16.Kapitel

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Mich erfasste plötzlich eine unglaubliche Ruhe.

Kennt ihr das, wenn ihr so krasse Angst verspürt, dass ihr schon wieder seltsam beruhigt seid? Genau so war das.
Oder aber die wahrscheinlich vergiftete Flüssigkeit entfaltete endlich ihre Wirkung.

Langsam fiel mein Blick auf Sandors Hände, welcher nun wieder auf mich zu kam.
Ich konnte etwas langes, dunkles ausmachen.
Ein Brecheisen. Ich blieb jedoch trotzdem ruhig. So kannte ich mich garnicht.
Nicht das Brecheisen in Sandors Hand, sondern meine Reaktion machte mir in dem Moment Angst. Auch als der Schwarzhaarige weit ausholte und ich das Brecheisen auf mich niederdonnern sah, blieb ich seltsam ruhig.

Ich konnte nicht anders, als mich erneut zu fragen, wieviel Bitcoin der Zuschauer, der das hier von Sandor verlangt hatte, gezahlt haben musste. Musste ein ganz guter Preis gewesen sein.

Ich hielt mich die ganze Zeit an Sandors Blick fest, jedoch konnte ich keine Emotionen mehr darin erkennen. Schließlich hörte ich ein unangenehmes Knirschen, als das Brecheisen gegen mein Hüftknochen schlug. Vor Schreck stöhnte ich erschrocken auf.

Ja, ihr habt richtig gehört. Vor Schreck.
Ich spürte keinen Schmerz. Verwundert suchte ich erneut Sandors Blick.
Dieser fokussierte sich jedoch auf den nächsten Schlag. Und auf den Nächsten, und auf den Nächsten. Ich spürte aber nichts.
Ich spielte jedoch mit. Für den Fall, dass das hier nicht geplant war. Jedes mal schrie ich auf, als das kalte Eisen gegen meine Haut traf.
Irgendwann wimmerte ich nur noch,
»Bitte hör auf Sandor. Ich kann nicht mehr.«

Zur Verwunderung meinerseits hörte er tatsächlich auf und warf mir noch einen prüfenden Blick zu, ehe er erneut zu der Kamera lief und wahrscheinlich nach neuen Aufgaben suchte, die er machen sollte. Augenblicklich fragte ich mich, was die Zuschauer wohl alles schrieben. Ich hoffte auf weniger schlimmes. Sandor schien mal wieder meine Gedanken zu lesen. Mein Blick war starr auf den Rücken des Schwarzhaarigen gerichtet, als er anfing zu reden. Am Ton seiner Stimme war ich mir fast schon sicher, dass er gerade dreckig grinsen musste.

»Rachel mit einer Kettensäge den Fuß abschneiden..., Rachel kopfüber aufhängen und immer weiter Wasser in sie einflößen..., Rachel mit Benzin übergießen und verbrennen?«, las er laut vor.
Dann lachte er, »Aber aber... ihr seid heute ja ganz schön mordlustig drauf.«
Sein Kopf drehte sich zu mir.
»Na Rachel, was hört sich am Besten davon an?«
Als ich nicht antwortete, las er ungeniert weiter, »F*ck die Schlampe bis sie blutet..., lass sie verhungern...«
Er schüttelte den Kopf. Dann wandte er sich wieder zu mir und donnerte höhnisch,
»Rachel... da du heute unser Ehrengast bist, lasse ich dich die nächste Aufgabe aussuchen.
Lass dir aber nicht zu viel Zeit.«
Ich überlegte Fieberhaft. Würde ich jetzt nicht selbst etwas aussuchen, würde ich vielleicht sofort sterben angesichts der gestellten Aufgaben. Ich versuchte das kleinste Übel zu wählen und antwortete zögernd, »F... Fick mich.« Wenn ich das Brecheisen kaum gespürt hatte, würde ich dabei auch keine Schmerzen spüren. Da war ich mir sicher. Ich hoffte es zumindest.

Sandor riss seine Augen auf, erstaunt darüber, dass ich tatsächlich einen Wunsch geäußert hatte. Auf einmal schien er nur noch halb so selbstsicher zu wirken. »Gut... wie du meinst.«
Ich schluckte schwer.

Langsam kam er wieder auf mich zu und fing an die Ketten, an denen ich schon seit über einem Monat hing zu lösen, »Wag es ja nicht, zu versuchen wegzulaufen!«, zischte er.
Ich schüttelte kaum merklich den Kopf.
Er war mir körperlich um einiges überlegen.
Noch dazu kam, dass ich in den letzten Wochen durch das wenige Essen um einiges abgenommen hatte, so sehr, dass sogar meine Periode ausblieb. Mein Blick fiel auf die schwere Stahltür, die mich von der Freiheit abschirmte.
Nein... selbst wenn ich wollte, könnte ich mich nicht befreien. Erstmal nicht.

This Person Does Not ExistWo Geschichten leben. Entdecke jetzt