Alexis Sicht
Ich konnte und wollte es einfach nicht glauben. Tante Megan, die so viel für uns getan hatte, musste sterben. Sie war unsere einzige Verbündete. Es brach gerade eine Welt für mich zusammen. Sie hat uns großgezogen, sie hat uns alles beigebracht. Dank ihr, sind wir die Menschen geworden, die wir jetzt sind. Wir haben ihr so viel zu verdanken. Und wir können es ihr nicht mehr sagen. Wir können sie nie wiedersehen. Nie wieder mit ihr sprechen, sie umarmen oder sonstiges. Es tut einfach weh. Ein Schmerz, den ich so noch nie gespürt habe.
Immer mehr Tränen bahnten sich den Weg über meine Wange. Was um mich herum geschah, bekam ich kaum noch mit. Ich saß immer noch auf der Couch, starrte in die Leere und weinte. Amanda war aus dem Raum gerannt und Mark folgte ihr. Ich konnte nicht. Kein einziger Muskel wollte sich bewegen. Ich war Mark dankbar. Denn ich konnte gerade nicht für meine Schwester da sein. So sehr ich es auch wollte.
"Alexis?" Hörte ich Derek seine leise Stimme neben mir. Langsam drehte ich meinen Kopf zu ihm. Ich starrte ihn weinend an. Ich konnte nichts sagen. Er sah mich bemitleidend an. Derek zog mich vorsichtig zu sich und legte seine Arme um mich. Meinen Kopf legte ich an seine Brust und meine Hände klammerten sich in sein Shirt. Die Tränen wollten einfach nicht aufhören.
"Ich bin für dich da." Flüsterte Derek und strich über meine Haare. Auch ihm war ich in diesem Moment sehr dankbar. Er gab mir gerade Halt, welchen mir sonst nur meine Schwester und Tante Megan geben konnten.
Wir saßen eine Weile stumm da. Ab und zu entwich ein leiser Schluchzer meinem Mund. Derek strich beruhigend über meinen Rücken. Ich hörte langsam auf zu weinen. Meine Augen brannten leicht, weshalb ich sie schloss. Ich merkte, wie ich langsam immer müder wurde und schlussendlich einschlief.
----------
Langsam wachte ich auf. Warme Sonnenstrahlen erwärmten mein Gesicht. Meine Augen ließ ich jedoch noch geschlossen. Ich genoss die Wärme und kuschelte mich an etwas oder jemandem neben mir. 'Vermutlich Amanda', dachte ich mir. Das etwas neben mir fing an sich zu bewegen. Eine Hand strich durch meine Haare. Und das Etwas gab mir einen Kuss auf die Stirn.
Amanda hat mich noch nie geküsst. Ich runzelte leicht meine Stirn und öffnete meine Augen dann doch. Ich sah auf eine nackte, durchtrainierte Brust. Ich sah hoch zu der dazugehörigen Person. Es war Derek.
"Guten Morgen." Lächelte dieser.
"Ich dachte erst du bist Amanda." Sagte ich verschlafen und ließ mich wieder auf seine Brust fallen. Derek lachte leise.
"Ich wollte dich auch erst zu Amanda bringen. Aber Mark und deine Schwester hatten schon geschlafen. Ich hoffe das es für dich nicht schlimm ist." Erzählte er. Dabei strich er weiter durch meine Haare.
"Nein, es ist alles gut. Ich habe halt nur noch nie neben einem Mann geschlafen." Antwortete ich leise. Irgendwie ja schon peinlich. Immerhin bin ich achtzehn Jahre alt. Ich hatte noch nie so viel Kontakt zu Männern, wie jetzt zu Mark und Derek. Ich mag jedoch das Gefühl, welches sich in meinem Körper breit macht.
"Ich gehe duschen und dann machen wir Frühstück ok?" Riss mich Derek seine Stimme aus meinen Gedanken. Ich nickte und ging von seiner Brust runter. Derek stand aus dem Bett auf und ging zur Tür. Ich musterte ihn dabei. Sein Oberkörper ist durchtrainiert und er hat ein leicht definiertes Sixpack. Dazu trägt er nur eine Boxershort. Er verschwand im Bad. Ich ließ mich wieder zurück ins Bett fallen. Meine Augen schloss ich wieder. Kurze Zeit später war die Dusche zu hören. Ich war gerade im Halbschlaf, als mich ein lautes Klingeln aus dem Schlaf riss. Ich sah mich genervt um. Auf dem Nachtschrank sah ich dann Derek sein Handy klingeln. Ich rollte mich auf die andere Seite und nahm das Handy. Ich ging zum Bad und klopfte, doch ich bekam keine Antwort. Ich öffnete die Tür und ging in den Raum.
"Derek dei-." Ich stoppte als ich ihn nackt vor mir sah. Ich versuchte in Derek seine Augen zu schauen, doch das gelang mir nicht sonderlich gut.
Er schnappte sich schnell ein Handtuch und band es sich um.
"Was gibt es?" Fragte Derek und kam auf mich zu. Ich blinzelte ein paar Mal und schüttelte kurz meinen Kopf um wieder klare Gedanken fassen zu können.
"Dein Handy hatte geklingelt." Stammelte ich dann vor mich hin. Ich drückte es ihm in die Hand und verschwand aus dem Raum. Ich ging zum anderen Schlafzimmer. Ohne zu klopfen öffnete ich die Tür. Mark zuckte schnell von meiner Schwester weg. Beide sahen mich geschockt an.
"Euer Ernst?!" Rief ich geschockt und knallte die Tür wieder zu. Ich ging zurück in Derek sein Zimmer und ließ mich aufs Bett fallen. Mein Gesicht vergrub ich im Kopfkissen.
Was ist denn hier los? Sie sind unsere Ärzte. Auch wenn sie uns geholfen haben. Sie werden doch froh sein, wenn sie uns los sind. Amanda darf sich nicht zu sehr auf Mark einlassen. Und ich mich nicht auf Derek. Obwohl es mir vorhin echt schwerfiel, die Augen von seinem Körper zu nehmen. Dieser Körper. Diese Muskeln. Dieser- Nein Alexis, hör auf so zu denken. Wenigstens eine muss ja hier klar denken.
"Alexis? Können wir reden?" Fragte Amanda und setzte sich neben mich. Ich brummte kurz zur Zustimmung und drehte meinen Kopf zu ihr.
"Das eben mit Mark. Ich weiß nicht was das war." Sagte sie leise.
"Ihr habt euch geküsst." Meinte ich.
"Nein haben wir nicht. Er wollte mich küssen und das Verlangen war bei mir auch da aber es ist nichts passiert." Erzählte meine Schwester.
"Aber nur weil ich reingekommen bin." Seufzte ich und drehte mich auf die Seite. Amanda sagte nichts. Sie sah auf ihre Hände.
"Ich habe Derek nackt gesehen." Platzte es dann aus mir raus. Amanda ihr Blick schnellte hoch und sie sah mich überrascht an.
"Nicht so, wie du es jetzt denkst. Ich bin ins Bad, weil sein Handy geklingelt hatte. Er war duschen und dann stand er da plötzlich. Nackt." Erzählte ich. Amanda fing an mit lachen. Ich sah peinlich berührt weg.
"Mädels? Kommt ihr mal bitte. Wir müssen was mit euch besprechen." Mischte sich Mark ein. Amanda hörte auf mit lachen und nickte dann. Wir folgten ihm.
DU LIEST GERADE
The Twins
AdventureWie weit muss man gehen, um endlich frei sein zu können? Wie weit muss man gehen, um endlich ein normales Leben zu führen? Wie weit muss man gehen, um endlich lieben zu können?
