Part 6

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Amanda's Sicht

Ich hatte mich irgendwann in den Schlaf geweint. In der Nacht war ich mehrmals wach. Ich hatte einen Alptraum nach dem anderen. Die Geräusche, die von draußen wahrzunehmen waren, halfen dabei nicht wirklich.

Dadurch war ich auch schon seit um 5 wach. Bei jedem noch so kleinen Geräusch, zuckte ich zusammen. Ich hatte so eine Angst.
Angst, entdeckt zu werde. Angst, kein normales Leben mehr führen zu können. Angst, sich immer verstecken zu müssen. Angst, meine Schwester zu verlieren. Ich hatte einfach Angst, vor allem.

"Hey, du bist ja schon wach." Murmelte Alexis ihre verschlafene Stimme.

Ich sah zu ihr und nickte leicht. Sie bemerkte das es mir nicht gut ging und kam zu mir herüber. Sie ließ sich neben mich plumpsen und nahm mich wieder in den Arm.

"Es wird alles gut. Wir schaffen das." Versuchte sie mich aufzumuntern.

"Was wenn nicht?" Fragte ich leise.

"Wir denken positiv Amanda." Flüsterte Alexis und strich über meinen Rücken.

Wir blieben eine Weile so sitzen. Niemand von uns sagte ein Wort. Nur der Wind draußen war zu hören. Ich starrte Löcher in die Luft. So viele Gedanken schwirrten in meinem Kopf rum. Die meisten davon waren negativ.

"Ich schau mal, ob ich etwas zu essen finde. Dann müssen wir unsere Konserven nicht schon aufbrauchen." Brach Alexis nach einiger Zeit die Stille.

"Du willst mich alleine hierlassen? Was ist, wenn dich jemand findet? Oder wenn mich hier drinnen jemand findet." Fragte ich. Meine Stimme klang leicht panisch.

"Hey. Hier wird uns keiner finden. Ich verspreche es dir." Alexis lächelte mich aufmunternd an.

Sie stand auf und zog sich ihre Jacke über. Die Sachen aus ihrem Rucksack packte Alexis aus und schulterte diesen dann.

"Ich bin bald wieder da." Lächelte sie und verschwand aus der Höhle.

Ich starrte längere Zeit auf den Eingang. Bis mein knurrender Magen die Stille brach. Ich kramte in meinem Rucksack rum und nahm mir etwas zu essen heraus.

Danach fiel mir auf, dass wir nicht viel zu trinken dabei hatten. Ich sah mich in der Höhle um. Dabei suchte ich nach Materialien, aus denen man einen Regenfänger machen könnte.

Nach einiger Zeit fand ich ein paar Materialien innerhalb aber auch außerhalb der Höhle. Ich stellte ihn neben der Höhle auf, jedoch so, dass er nicht zu auffällig war und uns somit nicht verrät.

In der Höhle wieder angekommen setzte ich mich hinter einen Felsvorsprung. Sollte jemand in die Höhle kommen, würde dieser jemand mich nicht sofort sehen.

Jedoch bemerkte ich nach kurzer Zeit, dass dort jede Menge Spinnen und andere Insekten rumkrabbelten. Also verließ ich das Versteck und verkroch mich in meinen Schlafsack.

Wieder schwirrten viele verschiedene Gedanken in meinem Kopf rum. Was ist mit Tante Megan? Wird sie uns verraten? Werden sie ihr weh tun? Kommt sie je wieder frei?

Es ist nur meine Schuld. Nur weil ich den Schlüssel vergessen habe. Ich war zu tollpatschig und zu unvorsichtig. Ich habe mich so sicher gefühlt. Ich dachte es würde niemals rauskommen. Doch nun ist es zu spät. Es wird nie wieder so, wie es vorher war. Die ganze Stadt wird hinter uns her sein. Wir können niemandem mehr vertrauen. Wie auch? Sie werden uns hassen. Alle.

"Ich bin wieder da." Holte mich die Stimme von Alexis aus meinen Gedanken.

Ich sah, noch etwas gedankenverloren, zu ihr und setzte mich auf. Sie kam zu mir und setzte sich gegenüber von mir hin. Alexis lächelte mich an und öffnete ihren Rucksack.

"Ich konnte ein paar Sachen im Wald finden. Dann war ich noch in ein paar Gärten, welche sich außerhalb des Waldes befinden." Erzählte sie mir stolz und gab mir einen Apfel.

"Und dich hat keiner gesehen?" Hakte ich nach. Dabei fing ich an den Apfel zu essen.

"Nein. Ich war vorsichtig." Sagte Alexis.

"Möchtest du nichts essen?" Fragte ich und aß weiter.

"Nein, ich habe unterwegs schon gegessen." Lächelte sie und trank einen Schluck aus ihrer, fast leeren, Flasche.

Ich erzählte ihr, was ich den ganzen Tag über gemacht hatte. Alexis hörte mir aufmerksam zu. Und für eine kurze Weile, vergaß ich unsere Probleme und Sorgen. Wir zwei werden es schaffen. So wie Alexis es gesagt hat. Egal wie schwer der Weg werden wird. Wir halten zusammen. Nichts und niemand kann uns etwas anhaben.
Denn wir, sind Zwillinge.

The TwinsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt