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„Verkleidet ihr euch?", fragte ich die Mädels am Tag von Halloween. „Ist das bei euch üblich?"

Lily öffnete ihr Kleiderschrank. „Die Hälfte verkleidet sich meistens und die andere Hälfte lässt es. Du kannst es also machen, wie du willst."

„Was ist denn mit euch?", erkundigte ich mich.

Alle drei schüttelten ihren Kopf.

„Wunderbar, dann können wir ja los."

„Nein, du musst dich noch umziehen.", meinte Marlene.

Ich runzelte die Stirn und schaute an mir herab. Mein Outfit war nicht ungewöhnlich. Ein schwarzer Rock und ein dunkelroter Strickpulli. „Was stimmt nicht mit meinen Klamotten?"

Sie grinste mich an und zeigte auf Lily, Alice und als letztes auf sich. „Wir tragen alle ein weißes Oberteil. Das ist Tradition."

„Es ist bei euch eine Tradition an Halloween weiß zu tragen?", fragte ich und schüttelte ungläubig den Kopf. „Das ist doch nicht euer Ernst!"

„Aber sicher doch!", stimmte Lily zu. „Weiß ist die Farbe der Unschuld und um nicht von dunklen Geschöpfen heimgesucht zu werden, wird hier bei uns weiß getragen."

„Von dieser Tradition habe ich ja noch nie etwas gehört."

„Ist das nicht egal?", fragte Marlene. „Zieh einfach ein weißes Oberteil an und gut ist!"

Ich lachte auf und zog meinen Pullover wieder aus. „Wenn es euch so wichtig ist." Ich zog ein weißes Shirt an. „So besser?"

„Ist dir darin nicht zu kalt?", wollte Alice wissen.

„Äh..." Ich fuhr mir mit der Hand durch die Haare. „Mir wird nicht so schnell kalt."

„Wenn du dir sicher bist.", meinte Marlene und zuckte mit den Schultern. „Dann lasst uns losgehen."

Die große Halle war wunderschön. Man sah einen bezaubernden klaren Sternenhimmel an der Decke und unzählige Kerzen schwebten in der Luft, was den Raum in dämmriges Licht hüllte.

Alice blieb abrupt stehen.

„Was ist los?", fragte ich und folgt ihrem Blick. Sie starrte einem braunhaarigen Jungen hinterher, den ich noch nie bemerkt hatte. „Wer ist das?"

Marlene fing an zu kichern. „Das ist Frank Longbottom, Hufflepuff und Alice steht auf ihn."

„Was, das tue ich gar nicht!", erwiderte Alice und schüttelte schnell den Kopf, während sich ihre Wangen rot färbten.

„Was ist denn daran schlimm? Sprich ihn doch an.", schlug ich grinsend vor. „Vielleicht nach dem Festessen. Ihr könnet zusammen tanzen!"

„Nein, nein!", stieß Alice aus und ihre Augen wurden ganz groß. „Niemals!"

„Ja, aber wieso nicht?", fragte ich. „Das wäre doch eine super Gelegenheit!"

„Ich kann ihn doch nicht einfach ansprechen!", meinte Alice und schüttelte den Kopf. „Er kennt mich doch gar nicht!"

Ich lachte auf. „Ja, und? Ich kannte euch auch nicht und habe euch einfach angesprochen!"

„Das war doch etwas völlig anderes?"

„Ach und warum?", wollte ich wissen.

„Weil... Ja... Also... Weil...", stammelte Alice.

„Siehst du! Es gibt keinen Grund!" Wir hatten uns mittlerweile hingesetzt und ich blickte Alice ernst an. „Jetzt hör mir mal genau zu: Es gibt keinen Grund, der dich daran hindern könnte, ihn anzusprechen! Er sollte sich unglaublich glücklich schätzen, dass jemand wie du Interesse an ihn hat! Deswegen wirst du ihn später ansprechen!"

„Nein, ich kann das nicht.", murmelte Alice.

„Vergiss es Lina.", meinte Marlene. „Alice ist zu schüchtern. Ich hab schon alles versucht, damit sie etwas lockerer wird!"

„Nur weil du mit jedem dritten Typen aus unserer Stufe rumgemacht hast, muss ich das nicht auch!", warf Alice ihr vor.

„So schüchtern kannst du doch gar nicht sein, wenn du dich traust so etwas zu Marlene zu sagen!", stieß ich lachend aus. Marlene verschränkte beleidigt die Arme vor der Brust. „Und außerdem, Alice, du hast keinen Grund schüchtern zu sein! Du bist super lieb, freundlich, lustig, schlau und zusätzlich siehst du auch noch gut aus! Jeder Typ kann sich glücklich schätzen, wenn du auch nur einen Hauch von Interesse hast!"

„Das ist doch gar nicht wahr!", murrte Alice, aber lächelte dennoch ein wenig.

Bevor ich Alice mehr Mut zusprechen konnte, wurden wir von den Rumtreibern unterbrochen, die sich neben uns setzten. Sie trugen allesamt weiße Hemden.

„Hey Lily, du siehst umwerfend aus in weiß!", stellte James fest und schaute mit einem sehnsuchtsvollen Blick zu Lily. „Hättest du vielleicht Lust mit mir auszugehen?"

Lily verdrehte die Augen. „Nein, habe ich nicht. Das weißt du auch!"

„Du machst also auch mit bei der Hogwarts-Tradition?", fragte Remus mich und lenkte mich so von Gespräch an.

„Achso, das ist nur in Hogwarts Tradition!", begriff ich. „Das erklärt, warum ich wirklich noch nie etwas davon gehört habe! Aber ja, ich mache auch mit, selbst wenn ich das ein wenig albern finde."

„Das ist es auch.", stimmte Remus mir zu. „Aber das wird hier tatsächlich seit vielen Jahren gemacht. Es wird seit 1910 ungefähr gemacht. Das war zu der Zeit als Newt Scamander hier zur Schule ging."

„Wirklich?", stieß ich aus. „Das ist ja unfassbar. Hatte er was damit zu tun?"

Er zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht, wie das alles angefangen hat. Ich finde es nur sehr schade, dass immer weniger Leute mitmachen. Früher hat es jeder gemacht und jetzt..."

Er hatte recht. Wenn ich mich so umschaute, trugen zwar einige weiß und einige waren tatsächlich kostümiert gekommen, aber doch recht viele trugen einfach irgendetwas. „Bei euch hatte ich ja gedacht, dass ihr ein Kostüm haben werdet."

Remus fing an zu grinsen. Ein verdächtiges Grinsen. „Ach, normalerweise kommen wir auch verkleidet, aber ein weißes Oberteil bildet immer die Basis. "



Eisphönix (Harry Potter - Rumtreiber - FF)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt