Einer der beiden Männer erleichterte sich geräuschvoll im vorderen Teil des Raumes, während der andere eine Kabine im hinteren Teil aufsuchte.
Ich betete inständig, dass er nicht allzu genau auf die Anzahl der Füße in den übrigen Kabinen achten möge.
Und tatsächlich, er war anscheinend vollauf damit beschäftigt sich durch den halben Raum hindurch lautstark mit seinem Kollegen am Pissoir zu unterhalten. Oder er ignorierte uns einfach nur gekonnt.
"Die hat doch Haare auf den Zähnen!", grummelte er mit tiefer Bassstimme.
"Nein, das nicht," erwiderte der Typ im Vorraum," aber Sulinai hält tatsächlich nicht so viel davon sich anständig zu rasieren. Ihrer Ansicht nach ist sowas Männersache."
"Na ja, solange sie keinen Damenbart trägt ..."
"Dein Ernst? Als nächstes behauptest du noch, dass es für dich keine Rolle spielt, ob wir gewinnen oder die kack Chamäleons."
"Welche Chamäleons?" murmelte der Kerl einige Kabinen weiter und gab sich keine Mühe zu verbergen, dass er lieber weiter über Sulinai geredet hätte.
Wenn mich nicht alles täusche, schwang ein leichtes Lallen in seiner Stimme mit.
"Oh Mann! Welche Chamäleons? - ehrlich, ich glaub's nicht!" Man konnte förmlich hören, wie der Pissoirtyp die Augen verdrehte. "Die andere Adelsdynastie, was denn sonst, du Vollhorst! Also echt, meine Sonnencreme leih ich dir save nicht mehr."
"Kann ich ja nicht wissen. Sag doch gleich, dass du unsere Konkurrenz meinst."
"Konkurrenz? Welche Konkurrenz denn? Hast du schon mal den Champion von denen gesehen? Offensichtlich nicht.
So wie ich dich kenne, warst du vermutlich viel zu sehr damit beschäftigt die olle Tusse von den Rabenkindern anzustarren. Sonst wüsstest du nämlich, dass die Chamäleons ganz sicher keine Gefahr für uns darstellen. Die kannst du grad in die Tonne kippen. Ebenso wie die Raben."
Ich spürte, wie Rabenklaue sich bei diesen Worten unwillkürlich hinter mir versteifte und hoffte inständig, dass er jetzt keine unüberlegte Aktion startete.
"Aber vor den Eulen würde ich mich echt in Acht nehmen," fuhr der Pissoirtyp im Brustton der Überzeugung fort und der Kabinenkerl murmelte irgendetwas unverständliches.
"Ansonsten scheinen die meisten anderen aber relativ machbar für unseren Champion. Aber weiß man ja nie.
Übrigens, wenn wir schon gerade dabei sind, hast du eigentlich schon das von den Wölfen gehört?"
"Keine Ahnung," murmelte der Typ in der Kabine eher mäßig interessiert. "Worum geht es denn?"
"Also, ich habe mich mal wieder ein wenig umgehört-"
"Umgehört? So so. Und dabei bist du natürlich ganz zufällig wieder auf eine mega geheime Verschwörungstheorie gestoßen, stimmt's?"
"Ich habe zwar keine Ahnung was du damit andeuten möchtest, aber nur damit das ein für alle Mal klar ist: ich spioniere keines Wegs unschuldigen Zivilisten hinterher, ich höre mich lediglich aufmerksam um. Das ist ein Unterschied.
Außerdem kann ich doch nichts dafür, wenn Leute ihre Geheimnisse einfach so vor aller Ohren herumerzählen."
"Man kann auch weghören."
"Gott, bist du verklemmt. Aber wenn es dich beruhigt, dieses Mal habe ich nicht unauffällig bei anderen Gesprächen mitgehört.
Zumindest nicht was das angeht.
Im Gegenteil." Er machte eine bedeutungsschwangere Pause. "Jemand hat mir gesteckt, dass der Champion von den Wölfen in Wirklichkeit gar nicht krank ist. Der wahre Grund für seine Abwesenheit bei der Afterparty ist, dass er sich geweigert hat mitzukommen."
Für einige Augenblicke herrschte Stille.
"Als ob die Wolfskinder das durchgehen lassen würden," sprach der Typ ein paar Kabinen weiter schließlich aus, was auch ich dachte.
"Es heißt, dass er seine Thronanwärterin angegriffen hat, als sie versuchte ihn zu holen."
Okay. Der Pissoir-Typ schien von der ganzen Sache ziemlich überzeugt.
Konnte es sein, dass er Recht hatte?
Ich hätte zugerne gewusst was Rabenklaue dazu zu sagte.
Ja, ich spielte sogar kurzzeitig mit dem Gedanken mich umzudrehen und ihm einen fragenden Blick zuzuwerfen.
Aber schlussendlich traute ich mich doch nicht. Außerdem sollte Rabenklaue nicht denken, dass mir seine Meinung in irgendeiner Hinsicht wichtig war.
Eines war jedoch klar: wenn ich mich einfach weigern würde zur Afterparty zu erscheinen, würden die Rabenkinder mir das nie im Leben erlauben. Da hätte ich Zicken machen können so viel ich wollte.
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Im Zeichen des Raben
Fiksi IlmiahIn ferner Zukunft. Kriege, Klimawandel und Umweltverschmutzung haben ihren Tribut gefordert. Unsere heutige Zivilisation wurde vom Erdboden getilgt. Aus ihren Ruinen sind neue Hochkulturen entstanden. Neue Königreiche regieren nun die Welt. Für viel...
