Bei ihm zuhause angekommen brachten wir meine Sachen in sein Zimmer. Es war recht einfach eingerichtet, passte jedoch zu ihm. In der Mitte des Zimmers stand ein großes Bett mit dunkler Bettwäsche und was überraschenderweise sogar gemacht war. An der Wand links von der Tür stand ein großer Kleiderschrank und auf der rechten Seite vor einem großen Fenster ein Schreibtisch, der als einziges in diesem Zimmer unordentlich war.
"Du hast die Wahl. Entweder schläfst du unten auf der Couch, was ich aber nicht empfehlen würde, da Vice gerne durchs Haus schleicht und der steht auf kleine Mädchen wie dich, oder du schläfst bei mir im Bett. Du kannst natürlich auch auf dem Boden pennen", meinte er, worauf ich seufzte. "Wehe du fasst mich an", drohte ich ihm und legte meine Tasche neben sein Bett. "Nur wenn du es willst", grinste er und wackelte mit den Augenbrauen. "Das wird niemals passieren", erwiderte ich zuckersüß und grinste auch so. "Du wirst dich noch wundern", lachte er, worauf ich mit einstieg.
Ich hatte mich auf seinem Bett niedergelassen, während er an seinem Schreibtisch saß und irgendetwas in einem Buch notierte. "Wie bist du eigentlich dazu gekommen?", fragte ich. Scheinbar wusste er sofort, was ich gemeint hatte, da er kurz innehielt. "Nachdem meine Eltern an einer Überdosis verreckt sind, bin ich auf der Straße gelandet und Ghost hat mich mit zu sich genommen. Weil wir noch Kinder waren, haben wir immer die Drogen vertickt, weil wir ja noch nicht strafmündig waren", erklärte er kurz. Ich wurde dadurch aber umso neugieriger, traute mich jedoch nicht, ihn weiter auszufragen, da er von der Fragerei ohnehin schon genervt wirkte.
"Was ist mit deinem Vater?", fragte er nun mich, weshalb ich ihn überrascht ansah. Er fragte mich etwas? Ich zögerte kurz, bis ich endlich antwortete. "Der sitzt im Knast", antwortete ich leise mit gesenkten Blick. Ich konnte sehen, wie er wieder erstarrte und sich nun endgültig umdrehte. "Was hat er angestellt?", bohrte er nach, wodurch ich mich anspannte. Ich wollte nicht wieder daran denken, was er getan hatte, denn das hatten wir hinter uns gelassen und waren deshalb hierhergezogen, als ich gerade erst 5 geworden war. "Mord", brachte ich nur schwer hervor. Er stand nun auf und setzte sich neben mich. Er schien gemerkt zu haben, dass es mir schwer fiel, davon zu erzählen.
Sanft legte er einen Arm um meine Schultern und sah mich an. "Du musst es nicht sagen, wenn du es nicht willst, aber es ist immer gut über alles zu reden", redete er auf mich ein. "Ich hatte eine kleine Schwester. Mein Vater wollte nicht mal ein Kind und auf ein drittes hatte er erst recht keinen Bock, also hat er sie einfach erstickt mit einer Plastiktüte. Mein großer Bruder ist deshalb schon mit 16 abgehauen", erzählte ich und ballte meine Hände zu Fäusten. "Er hat es nicht verdient, dein Vater gennant zu werden. Er sitzt zurecht hinter Gittern", versicherte er mir, wobei er mir ins Ohr raunte. Ich konnte seinen warmen Atem an meinem Hals spüren, der mir Gänsehaut bereitete.
Es dauerte einige Zeit, bis ich mich wieder beruhigt hatte, wobei er mir maßgeblich geholfen hatte. Ich hatte mich wirklich beherrschen müssen, nicht zu weinen.
"Warum hast du meiner Mom eigentlich gesagt, dass wir zusammen sind?", fragte ich belustigt, worauf er mich grinsend anschaute. "So wie die mich angestarrt hat, hätte die doch unter anderen Umständen die Polizei gerufen", scherzte er, wo ich ihm sogar zustimmen musste.
"Ich musste mir echt ein Lachen verkneifen, als sie meinte, wir würden gut zusammen passen", gab er zu, worauf wir beide wieder in Gelächter ausbrachen. "Du wärst viel zu viel Streber für mich", stellte er klar, worauf ich nur stumm nickte. Sofort galt sein Blick wieder mir. "Denkst du, ich bin freiwillig so ein Streber? Meine Mutter will, dass ich Ärztin werde, aber ich habe da gar keine Lust drauf. Ich wäre lieber frei wie du", murrte ich als Antwort vor mich hin. "Du willst nicht so sein wie ich", widersprach er sofort, weshalb ich zu ihm aufschaute. "Warum nicht?"
Er seufzte leise. "Ich könnte jeden Tag in den Knast wandern oder erschossen werden. Irgendjemand könnte mich zusammenschlagen oder ausrauben. Ich bin schon mehrmals fast verhaftet worden, aber das Problem bei dem ganzen Scheiß ist, dass es mich offiziell nicht gibt. Ich habe ja nicht mal eine Geburtsurkunde", begann er, man merkte jedoch sofort, dass er noch nicht mal ansatzweise fertig war, seine Geschichte zu erzählen.
Scheinbar war mein Blick ziemlich eindeutig, da er seufzte und sich zum wiederholten Male durch die Haare fuhr. "Ich bin sozusagen aus meiner Mom rausgefallen und beide dachten, ich würde eh nicht leben. Sie waren nie mit mir im Krankenhaus und ohne die Hilfe unserer damaligen Nachbarin wäre ich jetzt nicht mehr am leben", als er geendet hatte, atmete er tief durch. Er stand auf und ging wieder auf seinen Schreibtisch zu.
"Auch wenn dein Leben ganz schön hart klingt, würde ich lieber in Gefahr schweben und mit dem Tod spielen, als irgendein perfektes Leben zu führen mit einem verweichlichten Ehemann, der nur darauf ist, mich als Babymaschine zu benutzen und dann als Hausfrau, was ich natürlich nach außen hin liebend gerne mache, sodass ich schon mit 30 nach zwei Jahren als Ärztin nicht mehr arbeite und mich um die scheiß schreienden Kinder kümmern muss", redete ich vor mich hin, worauf er mich nur verwirrt ansieht. "Niemand hier macht den Scheiß freiwillig", wiederholte er. "Dann falle ich eben aus dem Muster, ist mir doch egal", erwiderte ich aufgebracht, worauf er nur den Kopf schüttelte und das Zimmer verließ. Seufzend kramte ich nach meinem Handy und meinen Kopfhörern.
Meine Kleidung tauschte ich gegen ein viel zu großes T-Shirt, in das ich vor meinem Bauch einen Knoten machte, damit es nicht so rumschwabbelte, und eine kurze Stoffshorts, die mir eigentlich zu kurz war, jedoch war ich eh alleine in diesem Zimmer und was bequemeres hatte ich gerade nicht zur Hand. Ich warf mich auf das Bett und steckte mir die Kopfhörer in die Ohren. Schnell suchte ich ein Lied raus und machte es laut an, sodass man meine Musik bestimmt auch hören konnte, wenn man das Zimmer auch nur betrat, aber das war mir egal.
Ich wollte einfach meine Ruhe haben.
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Smoke and Red Lipstick
TeenfikceAlexine ist eine Musterschülerin und auf dem besten Weg Ärztin zu werden. Was jedoch keiner weiß, ist, dass sie dieses Leben abgrundtief hasst. Sie WILL abrutschen und kriminell sein. Sie WILL Gefahr und Abenteuer, doch das können weder ihre Mutter...
