10.Kapitel

1.4K 67 12
                                    

Durch ein krachendes Geräusch fuhr ich hoch. Ich musste wohl tatsächlich in dieser unbequemen Position etwas Schlaf bekommen haben. Schritte ließen meinen Blick zu der Tür auf der anderen Wandseite wandern.
Dort stand Sandor. In einem Tanktop.
Ich konnte nicht leugnen, dass er total heiß aussah, da nun seine Muskeln und das breite Kreuz viel mehr zur Geltung kamen, jedoch überrannte mich im selben Moment die Wut und blendete diese Gedanken aus.

»Was soll die Scheiße hier?«, zischte ich und spuckte nach ihm, als er mir näher kam. Prompt erntete ich eine Ohrfeige. Aua.
Die hatte gesessen.
Eingeschüchtert wanderte mein Blick an dem Mann, welcher nun fast nurnoch dreißig Zentimeter von mir entfernt stand hoch.
Ich versuchte es nocheinmal, »Sag schon, du bist doch so einer aus dem Darknet.
Zumindest kennst du mich von da.«

Er verdrehte genervt die Augen.
Keine Antwort reichte manchmal als Antwort. Nicht aber in diesem Fall.
Ich wollte es klar und deutlich von ihm hören.
»SAG ES MIR!«, schrie ich nun hysterisch und kassierte noch eine Ohrfeige. Mein Kopf flog zur Seite und ein unangenehmes Piepsen machte sich innerhalb meines Ohres breit, weshalb ich Sandors tiefe Stimme nur dumpf wahrnahm. »Rachel, du gehst mir ziemlich auf den Sack. Weißt du das? Es hat schon seine Gründe wieso du hier bist.«

Meine Stimme war dünn und brach als ich ihm antwortete, »Wieso? Was habe ich dir oder jemand anderem jemals getan?«, Langsam hob ich meinen Blick und schaute genau in seine stechend grünen Augen. Er zog seine Augenbrauen leicht zusammen. War das Schadenfreude? Oder...sah ich da einen Funken Mitleid? Das bildete ich mir wahrscheinlich nur ein. Wunschdenken.

Er antwortete wieder nicht, was mich abermals zur Weißglut trieb. Ich. Wollte. Antworten.
Als ich jedoch sah, wie er ein Messer aus seinem Hosenbund zog, schoben sich diese Gedanken in den Hintergrund und wurden durch Angst ersetzt.

Was hatte er damit vor?
Ich kann doch nicht nur zum Sterben hierher gekommen sein.

Er setzte das Messer an meinem Hals an und ich sah instinktiv bereits alle schönen Momente meines Lebens vor meinem inneren Auge vorbeiziehen. Und ich bemerkte, dass es mir weniger für mich leid tat zu sterben, sondern eher für May. Ihr Bruder lag im Koma und ihre Beste Freundin wurde entführt.
Sie wird sich auf ewig Vorwürfe machen, mich nicht in dieser Nacht abgeholt zu haben.
Als würde sie nicht schon genug leiden.
Ich hoffte, dass sie die Hoffnung und ihre positive Art nicht verlieren würde.
Und mir tat es leid für meine Mom und Mrs. Hill. Ich hoffte, eine von ihnen würde die Polizei rufen.

Ich kniff die Augen zusammen, stellte mir das beruhigende Gesicht meines Vaters vor und betete, dass es Sandor wenigstens kurz und schmerzlos machen würde. Als ich spürte, wie er die Hand mit dem Messer bewegte, machte ich mich auf einen unglaublichen Schmerz bereit der...nicht kam. Stattdessen nahm ich ein unangenehmes reißen war. Sofort schlug ich die Augen auf. Dieses Arschloch schnitt meine Kleidung auf. Ich versuchte um mich zu treten, um ihn von seinem Vorhaben zu stoppen, jedoch verwehrten mir das die Fesseln. Nun hielt er mir erneut das Messer an den Hals. »Hör auf«.

Was sollte ich auch tun?
Ich hatte keine Möglichkeit ihn abzuwehren.

Schließlich stand ich in meiner roten Spitzenunterwäsche vor ihm. Oh man, wieso habe ich an dem Tag genau diese anziehen müssen. Ich wurde rot, ich fühlte mich entblößt, so als könnte er nun in meine Seele sehen.

Sandor trat näher an mich heran, grinste sein dummes, perfektes Grinsen und strich mit einer Hand über meine Taille.
»Wow, du siehst unglaublich aus«.
Wenn er nun ein „Danke" erwartete, hatte er sich gewaltig geschnitten. Ich spuckte ihn stattdessen nocheinmal an und fauchte:
»Fass mich nicht an!«

Genervt wischte er sich meine Spucke von der Wange. »Rachel. Hör auf damit«, sagte er nun ruhig. So ruhig, dass es mir irgendwie Angst bereitete.
»Was willst du denn von mir?«, winselte ich, wie ein getretener Hund.
»Du hast recht. Ich bin einer aus dem Darknet«, sagte er plötzlich. So plötzlich, dass ich meine Augen erstaunt aufriss. Wieso gab er das aufeinmal zu? Oder blöffte er nur?
»Wer genau bist du? Und was machst du dort?«
»Hör auf so viele Fragen zu stellen, Mädchen. Mach einfach mit.«
»Wobei?« piepste ich.

Sandor ließ von mir ab und lief in eine Ecke des Raumes, wo ich verschiedene Dinge ausmachen konnte. Peitschen, Zangen, Messer, Seile. Scheiße war das irgendein Fetisch Zeugs?
Er kam mit einer Rasierklinge zurück.
Kurz bevor er bei mir ankam, zeigte er einen Daumen nach oben in eine der Kameras.
Was sollte das denn? Wurden wir etwa... beobachtet?

Er lehnte sich leicht vor und flüsterte kaum merklich in mein Ohr, »Das wird jetzt etwas wehtun, aber ich verpreche dir, der Schmerz geht vorüber«. Ich fing an zu zittern. Ich hatte Angst. Hätte ich gewusst, dass er vor hatte, mich zu foltern, hätte ich lieber den schnellen Tod gewählt. Wie konnte ich so eine Person attraktiv finden?

Als Sandor die Rasierklinge an meinem Oberarm ansetzte und sie schließlich an meiner Pulsader entlang, bis zu meinem Handgelenk herunterzog, schrie ich auf.

This Person Does Not ExistWo Geschichten leben. Entdecke jetzt