Blonde?

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Auch Xater wollte sich nach Vice noch unter die Nadel legen und suchte sich die genaue Vorlage aus, während ich aus Langeweile auf mein Handy schaute. 

Ich brauchte noch immer ein Outfit für die Party am Abend, weshalb ich an Hollys Angebot vom Vorabend dachte. 

Ich brauche noch ein Outfit für heute Abend. Lust auf Shopping? >

Es dauerte nicht lange, bis sie mir antwortete. 

"Ich werde gleich von Holly abgeholt", verkündigte ich Xater, der nur nickte, während er sein Gesicht verzog beim Blick auf das iPad auf seinem Schoß. "Alles klar", erwiderte er und gab mir einen Kuss, bevor er sich wieder der Auswahl widmete. Ein schmerzverzehrtes Stöhnen von Vice ertönte. Offensichtlich hatte Jura eine empfindliche Stelle erwischt. Ich drückte Xater einen Kuss auf die Stirn, bevor ich mich umzog und auf Holly wartete. 

Ein strahlend weißer Coupe hielt vor der einfahrt. Durch die getönte Scheibe erkannte ich Holly, weshalb ich erfreut auf das Auto zulief und mich auf den Beifahrersitz begab. "Da können wir den Plan ja früher umsetzen als erwartet", stellte sie erfreut fest und fuhr los. Ich schloss meine Handtasche richtig und lehnte mich dann zurück. "Wie kommt es, dass Xater dich mal alleine lässt?", fragte sie amüsiert. Ich überschlug meine Beine und musste darüber ebenfalls schmunzeln. "Er lässt sich gleich tätowieren und das ist langweilig", erwiderte ich schulterzuckend. Sie lachte einfach und drehte das Radio auf, als ein Lied begann, dass sie scheinbar mochte, da sie rhythmisch mitwippte. Auch ich genoss die Musik und schaute aus dem Fenster, bis sie in ein Parkhaus eines großen Einkaufszentrum fuhr. 

Wir stiegen aus dem Auto, als sie einen geeigneten Parkplatz gefunden hatte. Mein Handtasche hing ich über eine Schulter, während sie ihr Auto abschloss. Gemeinsam gingen wir auf den Aufzug zu und fuhren auf die untere Ebene des Einkaufszentrums. Sie harkte sich bei mir ein und schleifte mich direkt aufgeregt in den ersten Laden. Angesichts ihres Verhaltens in dem Moment war es schwer zu glauben, dass sie über 4 Jahre älter war als ich. Wir stöberten durch die Kleiderständer und unterhielten uns dabei. Es war nicht viel los, was vermutlich daran lag, dass es draußen ziemlich warm war und die Leute lieber in die Innenstadt gingen als in ein Einkaufszentrum. 

Sie legte plötzlich schwungvoll ihre Hand auf meine Schulter, weshalb ich scharf die Luft einzog. Augenblicklich entfernte sie an und schaute mich besorgt an. "Hab ich dir wehgetan?", fragte sie überrascht, ich winkte jedoch ab. Sie drückte mir mehrere Oberteile in die Hand, von denen sie behauptete, dass sie mir viel besser stehen würden als ihr. Einige Teile nahmen wir jedoch beide mit in die Umkleidekabine in der jeweiligen Größe. 

Unter normalen Umständen hätte ich mir sowas vermutlich niemals ausgesucht, doch ich musste Holly zustimmen: es stand mir. Die Kleidungsstücke, die mir nicht passten und auch nicht in einer passenden Größe dort oder schlecht geschnitten waren, hing ich schwerenherzens zurück. 

"Wie kommt es, dass du auf einmal so viel Geld auf den Kopf hauen kannst? Nicky meinte, du wärst ja sonst immer nur in älteren und langweiligen Klamotten herumgelaufen", fragte sie neugierig, als wir den Laden mit je einer großen Tüte verlassen hatten. Ich grinste sie an, sagte jedoch nichts. In ihrem Kopf ratterte es. "Überleg doch mal. Wofür ist mein Freund berüchtigt?", half ich ihr auf die Sprünge. Ihr ging offensichtlich ein Licht auf. "Du dealst?", flüsterte sie mir schockiert zu und schaute mich mit großen Augen an. "Das hast du nicht mitbekommen?", erwiderte ich amüsiert ebenso leise, damit niemand mitbekam, worüber wir redeten. "Wie soll ich das mitbekommen haben? Ich kaufe mein Zeug immer von Ghost", widersprach sie, wirkte aber langsam genau so amüsiert wie ich. "Aber nur in der Schule so ein bisschen", beteuerte ich jedoch. 

Sie wechselte das Thema zum heutigen Abend und machte es sich zur Aufgabe, mir ein passendes Outfit auszusuchen. Zwar kauften wir auch noch einige andere Sachen, aber fündig waren wir ihrer Meinung nach noch nicht geworden. "Den musst du anprobieren", bestimmte sie und zeigte auf einen Rock aus Kunstleder. "Aber was dazu?", fragte ich nachdenklich, nachdem ich mir den Rock in meiner Größe von der Stange genommen hatte. "Auf jeden Fall was in dunkelrot", bestimmte sie nachdenklich und trottete nachdenklich durch den Laden. Ich dackelte ihr wie ein Entenküken hinterher. Irgendwann griff sie nach einem trägerlosen Top in ihrem gewünschten dunkelrot. Sie drückte es mir in die Hand, ohne nach meiner Meinung zu fragen, und schupste mich in eine der Umkleiden. Lachend zog ich mir das Outfit an. 

Ich schob den Vorhang bei Seite und bat Holly darum, den Reisverschluss am Rücken des Tops zu schließen. Auf ihr Zeichen hin drehte ich mich um und wartete darauf, dass sie diesen Schloss. "Du hast ein Tattoo", stellte sie fest, als sie die Folie saß, die auf meiner Schulter klebte. "Offensichtlich", bestätigte ich lachend. Sie schloss den Reisverschluss, der mich in das Outfit einschnürte, bevor ich mich umdrehte und mich im Spiegel betrachtete. "Die fallen da ja fast raus", stellte ich beim Blick auf meine Brüste fest und erntete ein Lachen von Holly, die neben mir stand. "Das nimmst du und wir suchen dir noch Schuhe aus dafür", beschloss sie und schob mich zurück in die Kabine, wo sie den Reisverschluss noch öffnete, bevor sie den Vorhang zuzog. 

Wieder gab ich ein paar Scheine über die Theke und nahm meine Tüte entgegen, mit der ich den Laden verließ. Wir durchstöberten noch die Schuhe, wo wir beide fündig wurden, mehrfach. Eigentlich hatte ich gedacht, dass wir endlich fertig waren, da hatte ich mich jedoch getäuscht. "Ich muss noch zum Friseur", meinte sie und sah mich bittend an. Ich nickte, weshalb wir zu einem Salon liefen, wo Holly aufgeregt eine junge Friseurin begrüßte. Sie schienen vertraut. "Was würdest du für sie vorschlagen?", fragte sie diese und zeigte auf mich. Etwas perplex schaute ich zwischen den beiden Frauen hin und her. "Wir könnten das Straßenköterblond aufhellen, dabei aber die leichten Strähnen beibehalten. Sollte ich schätzen, würde ihr ein kälteres Blond am besten stehen", schlug die Friseurin vor. Holly sah mich grinsend an. "Willst du oder nicht?", fragte sie aufgeregt. Ich musste schlucken. 

Sollte ich mich echt so stark verändern? Immerhin musste ich auch meiner Mutter wieder unter die Augen treten. Andererseits war ich ohnehin bald 18 und würde vermutlich direkt nach meinem 18. Geburtstag ausziehen. Zwar wusste da noch niemand von und ich wusste auch nicht wohin, geschweige denn, ob ich zu Xater ziehen konnte, sollte er mich bei sich haben wollen.

"Okay", antwortete ich dann und wurde direkt auf einen der gemütlichen Stühle verfrachtet. Holly setzte sich auf den neben mir und beobachtete wie die Friseurin meine Haare bearbeitete. Währenddessen schaute ich auf mein Handy, da Holly die Friseurin in ein Gespräch verwickelt hatte. Ich schaute mir das Bild an, das mit Xater von seinem neuen Tattoo geschickt hatte. 

Ich betrachtete es und biss mir auf die Unterlippe. Ich musste sagen, dass es ihm stand. Bisher hatte er nur auf einem Arm einige verteilte Symbole gehabt, nun zierte auch seinen anderen Arm  schwarze Farbe. Mir gefiel es, dass er nur schwarzweiße Tattoos hatte. Ich musste zudem zugeben, dass Jura echt Talent hatte, dafür dass sie erst 16 war. 

Die Friseurin tobte sich an meinen Haaren aus und machte Hollys Augenbrauen und schnitt ihre Spitzen, während die brennende Farbe bei mir einwirkte. 

"Wow", murmelte ich begeistert als ich meine Haare sah. Ich musste ihr zustimmen, dass es mir stand. Ich bezahlte die Friseurin und gemeinsam verließen Holly und ich den kleinen Laden, um nun wirklich zurück zum Auto zu gehen. Sie fuhr zum Haus von Xater, wo sie in der Einfahrt parkte und mit mir ausstieg. Wir sortierten unsere Tüten, bevor wir zur Haustür gingen. 

Ich klingelte kurzerhand, worauf Xater die Tür öffnete und direkt grinste, als er mich sah. "Ghost ist im Wohnzimmer", meinte er an Holly gewandt, die direkt dorthin ging. Zu mir sagte er nichts, weshalb ich einfach reinging und zu seinem Zimmer aufbrach. 

Die Tüten stellte ich neben meiner Tasche ab. "Die Haare sehen toll aus", meinte er, als er die Tür hinter sich geschlossen hatte. Er hatte es also doch bemerkt.

Smoke and Red LipstickGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt