panicking

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Gegen Abend, als es schon dämmerte, brachen wir auf. Ich trug wieder den Rucksack mit den Drogen auf dem Rücken und seine Waffe bei mir, während er fuhr. Es dauerte etwas, bis wir da waren, da wir uns direkt im Feierabendverkehr befanden und die Übergabe am anderen Ende der Stadt war. 

Der Käufer wartete bereits auf uns, als Xater anhielt und mir den Rucksack abnahm. Ich folgte ihm wieder mit Abstand in die Gasse, mein Gesicht war wieder zur Hälfte verborgen und wurde von dem Schatten beinahe verschluckt. 

"Hast du den Stoff dabei?", fragte der Mann aufgeregt, während er sich immer wieder umsah, ob ihn auch keiner sah. "Denkst du, ich wäre ohne aufgetaucht, wenn mir mein Leben lieb wäre", antwortete Xater sarkastisch und nahm zwei Päckchen aus dem Rucksack, die jeweils so groß waren, wie das vom letzten Mal. Meine Hand wanderte unauffällig zur Waffe, damit ich schnell reagieren konnte. "Jetzt das Geld", forderte Xater ihn auf, der Mann holte aus seiner Jacke jedoch statt dem Geldbündel, das ich von hier sehen konnte, eine Waffe und richtete sie direkt auf Xaters Kopf. Wie aus Reflex griff ich nach meiner Waffe und zielte nun ebenfalls auf seine Stirn. 

Er schien mich bemerkt zu haben, da er sich plötzlich drehte und auf mich zielte. Bevor er jedoch abdrücken und mich erwischen konnte, drückte ich ab und mit einem Knallen spritzte sein Blut an die mal weiße Backsteinmauer hinter ihm. Mit großen Augen starrte ich den Mann an, der wie ein nasser Sack umkippte und regungslos liegen blieb. Die Waffe glitt mir aus den Händen und fiel auf den nassen Asphalt. Ich hielt mir meine Hände vor den Mund, um nicht zu schreien, während er sich Handschuhe überzog und dem Mann sein Geld abnahm. Er steckte es zu den Päckchen zurück in den Rucksack und kam nun auf mich zu. Ich starrte immer noch auf die Leiche, die nur drei Meter von mir entfernt auf dem Boden lag und immer noch blutete. 

Ich hatte gerade einen Menschen umgebracht. 

Was wenn er Familie hatte? Naja, bei seinem Aussehen wahrscheinlich nicht oder sie wollte nichts mit ihm zu tun haben. 

Meine Knie wurden weich und ich sackte zusammen, wurde jedoch von Xater aufgefangen, der mich auf meine beiden Beine stellte. 

Ich konnte nichts sagen. Ich wollte etwas sagen, aber es kam nur ein Stammeln heraus sowie ein Wimmern. "Lex?", murmelte er immer wieder und schüttelte mich dabei, ich jedoch sah wie durch einen Schleier und hörte ihn nur gedämpft. "Verdammt, beruhig dich", redete er auf mich ein, als ich begann, um mich zu schlagen. Er griff nach meinen Handgelenken und hielt sie neben meinem Kopf an die Wand hinter mir, während er mir tief in die Augen sah. "Konzentrier dich nur auf mich. Der hat es nicht anders verdient, Kleine. Du musst dir keine Sorgen machen", sprach er weiter, beruhigte mich dadurch jedoch keineswegs.

Um nichts mehr um mich herum zu sehen, kniff ich die Augen zusammen und schüttelte den Kopf. Er löste eine seiner Hände von meinen und hielt meinen Kopf fest. "Wärst du nicht hier, wäre ich jetzt an seiner Stelle", redete er mir leise ein.

Ich beruhigte mich erst, als ich plötzlich etwas weiches auf meinen Lippen spürte. Überrascht riss ich die Augen auf und seine geschlossenen. Er küsste mich. 

Mein Ganzer Körper wurde von einer Gänsehaut überzogen, jedoch löste er sich viel zu schnell wieder von mir. "Wir reden später darüber, wir müssen erstmal von hier verschwinden", legte er fest und zog mich zu seinem Motorrad. In der Ferne konnte man ein Blaulicht an einer Wand reflektieren sehen. Ich war noch nicht wieder ganz auf der Höhe, riss mich aber los, um die Waffe aufzuheben, an der sich meine Fingerabdrücke befanden. 

Schnell lief ich wieder zum Motorrad, setzte den Helm auf und er fuhr direkt los. Beinahe panisch hielt ich mich an ihm fest, während er gefühlt wie ein Verrückter zu sich nach Hause fuhr. 

Er bremste hart und sprang beinahe vom Motorrad. Er nahm mir den Rucksack ab, herrschte mich an, auf ihn zu waren, und rannte hinein. Keine drei Minuten Später kam er wieder heraus mit einer Tasche, die er gekonnt hinten an seinem Motorrad befestigte. Man konnte ihm seine Panik ebenfalls ansehen, ich sagte jedoch nichts, da ich Angst hatte, er würde ausrasten, wenn ich etwas falsches sagte, denn wenn ich in solchen Situationen etwas sagte, war es beinahe immer das Falsche. 

Er schwang sich auf das Motorrad, auf das ich ihm wieder folgte und mich an ihm festhielt. Recht schnell hatte er die Auffahrt zum Haus verlassen und fuhr los. Ich krallte mich richtig in seine Jacke, während er fuhr. Wir entfernten uns immer weiter von der Stadt, wie ich merkte, da irgendwann nur noch Bäume, Wiesen und Felder am Straßenrand zu sehen waren. 

Nach gefühlten zwei Stunden Fahrt, begann mein Hintern langsam zu kribbeln und wehzutun, genauso wie meine Knie, da ich sie ja die ganze Zeit angewinkelt hatte. Auch er schien nicht mehr so fit zu sein, denn er fuhr nach weiteren 20 Meilen auf den Hof eines Motels, wo er sich auf einen freien Parkplatz stellte. Er deutete mir, abzusteigen, was er mir gleichtat. Während er in dem Büro verschwand, nahm ich die Tasche ab und verbrannte mir dabei beinahe die Finger an dem Auspuff. Entweder war ich vollkommen dämlich, zu glauben, dass das Ding nicht heiß war, oder ich war einfach zu übermüdet nach der Panikattacke, die ich mal wieder durch ihn gehabt hatte. 

Naja, ich hatte sie gehabt, weil ich einen Menschen erschossen hatte, aber das wäre ohne ihn niemals nötig gewesen. 

Ein leises Klingeln riss mich aus meinen Gedanken. Es dauerte ein wenig, bis ich checkte, dass es mein Handy war, das klingelte. Ich zog es aus der Tasche und schaute auf das Display. 'Mom'. 

Ich überlegte kurz, ob ich rangehen sollte, entschied mich dann aber doch dafür. Nicht, dass sie sich Sorgen machte und die Polizei auf mich ansetzte. 

"Ja?", meldete ich mich genervt. "Gott sei Dank, bin ich froh, dass ich dich erreiche. Wo bist du? Ich habe schon Josephin angerufen und gefragt, ob du da bist, aber sie meinte, du wärst zu deiner Tante gefahren. Wieso lügst du denn? Du bist doch bestimmt bei deinem Taugenichts von Freund oder?", ratterte sie herunter, weshalb ich erstmal genervt seufzte. "Ich bin bei Aaron.. Ich konnte ihr das ja schlecht erzählen. Außerdem sind wir nicht mehr in der Stadt, also denk gar nicht daran, mich zu suchen oder mir vor der Schule aufzulauern", brummte ich. Sie stöhnte nur empört. 

"Und jetzt willst du einfach schwänzen, oder was?", keifte sie mich nun an. Am liebsten würde ich wieder auflegen, aber dann würde sie mich nie in Ruhe lassen. "Fürs erste nicht. Ich bin mit ihm bei seiner Familie, da gibt es gerade Probleme", log ich und wartete ihre Reaktion ab, die natürlich mal wieder nicht ausblieb und natürlich absolut unpassend war. "Wehe du kommst nicht als Jungfrau zurück nach Hause. Du weißt, dass Männer immer nur das eine wollen und das am liebsten ohne jegliche Verantwortung. Du weißt außerdem, wie ich zu Sex vor der Ehe stehe", begann sie wieder, was ich nur mit einem Schnauben quittierte. "Ich schlafe mit wem, wann, wo und wie ich es will und jetzt lass mich in Ruhe", erwiderte ich emotionslos, bevor ich einfach auflegte. 

Just in diesem Moment kam Xater auch schon wieder und nahm mir die Tasche ab, bevor er auf eines der Zimmer zuging, das er aufschloss. Nacheinander schlüpften wir durch die Tür und er ließ die Tasche auf den Boden fallen. Die Tür fiel von alleine ins Schloss. 

Smoke and Red LipstickGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt