"Hübsch," murmelte Mark, um die unangenehme Stille zu durchbrechen. Und sei es auch nur für den Moment.
Zweifelnd musterte er das großzügige Himmelbett in der Mitte des fliederfarben gestrichenen Zimmers. Es war so breit, dass mühelos drei Leute hineingepasst hätten. Wenn nicht sogar vier.
Derzeit lag jedoch nur das sturzbetrunkene Freudenmädchen in den lila Kissen.
Gemeinsam mit Larissa hatte er sie hergebracht. Sie hieß Xantje. Zumindest hatte Larissa sie so genannt als Mark sie um Hilfe gebeten hatte. Ob das ihr wirklicher Name war oder nur ein Pseudonym, wusste er nicht.
Für viel mehr als das Bett und eine schmale Kommode bot der kleine Raum keinen Platz.
Dafür hatte man durch die großen Fenster im Westen einen guten Blick auf die Dächer der Stadt und die karge Landschaft die dahinter begann. Es hieß, dass dort früher einmal Wald gewachsen war. Inzwischen gab es jedoch nichts als Steine, Staub und einige zähe Sträucher.
Larissa zog die Decke zurecht, die Xantje mehr schlecht als recht über sich gelegt hatte.
"Könntest du bitte deine Schuhe ausziehen? Ich habe keinen Bock, dass mein Raum hinterher nach Kotze stinkt," sagte sie leise, ohne aufzusehen.
Als sie fertig war, hob sie langsam dem Kopf und musterte seine nur mäßig trockene Kleidung.
Mark machte sich innerlich schon darauf gefasst, dass sie ihn bitten würden auch das auszuziehen.
Tat sie aber nicht.
Stattdessen reichte sie ihm wortlos eine Handvoll Taschentücher, mit deren Hilfe er seine Füße säubern sollte.
Als seine nackten Sohlen das Parkett berührten, registrierte er überrascht, dass es sich ungewöhnlich warm anfühlte.
"Ist der Boden geheizt?"
"Das -" sie seufzte, "... das muss er. Wenn man ... also bei gewissen Dingen ... ist das von Vorteil."
Larissa atmete aus und ging zu der schmalen Kommode an der Wand. Dort öffnete sie eine der Schubladen und holte Feuerzeug und Zigaretten hervor.
"Du rauchst?" fragte Mark, ehe ihm bewusst wurde, dass diese Frage möglicherweise nicht unbedingt die klügste war.
"Ja," gab sie provokativ zurück. "Was dagegen?"
Er schwieg.
Xantje murmelte irgendetwas unverständliches in ihre Kissen.
Eigentlich hatte er sehr wohl etwas dagegen. Sowas war einfach nur dumm.
Aber er wollte Larissa nicht unnötig verärgern.
Immerhin hatte sie ihre Entscheidung, nicht mit ihm zu reden, noch einmal überdacht. Zumindest hoffte er das.
Larissa stellte sich ans Fenster und bließ grauweiße Rauchfäden über die Dächer der Stadt.
Von hier oben hatte man tatsächlich eine fantastische Aussicht.
Und niemand musste Angst vor ungebetenen Blicken haben, weil die umliegenden Häuser alle kleiner waren. Vielleicht war das der Grund, warum die Preise mit jedem Stockwerk höher wurden.
"Was genau willst du jetzt eigentlich von mir?" fragte Larissa.
Ihr Gesicht schien rötlich im Licht der sterbenden Sonne.
Dennoch wirkte sie ein wenig blass.
Vorhin, als er sie nur flüchtig betrachtet hatte, war ihm das gar nicht aufgefallen.
Dunkle Augenringe malten trotz Schminke gräuliche Schatten unter die bernsteinfarbenen Rehaugen mit den langen schwarzen Wimpern, die ziemlich sicher nicht echt waren.
Sie hatte augenscheinlich auch einen anstrengenden Tag gehabt.
So wie er.
Die Live-Übertragung der Championvorstellung hatte zwar für eine willkommene Arbeitspause gesorgt, aber hinterher hatte man sie nur noch mehr angetrieben, um den dadurch entstandenen Verlust auszugleichen.
Mark hatte das Gefühl jeden Muskel in seinem Körper zu spüren und sein Kopf dröhnte noch immer ein wenig vom Hämmern der Maschinen.
Sehnsüchtig schielte er zum Himmelbett hinüber, in dem Xantje nun seelenruhig schlief.
Die dicke Matratze sah so weich und bequem aus. Am liebsten hätte er sich auch einfach daraufgelegt und geschlafen bis zum nächsten Morgen.
Er seufzte.
Einschlafen und am nächsten Morgen frisch und ausgeruht erwachen, war ein Luxus, den er sich schon lange nicht mehr leisten konnte.
Ebenso wie er die Illusion hatte aufgeben müssen, dass alles wieder gut sein würde, wenn er erwachte. Probleme lösten sich in aller Regel nicht einfach in Luft auf, wenn man sie ignorierte.
Eher im Gegenteil.
Wenn er das wieder glattbügeln wollte, was das Schicksal verbockt hatte, dann musste er sich schon selbst ins Zeug legen.
Er hatte immerhin eine Mission zu erfüllen.
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Im Zeichen des Raben
Science FictionIn ferner Zukunft. Kriege, Klimawandel und Umweltverschmutzung haben ihren Tribut gefordert. Unsere heutige Zivilisation wurde vom Erdboden getilgt. Aus ihren Ruinen sind neue Hochkulturen entstanden. Neue Königreiche regieren nun die Welt. Für viel...
