„Du bist wahnsinnig!", keuchte Marlene und ließ sich rücklings auf den Boden fallen. Ihr Atem ging schwer, ihr Gesicht war rot und ihre Haare klebten schweißnass an ihrer Stirn.
Ich grinste sie an. „Was ist denn? War doch nur eine kleine Runde!"
„Das war mehr als eine kleine Runde.", erwiderte sie, noch immer nach Luft schnappend. „Du bist vollkommen verrückt!"
„Was ist denn mit euch los?", meldete sich eine neue Stimme zu Wort. James und die anderen Rumtreiber hatten uns entdeckt und waren zu uns gekommen.
Ich zuckte mit den Schultern. „Wir waren nur ein wenig joggen."
„Ein wenig ist gut!", stieß Marlene aus und versuchte sich aufzurichten. „Lina ist gerannt wie eine Irre!"
„Gar nicht wahr!", widersprach ich. ,,Es war gar nicht so schlimm, Marlene übertreibt."
„Ich übertreibe gar nicht!", rief sie. „Du bist vollkommen wahnsinnig! Da würden mir die Jungs zustimmen. Die würden ebenfalls nicht mit dir mithalten können! Nicht ansatzweise!"
„Natürlich würden wir das!", rief Sirius empört.
„Nein, das würdet ihr nicht. Lina würde euch ohne Probleme abhängen!"
„Sicher nicht.", entgegnete James und verschränkte die Arme.
„Ich versichere euch: gegen Lina hättet ihr keine Chance!"
„Das können wir ja überprüfen. Wie wäre es mit einer kleinen Wette?", schlug Sirius vor.
Ich zuckte mit den Schultern. „Wenn ihr unbedingt wollt."
„Sehr gut. Welche Strecke seid ihr gelaufen?"
„Einmal um den See."
„Super. Dann wetten wir, dass wir schneller um den See laufen als du!"
„Haltet mich da schön raus!", warf Remus ein. „Ich bin mir sicher, dass Lina vor mir am Ziel wäre."
„Ja, ich mache da auch nicht mit!", zog Peter mit.
Sirius schaute hoffnungsvoll zu James, der grinsend sagte: „Auf mich kannst du natürlich zählen!"
„Alles andere hätte mich auch überrascht, Krone!", rief er und die beiden klatschten sich in die Hände. „Sagen wir, damit es fair ist, darfst du dich ausruhen. Wie viele Tage brauchst du um den Muskelkater los zu werden?", fügte er an mich gewandt hinzu.
„Ausruhen?", wiederholte ich und hob die Augenbrauen. „Also wir können es machen, wann ihr wollt. Von mir aus auch gleich jetzt, aber wenn es euch wann anders lieber ist, dann ist das auch kein Problem. Ich jogge die Runde sowieso morgen wieder oder auch an einem anderen Tag. Sagt mir nur wann ihr es machen wollt und ich werde da sein."
Überrascht schauten die Jungs mich an und Marlene grinste vergnügt.
„Dann sagen wir morgen um zehn?", schlug Sirius vor.
Ich nickte. „Einverstanden. Um was wetten wir?"
„Das überlassen wir dir. Schließlich musst du wissen, was du bereit bist uns zu geben. Wir werden nicht ohnehin nicht verlieren."
„Wenn ihr meint.", erwiderte ich lachend. „Wie wäre es, wenn der Verlierer ein Geheimnis erzählen muss."
James und Sirius wechselten kurz einen Blick. „Hast du denn überhaupt ein Geheimnis?"
„Mehr als sich irgendjemand wünschen würde.", gab ich grinsend zurück, obwohl ich es innerlich genauso meinte: Ich hätte kein Problem damit, wenn ich weniger Geheimnisse hätte.
„Oho!", rief Sirius und grinste. „Dann bin ich ja sehr gespannt, was du uns morgen erzählen wirst!"
„Sie wird euch gar nichts erzählen müssen!", meinte Marlene. „Sie gewinnt. Daran habe ich nicht den Hauch eines Zweifels!"
„Nur weil du nicht mit ihr mithalten kannst, heißt das nicht, dass wir es nicht können!", erwiderte James.
Ich zuckte mit den Schultern. Ich hatte die Jungs nie joggen oder rennen gesehen. Es war mir also nicht möglich zu beurteilen, ob ich schneller war als sie. Ich war nicht schlecht. Ich machte es jeden Tag, so gesehen war ich gut trainiert, aber selbst, wenn ich verlieren sollte, gäbe es genügend unverfängliche Geheimnisse, die ich ihnen erzählen könnte. Ich musste ja nichts Großes erzählen.
„Wir werden ja sehen, wer recht hat.", meinte Marlene, während ich ihr die Hand reichte, um sie hochzuziehen.
„Hat noch jemand Hunger?", fragte ich in die Runde.
Marlene schüttelte den Kopf. „Nein, ich gehe jetzt erstmal duschen."
Die Jungs hingegen begleiteten mich in die Küche, in der wir schnell von den Hauselfen umzingelt wurden. Auch wenn sie schon dabei waren das Mittagessen vorzubereiten, brachten sie uns alle möglichen Mahlzeiten, die wir mit in dem Gemeinschaftsraum nahmen.
Im Kamin prasselte schon das Feuer. Ich liebte es den Flammen zuzusehen. Ich hatte als Kind stundenlang damit verbracht vor einem Feuer zu sitzen und es anzustarren. Meine Eltern schrien mich jedes Mal an, wenn sie mich dabei erwischten, aber ich tat es trotzdem immer wieder. Paradoxerweise waren sie selbst schuld daran, dass ich mich nicht davor fürchtete, dass sie sauer wurden oder davor, dass ich Ärger kriegen könnte. Ob ihnen das bewusst war, wusste ich nicht und ich hatte auch keine Möglichkeit mehr sie danach zu fragen.
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Eisphönix (Harry Potter - Rumtreiber - FF)
FanfictionEin Mädchen, in dem viele Geheimnisse schlummern. Ein Mädchen, das sich vor der Welt versteckt. Ein Mädchen, das grauenhafte Dinge erlebt hat. Ein Mädchen, in dem die Macht steckt die Welt in Schutt und Asche zu verwandeln. Ein Mädchen, das Angst...
