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43 - Reingelegt

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Gut zwei Wochen später hatte sich die Lage wieder etwas stabilisiert. Zwar herrschte, logischerweise, immer noch Ausnahmezustand, doch die gröbsten Reparaturen waren abgeschlossen und auch auf der Erde hatten wir die wichtigsten Gebiete im Griff, nicht zuletzt dank mir und meiner Gruppe. Die Dämonen befanden sich fast alle auf der Erde, um die Gebiete und Portale in die Hölle zu sichern. Die beiden Seiten hatten ihre Kräfte wieder zusammen geschart, aber mein Vater wollte mit dem Angriff warten. In den Himmel konnten Dämonen nicht ohne weiteres gelangen und auf die Erde marschieren und hoffen, dass die Engel angreifen würde wohl auch nicht funktionieren.

Ich hatte innerhalb der letzten Wochen versucht die Engelsseite in mir etwas mehr hervor zu bringen, jedoch ohne großen Erfolg. Der Engel in mir hatte sich nun wohl wieder komplett verschanzt und würde bis zum nächsten ernsthaften Kampf auch dort bleiben. Früher hatte ich immer gedacht ich hätte meine Kräfte total unter Kontrolle. Das war auch, als ich noch nicht kämpfen musste und meine einzige Pflicht darin bestand ab und zu durch die Hölle zu laufen und einen gut Eindruck zu machen. Nun war ich über 200 Jahre alt und fühlte mich dennoch nicht schlauer. Um eine Waffe hatte ich mich auch noch nicht gekümmert, würde ich eben mit meinen Klauen kämpfen müssen.

Der Wind pfiff mir durch die Haare, als ich meinen Kopf drehte und die Landschaft vor mir betrachtete. Dank meiner scharfen Augen konnte ich bis über die ewigen Schluchten und Täler hinaus blicken und erkannte weit entfernt bereits den Beginn der Stadt. Zusammen mit Zagan hatte ich mich auf einen der höchsten Punkte der Hölle begeben. Der gigantische Berg war höher als der höchste der Erde, jedoch ohne Schnee. Diesen gab es in der Hölle durchaus, nur eben nicht hier. Am Fuße des, aus rotem und grauen Gestein bestehenden, Berges befanden sich Kilometer tiefe und lange Schluchten, deren Boden nicht mehr zu erkennen war. Bis dorthin konnte ich nur blicken, da heute die Wolken nicht so tief hingen wie sonst. Hier befanden wir uns weit ab der Zivilisation und hörten lediglich das Rauschen des Windes, der ab und zu die Geräusche der Knisternden Flammen des Fegefeuers und dessen Opfer mit sich trug. Ohne sie gequälten Schreie wäre es wohl entspannter gewesen, aber nach all den Jahren in der Hölle hörte man das kaum noch.

Meine Beine baumelten über den extrem tiefen Abgrund, während der Wind mich beinahe hinunter blies. Zagan hatte sich hinter mich gesetzt, offenbar waren ihm große Höhen nicht sonderlich geheuer. Ich spürte sein Unwohlsein und musste etwas grinsen, wofür ich einen leichten Stoß in meinen Rücken bekam. Hätte er mich doller gestoßen, so wäre ich vermutlich über die Kante gefallen. "Wehedem, du machst das nochmal!" knurrte er sofort. "Nein, als Mus will ich nun auch wieder nicht enden." Ich liebte solche Höhen, besonders wegen der Abgeschiedenheit, doch leider bekam man inmitten eines Krieges nicht so viel Freizeit. Und auch diesmal wurde ich nicht in Ruhe gelassen.

Urplötzlich manifestierte sich auf meinem Schoß eine Gestalt, etwas größer als eine Katze. Bei dieser handelte es sich tatsächlich um einen Minidrachen mit schwarzen Schuppen, der mich aus dunklen Knopfaugen ansah. Zagan sah ungläubig über meine Schulter und konnte es offenbar selbst kaum glauben. "Eurynome bittet euch zu sich, eure Bestellung ist fertig." hörte ich die Stimme des Drachen in meinem Kopf. Sie klang nicht so wie die der Wyvern, eher jung und aufgeweckt. "Gut, ich werde gleich da sein." antwortete ich etwas verwirrt. Der kleine Drache senkte seinen Kopf und verschwand wieder. Wieso hatte sie mir einen Drachen geschickt, beziehungsweise, wo hatte sie ihn überhaupt her? "Vielleicht ist das Feuer von Drachen einfach gut zum Schmieden geeignet." dachte Zagan und ich nickte. Dann stand ich auf, nahm ihn bei der Hand und teleportierte uns zur Schmiede.

In dieser hatten sich wieder massenhaft Rußwolken angesammelt, wegen denen ich Eurynome nur schwer ausfindig machen konnte. Doch dann entdeckte sie uns und ließ die Rauchwolken verschwinden. Von oben bis unten war sie mit Ruß vollgeschmiert, schien damit jedoch kein Problem zu haben. "Na, wie gehts uns?" fragte sie fröhlich und grinste uns an. "Und dein Partner ist ja auch schon wieder gewachsen, das geht ja schnell." staunte sie dann und betrachtete Zagan eingehend. "Möchtest du auch noch eine Rüstung, vorausgesetzt du wächst nicht mehr?" Zagan sah sie etwas überfordert an, wurde er doch meistens überhaupt nicht angesprochen. "Nein, eigentlich nicht, das passt schon so." antwortete er und betrachtete seine Handschuhe. "Naja, falls du deine Meinung änderst frag mich einfach, die Handschuhe könnte ich bestimmt super mit einbringen." sagte sie enthusiastisch. Zagan murmelte nur noch ein kleinlautes ‚Danke' und sah sich die mit Skizzen vollgeklebten Wände an. Dann wandte sich die Schmiedin wieder zu mir und grinste mich verheißungsvoll an. "Warte genau hier." wies sie mich an und rannte dann bereits in den hinteren Teil ihrer Schmiede. Dort verschwand sie hinter einer Tür und lediglich das Poltern und Rumsen von umfallenden Gegenständen war zu hören. Unsicher starrten wir auf die Tür, nicht wissend was uns erwarten würde. Nach ein paar weiteren Flüchen öffnete sich die Tür wieder und Eurynome trat mit einem verhüllten Gegenstand, höchstwahrscheinlich einer Kleiderpuppe, ein. Die Puppe schob sie vor sich her, bis sie vor mir stand. Anschließend packte sie dramatisch einen Zipfel des schwarzen Tuches, riss es herunter und enthüllte so die Rüstung.

Mein Name ist MorgensternGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt