Amandas Sicht
Da Alexis bei Doktor Shepherd war, lag ich gelangweilt in meinem Bett und starrte an die Decke. Ich summte ein Lied vor mich hin und schloss irgendwann meine Augen. Ich hörte kurz darauf, wie die Tür auf ging und jemand das Zimmer betrat. Jedoch war ich zu faul, meine Augen zu öffnen. Derjenige wird sich schon bemerkbar machen, wenn er etwas will. Die Schritte bewegten sich auf mein Bett zu und jemand setzte sich neben mich. Ein angenehmer, männlicher Geruch stieg mir in die Nase. Doch ich konnte diesen Geruch nicht zuordnen.
"Warum musst du ein Zwilling sein?" Erklang Doktor Sloan seine murmelnde Stimme. Ich wusste nicht, ob ich etwas sagen sollte oder einfach weiter so tue, als ob ich schlafen würde. Lange Zeit, entstand eine Stille. Seine eine Hand, legte er leicht auf meine. Seine Hand strahlte eine angenehme Wärme aus.
"Es würde so vieles einfacher machen, wenn du kein Zwilling wärst." Murmelte er wieder vor sich hin. Ich schnaubte leicht und öffnete meine Augen. Sofort zog er seine Hand weg und sah mich überrascht an.
"Ich bin genauso ein Mensch, wie ihr auch. Jetzt bekomm das endlich in deinen Dickschädel." Zischte ich und setzte mich leicht auf.
"Zwillinge bringen nur Unheil." Erwiderte Doktor Sloan.
"Ach und normale Menschen sind unschuldig? Wie viele Menschen haben schon getötet? Wie viele Menschen verletzen jeden Tag andere? Auf wie viele Menschen kann man sich verlassen? Und du willst mir klar machen, dass Zwillinge die Bösen sind? So ein Scheiß!" Zum Ende hin wurde meine Stimme immer lauter. Doktor Sloan stand langsam von meinem Bett auf. Er sagte nichts. Kein einziges Wort.
"Und hört endlich auf, uns wie Dreck zu behandeln! Wir sind Menschen! Warum müssen wir hier in so einem Drecksloch sitzen?! Nur weil die anderen angeblich was Besseres sind und wir nur das Unterste verdienen?!" Schrie ich schon fast.
"Es war die Entscheidung des Chefarztes." Sagte Doktor Sloan ruhig.
"Es ist mir scheiß egal wessen Entscheidung es war! Dann soll er sich hier mal mehrere Tage reinsetzen! Und sich die ganze Zeit mit einem Arzt wie dir rumschlagen! Da würde jeder eine Macke bekommen!" Jetzt fing ich an mit schreien.
"Beruhig dich doch mal." Antwortete er.
"Ich soll mich beruhigen?! Wie lange wollt ihr uns hier noch festhalten?! Ein paar Monate? Jahre? Dann bring ich mich lieber gleich um! Oder du hättest mich einfach in die Arme des Amokläufers laufen lassen! Dann wärst du wenigstens einen Zwilling los!" Schrie ich weiter.
"Jetzt hört auf so zu reden! Jeder zweite Satz von euch beinhaltet umbringen!" Rief Doktor Sloan.
"Ja! Und weißt du warum?! Weil es menschenverachtend ist was ihr hier abzieht! Da würde jeder lieber sterben!" Antwortete ich ihm.
Doktor Sloan machte seinen Mund auf, schloss ihn dann aber wieder und verließ den Raum. Die Tür schloss er mal wieder ab. Ich seufzte frustriert und ging ins Bad. Ich zog mich aus und ging duschen.
Marks Sicht
Nachdem meine Schicht endlich zu Ende war. Fuhr ich zu meinen Eltern. Dort angekommen, ging ich zur Tür und klingelte. Diese wurde kurz darauf von meiner Mom geöffnet. Sofort schloss sie mich lächelnd in ihre Arme. Ich erwiderte ihre Umarmung und gemeinsam gingen wir rein. Wir gingen ins Wohnzimmer. Dort war auch mein Dad aufzufinden. Diesen begrüßte ich und ließ mich dann auf die gegenüberliegende Couch fallen.
"Und, gibt es etwas Neues?" Fragte meine Mom lächelnd.
"Wir haben wieder Zwillinge. Sie sind achtzehn oder so. Es sind zwei Mädchen." Sagte ich und sah dabei beide an. Ich beobachtete bei diesen Sätzen genau ihre Mimik. Bei Dad regte sich nichts. Bei Mom gingen ihre Mundwinkel leicht nach unten und sie fing an nervös mit ihren Händen zu spielen.
"Wie kommt es, dass sie so alt sind?" Fragte Dad.
"Ihre Tante hat sie versteckt. Ihre Mutter ist damals bei der Geburt gestorben." Erzählte ich weiter. Meinen Blick hielt ich dabei auf Mom gerichtet. Sie sagte nichts, sondern starrte nur auf ihre Hände.
"Dass man so etwas so lange leben lässt." Murrte Dad und sah kurz zu Mom rüber. Er stieß seinen Ellenbogen vorsichtig in ihre Seite. Doch Mom beachtete es nicht und blieb weiter so sitzen.
"Wisst ihr was ich traurig finde?" Sprach ich nach kurzer Stille. Beide sahen mich an und schüttelten ihren Kopf.
"Das mein bester Freund mehr über meine Familie weiß als ich." Sagte ich und versuchte ruhig zu bleiben.
"Was meinst du?" Fragte Dad und runzelte dabei seine Stirn.
"Bin ich euer erstes Kind? Oder müsst ihr mir da noch irgendetwas erzählen." Murrte ich und spannte mich an. Ich beugte mich nach vorne und stützte meine Ellenbogen auf meinen Knien ab.
Meine Mom wechselte mehrere Blicke mit meinem Dad. Dieser verließ kurz danach das Wohnzimmer. Mein Blick glitt wieder zu Mom. Wieder spielte sie nervös mit ihren Fingern. Ihre Augen füllten sich langsam mit Tränen.
"Jetzt sag mir bitte die Wahrheit. Es wird Zeit." Sagte ich leise. Ich stand auf und setzte mich neben sie.
"Du bist nicht unser erstes Kind." Flüsterte Mom. Ich schloss meine Augen kurz und atmete tief durch.
"Ich war zwei Jahre vor deiner Geburt schon mal schwanger. Im siebten Monat haben wir erfahren das es Zwillinge werden. Wir oder eher gesagt ich wollte ihnen das alles nicht antun. Dein Vater und ich haben lange diskutiert. Er hat dann ein Medikament im Krankenhaus mitgehen lassen, um frühzeitige Wehen auszulösen und ein Medikament zum Abtreiben. Es waren die schlimmsten Tage in meinem Leben." Erzählte sie leise. Mom musste oftmals eine kurze Pause machen, um durchzuatmen. Ich wusste in diesem Moment nicht, was ich sagen sollte. Ich war geschockt.
"Es tut mir leid. Wir hätten es dir schon eher sagen sollen." Flüsterte Mom und mehrere Tränen flossen über ihre Wange. Sie drehte ihren Kopf zu mir und legte ihre eine Hand auf meine Wange.
"Rette sie. Rette die Zwillinge. Sie haben etwas Besseres verdient. Bitte hilf ihnen." Sagte Mom. Ihre Stimme klang ernst, jedoch sprach sie leise.
Ich sah sie an. Ich wusste nicht was ich denken soll. Was soll ich tun?
DU LIEST GERADE
The Twins
AventuraWie weit muss man gehen, um endlich frei sein zu können? Wie weit muss man gehen, um endlich ein normales Leben zu führen? Wie weit muss man gehen, um endlich lieben zu können?
