"Alles begann an dem Tag, als Lessy und Klara ihre Freundschaft mit mir beendeten", begann sie zu erzählen.
"Sie haben angefangen Lügen über mich zu erzählen und sie in der Schule verbreitet. Du musst wissen, dass Lessy sehr beliebt ist, sowohl bei den Jungen als auch bei den Mädchen. Eine Lüge zu verbreiten ist für sie ein Kinderspiel. Jeder würde ihr glauben. Sie hat es immer gemacht und es hat immer funktioniert. Irgendwie hat sie immer ein Mädchen gesucht und sich über sie lustig gemacht. Ich habe damals nichts gesagt und nichts gemacht. Jetzt macht Lessy genau das Gleiche mit mir. Das ist wohl Karma", sagt sie traurig.
Sie hat mir nie erzählt, dass Lessy sich über andere lustig macht. Das ist so gemein, was Lessy macht.
"Nein Serena. Das ist nicht Karma."
"Doch, Zean. Ich hatte Angst, deshalb habe ich nie etwas gegen Lessy gesagt. Ich hätte nie gedacht, dass sie mir das antut."
"Aber warum lässt Lessy dich nicht einfach in Ruhe? Du hast ihr doch nichts getan."
"Anscheinend habe ich die Aufmerksamkeit vieler Leute auf mich gezogen, was Lessy nicht gefallen hat. Da ich mit Lessy befreundet war, habe ich auch viele Leute kennengelernt, unter anderem Noah. Lessy war total in ihn verknallt. Mit Noah habe ich nur einmal gesprochen. Er fand mich anscheinend süß und sympathisch und Lessy hat das gemerkt. Das hat sie anscheinend sehr geärgert. Ein paar Tage nach meinem Gespräch mit Noah hat sich herumgesprochen, dass ich in Noah verliebt bin, was aber nicht stimmte. Das war zu der Zeit, als Lessy und ich noch befreundet waren. Ich habe Lessy erklärt, dass jemand dieses Gerücht über mich erfunden hat und sie hat auch Verständnis gezeigt, aber die Person, die dieses Gerücht erfunden hat, war Lessy. Das habe ich erst kürzlich herausgefunden. Ich hätte nie gedacht, dass sie mir so etwas antun würde.
"Hat sie sich das etwa selbst ausgedacht?", wunderte ich mich.
"Ja, um die Atmosphäre zwischen Noah und mir unangenehm zu machen. Ich mied Noah und wollte nicht mit ihm reden, weil ich an Lessy dachte. Aber es sah so aus, als wäre ich in ihn verknallt, und es war mir peinlich, dass er es wusste. Lessy hat hinter meinem Rücken über mich gelästert und sich über mich lustig gemacht und das nur, damit Noah ein schlechtes Bild von mir hat und sich niemand mit mir anfreundet."
"Lessy ist echt krank!", ärgerte ich mich.
"Und das ist noch nicht alles. Als sie zu mir nach Hause kamen, sagten sie, sie wollten mich umstylen und neue Frisuren ausprobieren, aber in Wirklichkeit wollten sie nur noch mehr Lügen über mich verbreiten. Jetzt sagen sie, dass unser Haus so dreckig ist und mein Zimmer so unordentlich. Und dass ich dich wie Dreck behandle. Ich habe ihnen von meiner Mutter und dir erzählt, weil ich dachte, dass sie meine Freunde sind und ich ihnen vertrauen kann. Aber jetzt denken alle meine Klassenkameraden, dass meine Mutter mich wegen dir verlassen hat und ich dich deswegen hasse."
"Das stimmt nicht. Du hast mich noch nie schlecht behandelt."
"Aber Lessy hat das so erzählt und Klara stimmt ihr zu. Wahrscheinlich freut sich Klara jetzt so, weil Lessy jetzt die meiste Zeit nur mit ihr rumhängt."
"Und das hast du dir die ganzen Wochen schon gefallen lassen?"
"Weißt du, Zean. Eigentlich bin ich froh, dass ich nicht mehr mit ihnen befreundet bin. Ich muss nicht mehr mit ansehen, wie sie andere Menschen erniedrigen. Ich bin zwar allein und einsam, aber wie sagt man so schön? Lieber allein im Regen stehen, als in der Sonne von falschen Freunden umgeben sein".
"Serena, niemand will allein und einsam sein. Es ist nicht schön, glaub mir. Ich spreche aus Erfahrung. Man wird verrückt und depressiv. Warum sagen wir das nicht Vater? Dann kann er dich auf eine andere Schule schicken."
"Nein, Zean. Ich will nicht, dass Vater das erfährt. Er ist schon so gestresst. Ich will ihm nicht auch noch Sorgen bereiten. Es ist nichts Schlimmes, was ich jetzt durchmache. Es ist mir egal, ob Lessy und Klara jetzt falsche Gerüchte über mich verbreiten. Außerdem kommst du ja nächstes Jahr auf meine Schule und dann bin ich nicht mehr allein", lächelte sie.
"Aber bis dahin sind es noch ein paar Monate", sagte ich traurig.
Ich möchte nicht, dass sie einsam und allein ist. Ich möchte, dass sie Spaß und Freude hat.
"Du kannst nicht sagen, dass es nicht schlimm ist. Siehst du denn nicht, was dir heute passiert ist? Du willst doch nicht jeden Tag so nach Hause kommen!"
"Nein, ich..."
"Waren es Lessy und Klara?", unterbrach ich sie.
"Ich weiß es nicht."
"Du weißt es nicht? Wie ist das überhaupt passiert?"
"Es passierte in der Mittagspause. Ich wollte hinter die Turnhalle gehen. Da gehen keine Schüler hin und weil es dort so ruhig ist, bin ich immer hingegangen. Ich habe keine Ahnung, wie es wirklich passiert ist. Als ich die Pausenhalle verließ und ein paar Schritte ging, spürte ich, wie kaltes Wasser von oben auf mich niederprasselte. Als ob ein Eimer Wasser nicht genug gewesen wäre, wurde noch mehr Wasser über mich geschüttet. Ich schaute nach oben und sah ein offenes Fenster. Dann kam der dritte Eimer, der auch über mir ausgeschüttet wurde. Derjenige, der ihn umgekippt hat, war ein Junge, den ich nicht einmal kannte", sagte sie traurig.
Wie können diese Menschen es wagen, meiner Schwester so etwas Schreckliches anzutun! Es macht mich so wütend und traurig zugleich.
Wenn ich jetzt zurückdenke, sage ich mir auch "Warum bist du nicht zur Seite gegangen?" oder "Warum hast du so dumm dagestanden, als du den dritten Eimer durchs Fenster kommen sahst?". Aber in dem Moment konnte ich es einfach nicht. Ich war überrascht und überfordert. Mir gingen tausend Gedanken durch den Kopf und ich war so traurig. Zum Glück war es nach dem dritten Eimer vorbei. Ich hörte nur noch Gelächter und schaute auf den Boden. Ich stand hilflos da. Niemand half mir. Ich wusste selbst nicht, wie ich mir helfen sollte. Ich zitterte am ganzen Körper und fühlte mich so einsam und allein", sagt sie und eine Träne rinnt ihr aus dem Auge, die sie schnell wegwischt.
Aber sie war nicht die Einzige, die weinte. Meine Augen wurden wässrig und das Atmen fiel mir schwer. Meine Nase war verschnupft. Ich legte den Kopf auf den Esstisch.
Ich hatte mich noch nie in meinem Leben so nutzlos gefühlt, und egal, wie viel Schmerz ich schon erlebt hatte, der jetzige war viel schlimmer.
Ich wünschte, ich könnte dir irgendwie helfen, Schwester.
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- aki 🌹
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Seine Schwester-Sein Leben
Teen Fiction"Wie weit würdest du für deine Schwester gehen?" "Bis in den Tod...für eine Schwester wie meine." ========================== Für ihn ist seine Schwester alles, was er braucht. Er tut alles, um sie zu beschützen. Dazu zählt auch das Prügeln mit ander...
