XVIII.
(30.01.2014)
Obwohl wir uns gleich am nächsten Morgen zur Quelle des Riverleven aufmachen wollten, wurden wir einen ganzen Tag daran gehindert.
Schottland schien etwas dagegen zu haben das wir das letzte Glied in der Kette fanden, denn das Land schickte prasselnden Regen vom Himmel. Das Wetter war so schneidend und stark, das man keine 10 Meter sehen konnte, es war als würde jemand Eimer voller Wasser über das Land kippen.
Am darauffolgenden Morgen ließ der Regen nach und verschwand gegen Mittag endlich vollkommen. Obwohl der Himmel noch grau und verhangen war, machten Alasdair und ich uns auf, um die Quelle des Riverleven zu finden.
Weil ich wusste wie viel Angst Al vor dem Auto hatte, beschloss ich im Stillen die Quelle zu Fuß zu finden und so liefen wir erst in Richtung Glencoes Stadtkern und dann viel weiter drüber hinaus.
Hier hinten veränderte sich die Landschaft ein wenig, wurde rauer und schwieriger zu erklimmen, Alasdair half mir mehr als nur einmal über irgendwelche Felsen zu klettern.
„Wie weit noch?“ keuchte ich schwer atmend und stützte mich auf meine Knie. Al schien hier genau in seinem Element zu sein, denn er sah sich suchend am Horizont um.
„Noch ein wenig, der Riverleven hat hier seine Ausläufe, aber wo genau die Quelle ist kann ich nicht genau sagen.“
„Wie bitte? Wir wissen nicht mal … wie viele Arme hat er?“ entfuhr es mir herrisch keuchend, das durfte doch nicht wahr sein!
Alasdair runzelte die Stirn und zuckte mit den Schultern, „An die sechzig sind es mit Sicherheit.“
Ich starrte ihn fassungslos an. Sechzig? SECHZIG? Wie sollten wir die Quelle finden? Wir hatten schon so nicht mehr viel Zeit!
„Ist das dein Ernst?“
Jetzt grinste er. Gott, ich würde diesen Kerl bei der nächsten Gelegenheit erschlagen und heim nach Manchester fahren!
Obwohl ich es nicht erwartet hatte, befand Alasdair schließlich eine Stelle für passend. Aus einem Felsen plätscherte ein winziges Bächlein. Wo es her kam konnte keiner sagen, aber es bestand zumindest die Möglichkeit dass es die besagte Quelle war.
Wir ließen unser schmales Gepäck am Ufer und noch ehe ich etwas tun konnte, zog er sich die Stiefel aus und krempelte seinen Kilt ein wenig höher.
Auffordernd sah er mich an. „Na komm schon!“
„Ich gehe nicht .. nein, ich werde nicht in dieses Eiswasser da gehen! Ich bin doch nicht wahnsinnig!“ platzte es regelrecht aus mir heraus, man musste mir die Empörung wirklich angesehen haben, denn er lachte.
„Dann halt die Karte hier“ er drückte mir besagte Karte in die Hand und beugte sich dann vorn über, um in dem Knöcheltiefen Wasser mit den Händen den Sand zu durchforsten.
Ich für meinen Teil beobachtete ihn dabei, auch wenn ich zugeben musste dass meine Gedanken schnell abdrifteten.
In genau 11 Tagen würden die englischen Regierungstruppen in Alasdairs Dorf einkehren und nach ein paar weiteren Tagen seine Familie vernichten. Nur 11 Tage, das klang zwar erschreckend viel, aber das war es nicht. Im Grunde genommen war es schon längst viel zu wenig.
„.. du, Jean?“
„Mhm, was?!“ schreckte ich aus meinen wirren Gedanken und sah mich suchend um. Alasdair stand immer noch im Wasser, er schüttelte den Kopf. „Ich glaube nicht dass wir hier richtig sind. Aus dem Felsen kommt Luft, das ist keine Quelle sondern ein Verlauf.“
Damit trat er aus dem Wasser und schüttelte sich einmal. Ein paar Tropfen hatten sich in seinen Haaren verfangen, sie funkelten und glitzerten in dem hellen Tageslicht.
„Dann müssen wir weiter suchen..?“
„Ja, müssen wir.“
Während wir dem Verlauf des winzigen Bächleins Richtung Osten folgten, klarte es immer mehr auf und schließlich kam auch die Sonne hinter den Wolken hervor.
Ich war müde und erschöpft, solche Märsche nun mal überhaupt nicht gewohnt – anderseits würde ich es mir auf keinen Fall erlauben das Alasdair zu zeigen.
Ein paar Kilometer weiter stießen wir dann auf eine flache Ebene und auf dieser schien tatsächlich die Quelle des Riverleven zu liegen, denn zwischen all den Pflanzen schlängelte sich mit einem Mal ein kräftiger Bach durch die Wiesen. Er war an der breitesten Stelle vielleicht einen Meter breit, wie tief konnte ich nicht sagen.
„Das ist es, hab ich Recht?“
„Ich gehe davon aus, ja“ bestätigte mir Alasdair und war schon auf dem Weg nach unten. Ich folgte ihm schnell, warf meinen Rucksack auf die erste trockene Stelle die ich fand und folgte ihm zum Ufer.
„Es ist irgendwo im Wasser“ murmelte er vor sich hin und betrachtete das Ufer, ehe er einfach hinein marschierte. Weil es hier wohl keine natürlichen Grenzen gab, konnte sich das Flussbett beliebig ausweiten, das Wasser ging ihm immerhin bis über die Knie. Sein Kilt war unten aufgrund der Nässe schon beinahe schwarz verfärbt.
„Komm mal her, hilf mir mal“ orderte er an, während er konzentriert auf die Wasseroberfläche sah. Ich kniff die Augen zusammen und suchte einen möglichst eleganten Weg um nicht in das eiskalte Wasser zu müssen.
Aus den Augenwinkeln sah ich sein Grinsen. „Jeeeaaan“ nörgelte er ungeduldig und ich tat das einzige was mir einfiel – ich suchte mir Steine als kleinen Weg über das Wasser.
Es gab tatsächlich ein paar geeignete, nicht gerade vertrauenswürdig, aber es ging schon – ich kam zumindest bis auf einen knappen Meter an ihn heran.
Alasdair streckte sich und warf mir dann seinen Sporran entgegen, den ich widererwartend gut auffing. „Schön aufpassen, der ist ne Menge Wert.“
Und das in hundertfacher Ausführung, denn genau in diesem Säckchen aus Fell, Leder und Metall befanden sich all die kleinen Lösungen der Rätsel die wir gefunden hatten. Der Spiegel nun nicht, aber der Rest war alles dabei.
Alasdair streckte sich noch einmal, dann tauchte er todesmutig die Arme ins Wasser und begann den Boden mit den Händen zu durchforsten. Manches Mal verzog er das Gesicht, aber im Grunde schlug er sich wirklich tapfer.
Während ich da also so stand, das Säckchen an mich gerafft, durchsuchte Al das Flussbett nach allem Möglichen.
„Du Al?“ platzte es schließlich irgendwann aus mir heraus, eine Frage die mir schon seit Minuten auf der Zunge lag.
„Ja?“
„Hast du eigentlich … weißt du .. also weißt du schon wie du das ganze verhindern willst- also vorausgesetzt wir schaffen es tatsächlich rechtzeitig?“
Er warf mir einen undefinierbaren Blick zu, steckte immer noch halb im Wasser.
„Nein, ehrlich gesagt weiß ich das noch nicht. Ich kann mich ja auch schlecht allein gegen diese Hurensöhne stellen. Was weißt du darüber, Jean?“
Ja, was wusste ich darüber? Nicht viel. Eigentlich gar nichts, es war ja nie von Bedeutung gewesen. Dass es jetzt mein Leben beeinflusste war irgendwie ziemlich makaber.
„Nicht viel.. es stand ja auch nur in diesem Fly.. in diesem Brief. Laut dem werden sich die Regierungstruppen in eurem Dorf einnisten und euch dann mitten in der Nacht angreifen.. ich weiß nicht mehr, Al. Wirklich nicht.“
Er nickte, schwieg aber einen Moment. Dann plötzlich stöhnte er grollend auf und warf mir einen strengen Blick zu, „Jean! Herrgott, so geht das nicht, du musst mir jetzt helfen, ich krieg das hier nicht alleine hin!“
„Aber“
„Jean.“
Mich beeilend warf ich das Säckchen aufs Festland und raffte meinen langen Rock nach oben. Vorsichtig versuchte ich in die Hocke zu gehen und erst das eine Bein ins Wasser zu stecken, aber wie immer kam es anders als gedacht.
Ich rutschte auf dem glatten Gestein aus, spürte einen scharfen Schmerz an der Wade und schon schloss sich die Wasseroberfläche über meinem Kopf.
Als ich prustend wieder auftauchte, lachte Alasdair aus vollem Halse. Er hielt sich den Bauch, kleine Tränchen kullerten über seine Wangen, seine Stimme hörte man sicherlich noch zehn Kilometer weiter.
„Du .. du .. du“ begann er jedes Mal, wurde aber von sich selbst unterbrochen. Keuchend schnappte ich nach Luft und fuhr in die Höhe, alles an mir – wirklich alles – war klatschnass, meine Haare hingen mir tropfend am Kopf und der eisige Wind verursachte eine fürchterliche Gänsehaut.
Mit Tränen des Zorns in den Augen schloss ich sie und riss sie schließlich wieder auf, um Alasdair bitterböse anzusehen. „Das ist deine schuld!“
„Wie immer“ grinste er vergnügt und zuckte mit den Schultern, „Wo du jetzt einmal nass bist, kannst du mir auch helfen.“
Empört über so viel .. so viel .. Unverschämtheit plusterte ich die Backen auf und stemmte die Hände in die Hüfte. „Ich friere mich hier tot!“
Erneut zuckte er mit den Schultern, „Ich bin auch nass, Jean. Ich kann dir nichts geben.“
„Doch“ zickte ich ihn an und funkelte noch böser, „Du hättest mich wenigstens in den Arm nehmen können, nein du lachst mich nur aus! So was macht man nicht wenn .. na ja, so was macht man eben nicht!“
Sein Grinsen wurde noch breiter und als hätte mich der Teufel geritten, raffte ich meinen Rock und stürmte auf ihn zu. Damit hatte er wohl nicht im Geringsten gerechnet, denn der Überraschungsmoment war auf meiner Seite – ich schupste ihn einfach um und er landete genauso elegant wie ich unter Wasser.
Mit dem Unterschied das Alasdair noch weit aus lächerlicher aussah, als er auftauchte. Das Lederbändchen das seine Haare hielt hatte sich gelöst und nun hingen sie an ihm wie tausend Schlangen. Er sah aus wie ein Pudel, ein blonder Pudel, ein ziemlich bösschauender blonder Pudel.
„Das hast du jetzt nicht gemacht.“, knurrte es zwischen seinen Lippen hervor, ich begegnete einem Blick der wohl schon so einigen das Fürchten gelernt hatte. Mich amüsierte er, wusste ich doch, dass er mir nie wehtun würde.
„Ich kann dir nichts geben“ flötete ich, nun wieder gut gelaunt und lächelte zuckersüß, „Ich bin ja auch nass.“
So schnell wie er mich gepackt hatte, konnte ich gar nicht gucken. Seine Hände lagen um meine Hüfte, er hatte mich hoch gehoben und obwohl ich wie verrückt zappelte, ließ er mich nicht los.
„Al!“ schrie ich halb lachend, halb wütend und versuchte seine Finger zu lösen, aber sie waren zu fest und wohl auch zu kräftig.
„Was? Mhm? Was? Ich sollte dich hier so lange eintauchen bis du endlich Manieren hast!“ Eine eiskalte Gänsehaut kroch mir über den Rücken und ehe ich mir auf die Zunge beißen konnte, rutschte zwischen meinen Lippen ein Satz heraus, der Alasdair wohl ziemlich aufstieß, denn sein Griff lockerte sich.
„Oder mir den Hintern versohlen..“ flüsterte ich mit rauer Stimme, hätte sie selbst wahrscheinlich nicht mal wieder erkannt.
Er schluckte, ich spürte es an meinem Hals. „Oder das.“
Seufzend lehnte ich mich an ihn und musste plötzlich lächeln. Ich würde die Welt dafür geben ihn für immer bei mir behalten zu können.
„Wir sollten weiter suchen..“
„Ja, sollten wir wohl.“
Es war eine einfache Glasflasche, die ich irgendwann aus dem schlammigen Sandboden zog und gegen das Sonnenlicht hielt.
Sie war dreckig und zerkratzt, der Korken sah aus als hätte ihn jemand angeknabbert und trotzdem war ich mir ziemlich sicher genau das richtige in der Hand zu haben.
„Was ist das?“
„Des Rätsels Lösung“ murmelte ich vor mich hin und drehte mich dann zu ihm. „Das ist es.“
Alasdairs skeptische Miene veränderte sich nicht im Geringsten. „Sicher?“
„Sehr sicher.. sie lag im Schlick da unten, ich bin drauf getreten. Lass uns aus dem Wasser rausgehen und schauen was drin ist.“
Er nickte und zusammen wateten wir in Richtung Bachufer. Verrückt, ich war wirklich geradewegs drauf getreten, hatte das kalte Glas unter meinen nackten Zehen gespürt und sofort gewusst dass es das sein musste. Es konnte ja auch nur eine Glasflasche sein, das war der Unterschied von mir selbst zu Alasdair. Während er etwas suchte das er nicht mal beschreiben konnte, hatte ich es bereits gewusst.
Was könnte auch 25 Jahre lang wasserdicht in einer Flussquelle liegen, wenn nicht eine verkorkte Glasflasche?
Wir setzten uns aufs Gras, immer noch tropfend und zitternd. Al ließ es sich zwar nicht anmerken, aber ich wusste dass er genauso sehr fror wie ich.
„Ich hab keine Ahnung wie wir heimkommen wollen ohne uns schrecklich zu erkälten“ seufzte ich und schob meinen klatschnassen Rock zur Seite, ehe ich mir erst einmal den Korken ansah. Das Jahrelange Wasser hatte ihn verformt, er fühlte sich glitschig an.
„Mein Plaid ist trocken, das nimmst du dann.“
„Und du? Was ist mit dir?“ Skeptisch sah ich ihn an, aber Alasdair schmunzelte bloß. „Jetzt mach auf, ich will es wissen!“
Seufzend versuchte ich den Korken mit der Hand rauszubekommen – aber keine Chance. Erst als Alasdair mir ein winziges Messer in die Hand drückte und ich damit den Korken zerpflückte, floppte das letzte Stückchen heraus. Hingegen allen Regeln der Natur war das Flascheninnere noch trocken, ich kippte sie vornüber und versuchte mit dem Zeigefinger nachzuhelfen. Tatsächlich fiel ein winziger Strauß aus 6-vielleicht 7 Gänseblümchen hinaus, ein weiteres Stück Papier hatte sich im Flaschenhals verkeilt.
Ich pfriemelte eine Weile, aber schließlich gelang es mir das vergilbte Papier heraus zu holen.
Feasgair math, Jean.
Ciamar a tha thu? Ich hoffe gut, nicht? Ich wünschte ich könnte das Lächeln auf deinen Lippen sehen, aber für den Moment begnüge ich mich damit es mir vorzustellen.
Nun, was soll ich sagen? Ihr habt es geschafft, alle 8 Rätsel sind gelöst, alle 8 Lösungen der Zeit gefunden. Der Ring für Liebe, das Wachs für Stärke, das Medaillon für Unendlichkeit, die drei heiligen Pflanzen für Leben, der Spiegel für Wahrheit, einen Stein unseres Grabes für Treue, den kleinen Strauß in der Flasche für Anfänge, das Gemälde für Einheitlichkeit.
Ich weiß dass du neugierig bist, aber lass mich dir kurz erklären wie ihr weiter verfahren müsst!
Wie ich dir schon einmal verraten habe, sind es neun Dinge die ihr suchen müsst.
Bei dem letzten kann ich dir nicht helfen, Jean. Es muss das sein, das der Mann der dich von ganzem Herzen liebt, am meisten an dir liebt. Es ist materiell, mehr weiß ich selbst nicht.
Wenn ihr all diese neun Sachen habt, dann fügt sie zu einem zusammen. Sie müssen über offenem Feuer brennen, eine blaue Flamme wird sich entzünden und jedes einzelne Stück für Stück einschmelzen. Formt es zu einer Kugel und legt sie beim ersten Vollmond des Monats unter die Steinbrücke von Upper Carnoch. Wenn der Lichtstrahl des Mondes um Mitternacht auf die Kugel trifft, wirft es Licht zurück und im Zentrum dieses Lichtes ist das Tor in die Vergangenheit. Ich kann dir nicht sagen wann genau dieser Zeitpunkt kommt, ich weiß nur dass es die einzige Chance ist! Um kein Geschehen auf der Welt dürft ihr diesen Zeitpunkt verpassen!
Nun zu meiner geschuldeten Erklärung, den Strauß hat mir Fingal geschenkt, als wir das erste Mal hier gewesen sind. Genau hier haben wir uns zum ersten Mal geliebt, genau hier habe ich gespürt wie stark das alles war. Und noch ist.
Und das Gemälde ist ein Bild von uns beiden, ich weiß dass es heute wesentlich aufwendigere Aufzeichnungen gibt, aber ich habe es immer geliebt.
Und doch zögere keine Sekunde es nicht in die Flammen zu geben! Wenn auch nur eines fehlt, funktioniert es nicht!
Ich wünsche euch alles Glück der Welt, Jean. Ich liebe dich, vergiss das nie, ja? Ich wünsche dir eine gute Reise, mein Kind!
In tiefster, ehrlicher Liebe
Eilidh
Kräftig ausatmend faltete ich den Brief wieder zusammen und angelte das Bild aus der Flasche, es war tatsächlich eine kleine Zeichnung und auf seine alte Art wunderschön. Meine Großmutter saß in einem Stuhl, ihre Züge strahlten und sie war augenscheinlich sehr glücklich. Das rote gelockte Haar war zu einem aufwendigen Haarkranz geflochten, Gänseblümchen steckten darin. Neben ihr stand dann wohl Fingal Galbraith. Er war ein großer Mann mit rabenschwarzem Haar und hellen Augen, seine Züge waren edel und mutig. Er sah sehr gut aus.
„Und?“
„Lies selbst“ meinte ich und gab ihm den Zettel. Während Al las, schweiften meine Gedanken ab und blieben bei dem letzten Schlüssel hängen.
Es muss das sein, das der Mann der dich von ganzem Herzen liebt, am meisten an dir liebt. Es ist materiell, mehr weiß ich selbst nicht.
Mich liebte kein Mann, das war das wesentliche Problem an dieser Sache. Schlecht… sehr schlecht.
„Jean?“
„Mhm?“
„Weißt du .. also .. weißt du was das letzte ist?“
Ich schenkte ihm ein schiefes Lächeln, „Woher denn? Nein, ich ... mich liebt kein Mann, von daher .. ich habe keine Ahnung.“
Al nickte langsam und legte den Brief, sowie den Strauß und das Bild in seinen Sporran. Die Flasche warf er wieder ins Wasser. „Dann .. ja .. am besten wir holen noch den Stein von dem Grab, wie sie es hier beschrieben hat .. oder?“
„Ja“
Den ganzen Weg zurück beschäftigte mich nur eine einzige verdammte Sache – was zum Teufel sollte dieses letzte dumme Rätsel sein? Der einzige Mann der mich liebte war mein Vater, aber das Großmutter das nicht meinte war mir mehr als nur klar. Scheiße!
Wir holten einen kleinen Stein und machten uns dann auf den Weg nach Hause, als wir dort ankamen dämmerte es bereits.
Alasdair zog sich das immer noch feuchte Hemd vom Körper, kaum hatte ich die Haustür geschlossen. Er hatte mir tatsächlich sein trockenes Plaid gegeben, aber auch das konnte nichts gegen den nassen Stoffumschlag meiner Beine tun.
Wohlig seufzend marschierte ich zum Herd und setzte eine Kanne heißes Wasser auf. „Wir sollten aus den Kleidern raus, Alasdair.“
Entgegen seiner sonstigen Gewohnheit nickte er nur schweigend und pfriemelte an seinen ganzen Verschnürungen herum. Es war komisch, also das er so ruhig war.
Al war zwar niemand der den ganzen Tag mit einem Grinsen auf den Lippen und Schnattern auf der Zunge herum lief, aber so ruhig war ebenfalls ungewöhnlich.
Ich seufzte und widmete mich wieder dem kochenden Wasser vor mir, als mein Blick zufällig aus dem Fenster schweifte. Der dunkle Nachthimmel erhob sich wie immer mit abertausenden Sternen über den Bergen Schottlands, viel verstörender war jedoch die hellweiße Kugel die mich dort beinahe hämisch anstrahlte.
Der Mond.
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22 Days;
Ficción históricaSchottland war unglaublich schön, vielleicht nicht für jedes Auge - aber vielleicht war es ja deshalb so schön? Wer wusste das schon. Jean war hier hoch gekommen um Urlaub zu machen und herauszufinden was ihre Großmutter Eilidh an dem rauen Land so...
