Es war später Nachmittag. Schwere, gräulich-blaue Regenwolken verdunkelten den Himmel über der Stadt und tauchten die Gassen in tristes Zwielicht.
Zaarah rümpfte die Nase. Sie mochte dieses Wetter nicht. Dabei hatte sie eigentlich gar nichts gegen Regen, im Gegenteil. Aber wenn die Sonne die Gassen hinterher zu stark aufheizte, was um diese Jahreszeit durchaus schon der Fall sein konnte, dann würden die zu beiden Seiten des Weges hoch aufgetürmten Müllberge schlimmer stinken als die Pest.
Es sei denn, die Regierung würde sich endlich mal wieder dazu bequemen ein paar Müllwagen vorbei zu schicken. Doch bis dahin konnte man lange warten.
Sie reckte den Hals, spähte suchend die Straße entlang und musterte eiligen Schrittes die unzähligen Passanten.
Die ganze Stadt hatte strikte Anweisung der Live-Übertragung der Championvorstellung beizuwohnen. Wer das Geld für einen eigenen Fernseher nicht aufbringen konnte, musste zu einem der Gemeinschaftsfernseher.
Was bei so ziemlich allen Bewohnern des Bezirks 7055 der Fall war.
Folglich musste er hier irgendwo sein.
Mark versuchte sich zwischen einem älteren Ehepaar hindurchzuzwängen.
"Hi!"
Zaarah beschleunigte ihren Schritt. Es war nicht leicht gewesen ihn in diesem Gedränge überhaupt zu finden.
"He, Mark, ich rede mit dir!"
Sie packte ihn an der Schulter.
Überrascht fuhr Mark herum.
"Zaarah?" Sein Gesicht nahm einen hoffnungsvollen Ausdruck an, als er sie erkannte.
"Was machst du denn hier? Ich dachte du musst zum Publicviewing zwei Blocks weiter."
"Ja, theoretisch schon. Praktisch fällt es aber nicht auf, wenn ich hier bin. Zumindest nicht laut meinen Informationen. Die kontrollieren nur deine Anwesenheit, wo du bist müsste eigentlich egal sein."
"Du hast meine Frage noch nicht beantwortet. Warum bist du hier?
Geht es um unseren Plan?"
"Welchen Plan?"
"Na den, Mia zu befreien! Welchen sonst."
Sein Gesicht nahm wieder diesen verbissenen Ausdruck an, der ihn irgendwie unheimlich aussehen ließ.
"Sag bloß, du hast es vergessen," murmelte er zwischen den Zähnen hindurch.
"Oh... ähm... nein, habe ich nicht," murmelte sie wenig überzeugend zurück.
"Es geht um was anderes."
"Und was?"
Mark verschränkte die Arme vor der Brust und begann eine herumliegende Blechdose vor sich her zu kicken.
"Später."
Sie blickte sich unauffällig um.
"Wie, äh, läuft es eigentlich so bei der Arbeit?" schob sie hastig hinterher.
Mark starrte weiterhin wie gebannt auf die Blechdose, die scheppernd über das schmutzige Pflaster rollte. Er versetzte ihr einen abschließenden Tritt. Sie flog in hohem Bogen davon und verfehlte nur um Haaresbreite eine junge Mutter, die ihr schreiendes Kind auf den Armen trug. Mark schien es noch nicht einmal zu bemerken.
"Wie sollte es schon laufen?" Er zuckte betont gleichgültig mit den Schultern. "Wir mussten die Arbeit heute notgedrungen für ein paar Stunden unterbrechen. Wegen der Live-Übertragung, du weißt schon. Dabei sollen die Maschinen eigentlich durchlaufen. Der Chef war wiedermal ganz schön sauer. Das Übliche eben."
Sie beugte sich ein klein wenig vor und wisperte: "Wenn ich dir gleich während der Übertragung ein Zeichen gebe, dann folgst du mir. Aber unauffällig, verstanden?"
Er nickte missmutig. „Habe ich eine Wahl?"
* * *
Es schüttete in Strömen. Doch das hielt Zaarah nicht davon ab einmal quer durch den Regen über die Straße zu spazieren. Fluchend setzte Mark ihr nach.
Als er endlich das schützende Verdeck auf der gegenüberliegenden Seite erreicht hatte, schüttelte er sich wie ein Hund. Die wenigen Meter hatten ausgereicht, um ihn bis auf die Knochen zu durchweichen.
Zaarah verschränkte die Arme vor der Brust und betrachtete ihn belustigt. Ihr schien der Regen nicht das Geringste auszumachen.
Er warf ihr einen säuerlichen Blick zu.
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Im Zeichen des Raben
Fiksi IlmiahIn ferner Zukunft. Kriege, Klimawandel und Umweltverschmutzung haben ihren Tribut gefordert. Unsere heutige Zivilisation wurde vom Erdboden getilgt. Aus ihren Ruinen sind neue Hochkulturen entstanden. Neue Königreiche regieren nun die Welt. Für viel...
