben, dass Charun tatsächlich mal im Himmel gewesen war, war er aber. Als er in die Hölle kam zog er sich zu den Seelen der Toten zurück und verbrachte Jahrhunderte abgeschottet von allen anderen. Es heißt in dieser Zeit hätte sich sein, einst sanftmütiger, Charakter verändert, worunter auch seine Schwingen gelitten hatten. Im Gegensatz zu seinem Bruder besaß er außerdem zwei große Hörner und rote, geschlitzte Augen. Während man Namrael noch ansah das er einst ein Engel gewesen sein musste, könnte man glauben Charun sei als Dämon geboren worden. Schon im Himmel waren sie als die 'Brüder des Todes' bezeichnet worden. Namrael, der verdorbene Seelen bestrafte oder ins Fegefeuer geleitete und Charun, der die Seelen aller Toten, die keine Strafe verdienten, in sein Reich brachte. Beide kämpften mit großen Sensen und waren im Kampf zusammen fast unschlagbar. Eigentlich standen die beiden sich auch ziemlich nahe, obwohl sie sich seit mehreren hundert Jahren nichtmehr gesehen hatten. Und genau das war der Grund, weshalb ich hoffte das Namrael ihn überreden könnte mich mit meiner Mutter sprechen zu lassen.

Charun kam näher, wobei sein Blick wieder auf mir haftete. "Und wen hast du hier mitgebracht?" fragte er, blieb direkt vor mir stehen und grinste mich an. Namrael knurrte und zog mich dichter zu sich. Wütend riss ich mich los und stellte mich erhobenen Hauptes vor den Dämon. "Du warst schon lange nichtmehr außerhalb dieses Nebels, oder?" fragte ich belustigt. Er lachte und schüttelte seinen Kopf. "Nein, schon seit dem Krieg nichtmehr." antwortete er mir. Dann musterte er mich nochmal genauer. "Aber ich kann mich erinnern, dass du auch-" "Wir wollen jetzt nicht über den Krieg reden!" unterbrach ihn Namrael und warf seinem Bruder einen warnenden Blick zu, den ich nicht ganz verstand. Charun legte verwirrt seinen Kopf schief und schien das Verhalten seines Bruders auch nicht ganz deuten zu können. Kurz herrschte Schweige und ich räusperte mich. "Jedenfalls mein Name ist Cherubyn und ich bin die Tochter Luzifers." sagte ich dann und sah ihm direkt in seine bluroten Augen. Der Dämon riss überrascht seine Augen auf und stieß einen kurzen Fluch in einer Sprache aus, die ich nicht verstand, bevor er sich wieder fing und leicht lächelte. Mit so einer Reaktion hatte ich nicht gerechnet, es schien ihn ja regelrecht schockiert zu haben. "Na wenn das so ist. Womit habe ich diese Ehre verdient, Eure Hoheit?" fragte er mich und verneigte sich leicht.

Ich sah ihn kurz unschlüssig an, bevor ich tief Luft holte und bereit war meine Frage zu stellen. "Ich muss mit jemandem sprechen." sagte ich einfach und sah ihn erwartungsvoll an. Charun zog eine Augenbraue nach oben und sah mich überlegend an. "Mit jemanden, der Tot ist, nicht wahr?" fragte er grinsend. Ich rollte mit den Augen. "Nein, mit einem Lebenden, weil es die hier ja so in Massen gibt!" fauchte ich zurück. Er fuhr sich mit seinem klauenartigen Handschuh übers Gesicht und starrte an mir vorbei. "Also, kannst du sie bitte zu dem jenigen führen?" bat Namrael ruhig. Charun richtete seinen Blick auf ihn, dann wieder auf mich. "Sicher das derjenige nichts verbrochen hat und unter dem Befehl meines Brüderchens läuft?" fragte er mich. Neben mir hörte ich Namrael beleidigt schnauben. Ich schüttelte den Kopf. "Nein, ich denke nicht." Ich konnte mir nicht vorstellen das meine Mutter eine der Seelen war, die im Fegefeuer oder Schlimmeres gelandet war.

Mein Name ist MorgensternGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt