Erst nach einigen Stunden war Xater, wie er scheinbar hieß, dann auch endlich wieder aufgetaucht. Ich hatte in der Zeit Däumchen gedreht, während Ghost sich mit einer Kiste an den Tisch gesetzt hatte und ein weißes Pulver, Pillen und anderes portionierte. Er hatte sich dabei Kopfhörer in die Ohren gesteckt, weshalb ich mir noch unerwünschter vorkam.
Gleich nachdem Xater die Küche betreten hatte, legte er ein Geldbündel auf den Tisch. Mit großen Augen starrte ich auf das Geld, das einfach so auf dem Tisch lag. Wenn ich mich nicht irrte, waren es ein paar tausend Dollar. "Meinen Anteil habe ich schon abgezogen", erklärte er und schob das Geld zu Ghost, der es sich sofort einsteckte.
"Könnte ich vielleicht noch Klamotten von Zuhause holen?", fragte ich kleinlaut, worauf Xater nur genervt seufzte. "Bekomme ich dein Auto?", fragte er an Ghost gerichtet, der nur desinteressiert mit den Schultern zuckte. "Ist eh leer, dann kannst du gleich tanken gehen", nuschelte er vor sich hin, während er weiter auf sein Handy schaute.
Vorsichtig stand ich auf und folgte Xater nach draußen, wo er ein ein schwarzes Auto mit getönten Scheiben stieg. Ich selbst ließ mich auf dem Beifahrersitz nieder. Wie konnten die beiden sich eigentlich so ein Auto und generell ein Haus kaufen? Das Geld, was die beiden verdienten, konnten die ja schlecht normal ausgeben, ohne dass es auffiel. Vermutlich hatten sie einen guten Geldwäscher.
Ich nahm mir fest vor, ihn irgendwann zu fragen, da ich ja scheinbar etwas länger bleiben würde. Gelangweilt schaute ich aus dem Fenster. "Kann ich in der Zeit, die ich bei euch bin, wenigstens zur Schule? Sonst sterbe ich ja vor Langeweile", murrte ich. "Erstmal nicht. Wir wollen doch nicht, dass du uns wieder wegläufst", antwortete er und musste wieder grinsen. "Und was soll ich den ganzen Tag machen?", fragte ich seufzend und schaute dann zu ihm. "Mir doch egal. Es ist doch niemand bei dir zuhause, oder?", fragte er nach. "Mom müsste noch in der Kanzlei sein", murmelte ich und zog meine Jacke enger um meinen Körper. "Warte mal. Kanzlei? Deine Mutter ist Anwältin?", fragte er geschockt und sah aus, als würde er jeden Moment eine Vollbremsung machen, weshalb ich mich ängstlich an die Tür klammerte. Es würde mich zwar nicht bei einem Unfall retten, jedoch dafür sorgen, dass ich nicht mit dem Gesicht an die Verkleidung schlug.
"Ja, meine Mom ist eine Anwältin, aber sie ist ziemlich scheiße. Den letzten Fall hat sie vor knapp zwei Jahren gewonnen", antwortete ich und bemerkte, wie er vor dem Gebäude hielt, in dem ich wohnte. "Woher weißt du, wo ich wohne?", fragte ich deshalb überrascht, weshalb er nur grinste und mit mir nach oben ging.
Ich zog den Schlüssel aus meiner Jackentasche und öffnete die Tür zur Wohnung. Er folgte mir hinein, jedoch blieb ich im Flur abrupt stehen, als ich Geräusche aus der Küche hörte. Ich erkannte das Summen meiner Mutter, was sie immer machte, wenn sie kochte. "Shit", flüsterte ich kaum hörbar und ging in die Küche. "Hey, Mom. Was machst du denn hier?", fragte ich unsicher. Hinter mir hörte ich Xater schnauben. "Ich dachte mir, ich mache heute mal früher Schluss und koche uns was schönes zu essen", meinte sie lächelnd.
Ich konnte hören, wie Xater hinter mich trat. "Ich dachte, wir wären alleine", fragte er mich so, dass meine Mom es hören konnte. "Wer sind sie?", fragte meine Mutter verwirrt und schaute Xater verwirrt an. "Ich bin Aaron, Alexines Freund", stellte er sich vor und ging auf meine Mom zu, um ihr höflich die Hand zu geben.
Nun galt ihr vorwurfsvoller Blick mir. "Du hast mir ja gar nicht erzählt, dass du einen Freund hast", warf sie mir vor. "Ich wollte nicht, dass du mich ausfragst und einen Background-Check von ihm machst. Außerdem wollte ich nicht, dass du anfängst eine Hochzeit zu planen", erklärte ich locker und betrat nun auch die Küche. "Ich wollte mit Alexine über das Wochenende zu meinen Eltern fahren, aber ich glaube nicht, dass sie ihnen davon erzählt hat", fing er an und lächelte meine Mutter mit einem unglaublichen Lächeln an. "Natürlich könnt ihr über das Wochenende weg fahren, aber es wäre besser wenn sie währenddessen für ihren Test lernt", stellte meine Mutter klar, worauf ich genervt seufzte.
"Ich packe schonmal meine Sachen zusammen", murmelte ich und ging in mein Zimmer. Dort angekommen warf ich sofort einige Klamotten in eine Reisetasche. Im Badezimmer packte ich meine Kulturtasche zusammen und warf sie zu meinen Klamotten und einigen persönlichen Sachen, die ich mitnehmen wollte.
Als ich fertig war und meine Tasche neben der Wohnungstür abgestellt hatte, ging ich zurück in die Küche, in der Mom und mein 'Freund' am Tisch saßen und sich unterhielten. Sie hatten noch einen dritten Stuhl geholt, sodass ich mich mit ihnen an den Tisch setzen konnte. Das Essen stand bereits auf dem Tisch und Xater hatte begonnen, sich etwas aufzutun. "Wo habt ihr euch eigentlich kennengelernt?", fragte meine Mom an uns beide gerichtet. Ich schluckte schwer, während er wieder grinste und sich durch die Haare fuhr. Ich wusste, dass er gleich eine seiner unglaublich guten Lügengeschichten raushauen würde, deshalb machte ich mir nicht einmal die Mühe, mir etwas auszudenken. Selbst die Beziehung hatte meine Mom uns ja scheinbar abgekauft.
"Wir haben uns zufällig getroffen, als sie einmal Abends alleine nach Hause gegangen ist, also eigentlich ist sie in mich rein gelaufen. Ich wollte sie nicht alleine nach Hause laufen lassen und habe die deshalb begleitet und danach haben wir uns immer mal wieder getroffen", erklärte er, worauf ich innerlich die Augen verdrehte. Ich hatte doch zu viel erwartet.
Ich lächelte nur falsch und begann zu essen. "Wie alt bist du?", fragte sie ihn weiter aus. "19", antwortete er noch, bevor er begann, zu essen. "Ich denke, du wirst meiner Tochter gut tun. Sie wird sich schon keinen Kriminellen ausgesucht haben", scherzte sie, worauf er nervös lächelte. "Natürlich nicht", antwortete er. Schweigend aßen wir weiter.
Erst nach dem Essen ließ Mom uns gehen.
Als ich die Autotür hinter mir geschlossen hatte, atmete er erleichtert auf. "Ich will diese Frau nie wieder sehen. Wag es also ja nicht, dich irgendwie in mich zu verlieben oder so. Darauf habe ich keinen Bock", stöhnte er genervt und startete den Wagen. Ich ging in keinster Weise. darauf ein, was er sagte und schwieg einfach.
Wir fuhren ein Stück, bis er auf den Hof einer Tankstelle fuhr. Während ich sitzen blieb, stieg er aus und zog den entsprechenden Zapfhahn aus der Säule. Gelangweilt lehnte er am Auto, während die Summe stieg.
Kurz verschwand er in dem kleinen Häuschen zum Bezahlen.
Ich verkroch mich tiefer im Sitz, bis er endlich zurückkehrte und auf den Fahrersitz stieg.
"Was von dem, was du meiner Mom erzählt hast, war eigentlich wahr?", fragte ich irgendwann nach und schaute zu ihm, wie er konzentriert auf die Straße starrte. Er schwieg. "Es war alles gelogen, was du erzählt hast?", fragte ich vorwurfsvoll, er nickte jedoch schlicht. "Magst du wenigstens eine der Lügen aufklären?", fragte ich weiter. "Ich bin eigentlich 22", antwortete er schlicht, worauf ich ihn mit großen Augen anstarrte. "Selbst das hast du dir ausgedacht? Wieso?", fragte ich nach. Er zuckte bloß mit den Schultern. "Weil deine Mom es vermutlich nicht so toll finden würde, wenn der neue Freund ihrer Tochter doch ein paar Jahre älter ist", erwiderte er. "Was würden deine Eltern wohl dazu sagen, dass du so viel lügst", tadelte ich ihn, er verkrampfte jedoch seine Hände am Lenkrad.
"Ich habe keine Eltern mehr seit ich 8 bin", gab er zu. "Das tut mir leid", erwiderte ich und schaute auf meine Beine.
"Muss es dir nicht. Meine Eltern sind tot besser, als sie lebend jemals waren."
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Smoke and Red Lipstick
Fiksyen RemajaAlexine ist eine Musterschülerin und auf dem besten Weg Ärztin zu werden. Was jedoch keiner weiß, ist, dass sie dieses Leben abgrundtief hasst. Sie WILL abrutschen und kriminell sein. Sie WILL Gefahr und Abenteuer, doch das können weder ihre Mutter...
