*vor achtzehn Jahren*
Jenna's Sicht
"Soll ich dich nicht doch ins Krankenhaus fahren?" Unterbrach die Stimme meines besorgten Mannes den Raum.
"Damit sie uns unsere Kinder wegnehmen? Niemals." Sprach ich außer Atem und krallte meine Finger dabei mehr in das Bettlaken.
Mein Mann sah mich misstrauisch an. Ließ mich dann jedoch mit meiner Schwester alleine im Schlafzimmer.
"Du schaffst das. Und denk dran, du darfst nicht schreien." Erzählte meine Schwester Megan. Sie tupfte dabei mit einem nassen Lappen über meine verschwitzte Stirn.
"Ja ich weiß. Ich würde alles für meine Kinder machen." Flüsterte ich.
Die Wehen wurden immer stärker. Sie reichten bis ins unerträgliche. Ich biss auf ein zusammengerolltes Tuch. Aus Angst, dass ich doch laut schreie.
Sie dürfen mir meine Kinder nicht wegnehmen. Dafür werde ich alles tun. Ich habe alles mit Megan und mit meinem Mann besprochen und durchgeplant. Kein anderer weiß davon und so soll es auch bleiben.
Meine Schwester ist Hebamme im Krankenhaus, welches es in unserer kleinen Stadt gibt. Ich bin also in den besten Händen und meine Kinder auch.
"Soll ich dir etwas gegen die Schmerzen geben?" Fragte mich Megan und riss mich somit aus meinen Gedanken.
"Nein. Ich schaffe das." Sprach ich leise.
Die Schmerzen wurden immer stärker. Ich fing an mit pressen und meine Schwester unterstützte mich so gut wie es nur ging.
"Ich sehe schon das erste Köpfchen." Lächelte Megan nach zwei weiteren Stunden.
Die Erleichterung war mir anzumerken, jedoch wusste ich, dass noch nicht alles überstanden war.
Ich presste mehrmals und dann war auch schon das Weinen meines ersten Babys wahrzunehmen.
"Es ist ein Mädchen. Weißt du schon wie sie heißen soll?" Lächelte Megan und wickelte das Baby in ein Handtuch ein.
"Alexis." Flüsterte ich außer Atem und sah zu meiner Tochter.
Ich beobachtete Megan dabei, wie sie Alexis erst vorsichtig wusch und sie danach wog. Doch weiter konnte ich mich nicht auf die beiden konzentrieren, denn die Wehen setzten wieder ein.
Ich fing wieder an mit pressen. Es dauerte nicht lange und mein zweites Baby war auch auf der Welt. Erschöpft ließ ich mich in mein Kissen fallen.
"Auch ein Mädchen." Lächelte Megan und gab mir Alexis vorsichtig auf den Arm.
"Sie soll Amanda heißen." Antwortete ich leise. Ich war zu erschöpft um lauter zu sprechen.
Megan holte dann meinen Mann ins Zimmer und er setzte sich lächelnd neben mich auf das Bett.
"Darf ich vorstellen. Deine Töchter Alexis und Amanda." Lächelte ich schwach.
Er küsste meine Stirn und strich über die Wangen unserer Töchter. Ich genoss die Zeit mit meinen Töchtern und meinem Mann.
"Sie blutet." Unterbrach uns meine Schwester. Wir sahen verwirrt zu ihr, bis wir begriffen was sie meinte.
"Nimm die Kinder und warte mit ihnen draußen." Megan sah meinen Mann an. Dieser nickte etwas verwirrt und verließ das Zimmer mit unseren Mädchen.
"Was ist passiert? Ist das normal?" Fragte ich besorgt.
"Es kann immer mal zu Komplikationen kommen. Ich weiß noch nicht was es ist." Erklärte mir Megan.
Lange Zeit war eine Stille im Raum. Megan untersuchte mich und ich konnte nicht deuten, ob diese Stille jetzt positiv war.
"Ich kann die Blutung nicht stoppen." Panisch sprang Megan auf und holte mehr Tücher.
Ich schluckte schwer. Tausend Sachen gingen durch meinen Kopf. Wird alles gut? Kann Megan mir helfen? Sehe ich meine Töchter aufwachsen? Können sie ein halbwegs normales Leben führen? Was ist, wenn ich sterbe? Werde ich jetzt überhaupt sterben?
"Megan? Schaffst du es?" Fragte ich vorsichtig und sah zu ihr.
"Du hast innere Blutungen Jenna. Ich müsste dich operieren." Flüsterte sie. Mir war bewusst was das heißt.
"Holst du sie bitte nochmal rein?" Ich versuchte meine Tränen zu unterdrücken.
Megan holte meinen Mann herein, er hielt weiterhin unsere Töchter auf dem Arm. Sofort kam er zu mir und setzte sich neben mich.
"Bitte kümmert euch gut um meine Mädchen ja? Sie sollen nicht so enden wie andere Zwillinge. Macht tolle Persönlichkeiten aus ihnen. Bleibt immer an ihrer Seite und beschützt sie mit eurem ganzen Leben." Flüsterte ich und mehrere Tränen liefen über meine Wange.
"Du wirst nicht sterben. Das lasse ich nicht zu." Sprach mein Mann und war dabei leicht aufgebracht.
"Doch. Meine Aufgabe ist erfüllt. Ich habe dir zwei wundervolle Töchter geschenkt." Sagte ich leise.
Megan gab mir meine Töchter in den Arm. Ich beobachtete beide genau. Alexis spielte mit ihren Händen. Während Amanda ruhig in meinem Arm lag und schlief. Weitere Tränen bahnten sich den Weg über meine Wangen.
"Ich liebe euch. Für immer und ewig." Flüsterte ich meinen Töchtern zu.
Ich küsste erst Amanda ihre Wange und danach Alexis ihre Stirn. Ich beobachtete sie danach weiter. Ich wollte noch so viele Erinnerungen wie möglich an meine Töchter mitnehmen.
Sie waren so friedlich. So klein und so zart. Ich hatte Angst das sie zerbrechen, wenn ich sie stärker festhielt. Jedoch ließ meine Kraft das auch gar nicht mehr zu.
Ich wurde immer schwächer. Megan stützte meinen Arm auf der einen Seite und mein Mann stützte ihn auf der anderen. Ich sah meine Töchter zum letzten Mal an, bevor ich meine Augen schloss. Für immer.
Ich bemerkte noch, wie meine ganze Kraft und mein Leben mich verließen. Doch ich wusste, ich habe zwei wundervolle Kinder auf die Welt gebracht...
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The Twins
AvventuraWie weit muss man gehen, um endlich frei sein zu können? Wie weit muss man gehen, um endlich ein normales Leben zu führen? Wie weit muss man gehen, um endlich lieben zu können?
