Nach der Schule wartet Viola vor meinem Spanischkurs auf mich und versucht mich zu überreden mein Fußballtraining ausfallen zu lassen um etwas, aus ihrer Sicht „Spaßigeres" zu unternehmen.
Es soll den Zweck haben, dass ich auf andere Gedanken komme und nicht länger über diese blöden Bilder nachdenke, die nun rummkusieren.
„Viola, dass ist gerade mal meine zweite Trainingsstunde, meine Trainerin wird mich rausschmeißen wenn ich nicht auftauche", ich weiß, dass ich etwas übertreibe, aber es ist mir nun mal wichtig als zuverlässig zu gelten.
„Na gut", murmelt Viola, die mich bis zum Sportplatz begleitet hat.
„Wir machen es so", schlage ich aufmunternd vor, „Erst gehe ich zu meinem Training, fahre dann nachhause, um mich umzuziehen und dann gehen wir dahin, wo du willst".
Viola nickt aufmunternd. „Gute Idee. Ich werde mir Gedanken machen", sie umarmt mich noch zum Abschied und blickt mich etwas besorgt an. „Bitte denk nicht zu viel darüber nach, okay?"
Ich lege ein Lächeln auf meine Lippen, um sie zu beruhigen. Dabei weiß ich selbst nicht ganz, ob es so glaubwürdig rüber kommt, wie ich es hoffe.
Schnell bewege ich mich zu den Umkleiden, wo bereits die anderen Mädchen stehen und am Reden sind.
Rasch ziehe ich mich um und komme auf den Platz, wo mir meines Glückes keiner irgendwelche doofen Blicke zuwirft oder es einen Anschein macht, dass jemand über mich redet.
Und so blieb es vorerst auch. Das Training lief reibungslos ab und bewirkte das, worauf ich gehofft hatte.
Meine Gedanken galten nur noch dem Spiel und nicht mehr den Fotos, die gerade durch die Schule gehen oder Jace der.... der einfach Jace ist.
Ich bin froh, dass ich nur mittwochs mit ihm zur selben Zeit Training habe, so dass ich mich in diesem Moment nicht umbewusst von ihm ablenken lasse.
Als das Training endet, baut sich etwas bange in mir auf. Ich hätte gerne noch länger Sport gemacht, da nun meine Gedanken wieder ihren üblichen Lauf aufnehmen würden.
Schnell ziehe ich mich um und nehme den Bus nachhause, wobei ich meine Musik extra laut stelle, so dass mich eine ältere Dame neben mir genervt ansieht.
Das ist mir aber in diesem Moment egal, da die Musik nun lauter als meine Gedanken ist.
Zuhause bin ich froh, dass meine Mom noch nicht da ist und ich auch sonst niemandem über den Weg laufe.
So kann ich mir in Ruhe etwas zu Essen machen und meine Lieblingsserie auf dem Sofa schauen, ohne nervige „Geschwister" um mich herum, die den Anschein haben, das Haus würde ihnen gehören.
Wie versprochen rufe ich danach Viola an, die nur zwanzig Minuten später vor meiner Haustür steht und mir ihren Plan schildert, den sie extra für mich vorbereitet hat.
Als ersten schnappen wir uns unsere Fahrräder und fahren in das nächste Shoppingcenter.
Dort verbrachten wir mehr als zwei Stunden und kamen mit ein, zwei vollen Tüten zurück.
Als unsere Füße dann schon schmerzten, setzten wir uns zu Sally und bestellten ein kalten Eiskaffee, der wie auch sonst, Wunder bewirkte.
„Das ist ja mal so süß", quietscht Viola, woraufhin ich mich nervös umsehe. „Viola sei leise", zische ich.
Ich hatte ihr gerade von der dem Gedpräch mit Jace in der Mädchentoilette erzählt und wie einfühlsam er auf mich eingeredet hatte.
Eigentlich wollte ich das Gespräch zwischen uns für mich behalten, aber Violas Überredungskünste sind schon fast besser als die von meiner Mutter.
„Er sorgt sich um dich", mit Herzchenaugen stützt Viola sich auf ihren Händen ab. Ich wiederum verdrehe nur die Augen.
„Ich bin ja auch so etwas wie seine Schwester, ich glaube er sieht es als Aufgabe mich zu beschützen oder so", versuche ich die Situation zu erklären, aber Viola winkt ab.
„Gina, hör auf alles immer ins Schlechte zu reden. Sicherlich hat er sich Sorgen gemacht, weil du ihm wichtig bist". Ich verziehe das Gesicht und nippe an meinem Getränk.
„Ich glaube wohl eher nicht. Erst gestern hatte er sich in meinen Netflix-Account reingehackt und den Code verändert, so dass ich keine Filme und Serien mehr ab sechzehn gucken kann. Ich guckte jetzt schon zum dritten Mal Girlmore Girls", ich verdrehe die Augen.
„Tja, was sich neckt, dass liebt sich", Viola sieht mich verschwörerisch an, aber ich schüttel nur den Kopf. „Glaub mir, wenn das Liebe ist, dann will ich sie nicht".
Viola schenkt mir einen tadelten Blick. „Wir werden ja noch sehen."
„Apropo, wie läuft es eigentlich mit deinem Seth?"
Ich wackel provokant mit meinen Augenbrauen, woraufhin mich Viola streng ansieht.
„Er hatte mich am Samstag nach der Party nochmal angeschrieben und wollte wissen ob ich gut Nachhause gekommen bin. Ich glaube er hat gesehen wie ich in Jace Auto eingestiegen bin, woraufhin er sich irgendwas eingebildet hat", sie verdreht die Augen und kippt den letzten Rest ihres Eiskaffees hinunter.
„Und?" Frage ich neugierig.
„Ich hab ihm geschrieben, dass er mich mal kreuzweise kann, ich werd mich definitiv nicht mehr von ihm manipulieren lassen", gibt die leicht gereizt wieder und ich schenke ihr ein stolzes Lächeln. „Besser so, dieser Typ hat dich gar nicht verdient".
Viola fängt nun ebenfalls wieder an zu lächeln und ich krame mein Geld heraus, um zu zahlen.
Gemeinsam machen wir uns wieder auf den Heimweg und fahren mit den Rädern in den Sonnenuntergang hinein, der sich aus matten Rottönen über uns hinweg hebt.
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Sag Niemals Nie
Teen FictionStiefbrüder? Und dann auch noch zwei Stück? Für Gina unvorstellbar! Jahrelang hatte sie alleine mit ihrer Mutter in Danville gelebt, doch auf einmal möchte diese zu ihrem Beziehungspartner Mathew, nach Charlottesville ziehen. Seine zwei Söhne, Jac...
