Eine Pause

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Die restlichen Stunden vergingen wie im Flug. Die Alpha Cru hatte es sich an Deck gemütlich gemacht und jeder beschäftigte sich mit seinen eigenen Dingen. Alea übte wieder Gebärdensprache und Ben Hajara, Tess und Thea spielten Schach, Lennox übte sich im Krafttraining und Sammy führte Bandentagebuch, während Keno fasziniert seine Schnürsenkelsammlung betrachtete. Obwohl die Crucis auf dem müden Wasser schunkelte, wirkte sie lebendiger als je zuvor.  Es war diese Unbeschwertheit, die Alea auf Loreley gefehlt hatte. 

Irgendwann setzte sich Lennox zu ihr. Er legte seinen Kopf auf ihren Schoß und blickte in die Wolken, während Alea selbst noch ihre Vokabeln durchging. Ähnlich wie sie, schien Lennox es zu genießen, einfach mal Nichts tun zu müssen.
„Das hat mir gefehlt", flüsterte er entspannt.
„Sich einfach zurücklehnen und den Tag genießen", erklärte er, gefolgt von einem tiefen Seufzer. Inzwischen hatte sich Ben zurückgezogen und verfolgte gespannt das Schachspiel zwischen Tea und Tess.
„Das stimmt. Die letzten Tage waren sehr... turbulent", schloss Alea sich ihm an und lehnte sich ebenfalls zurück. Lennox lachte leise.
„Ja, so kann man das auch sagen".

Es entstand eine Stille und beide sahen in den strahlend blauen Himmel, während jeder seine eigenen Gedanken verfolgte. Ab und zu hörten sie Möwen aus der Ferne Krächzen, was das Rauschen der Wellen größtenteils übertönte, wodurch man sich leicht im Moment verlieren konnte.

„Brauchst du manchmal eine Pause?", nahm Lennox den Faden wieder auf.
„Eine Pause? Wovon?", wunderte sich Alea. Lennox dachte eine Sekunde nach.
„Von dem Allen. Der Prophezeiung, deiner Bestimmung, Orion - dieses ständige Hoch und Runter", beschrieb er seinen Gedankengang. Das hatte bisher noch niemand Alea gefragt.
„Es ist viel, ja. Und manchmal liegt mein Schicksal  schwer auf meinen Schultern", öffnete sie sich.
„Aber es ist meine Bestimmung und ihr Alle steht hinter mir. Nicht nur die Alpha Cru, auch meine Mutter, Keblarr,  Cassaras, die Magischen und die Meerkinder". Alea gab einen dankbaren Seufzer von sich. Sie hatte riesiges Glück, dass Alle sie bei ihrem Schicksal unterstützten.

„Und du, Lennox, spendest mir ebenfalls unglaublich viel Kraft", gab sie zu. Er richtete sich verwundert auf und sah sie fragend an.
"Wie das denn?", hakte er unbeholfen nach. Alea lachte und fand es fast schon liebenswert, dass Lennox garnicht erkannte, was für eine große Stütze er für sie war.
"Das Gefühl, dass du bei mir bleibst, egal was passiert, ist irgendwie beruhigend. Gleichgültig wohin mein Weg führt, du wirst da sein", grinste sie dankend, denn das hatte er ihr mehr als nur einmal gesagt.
"Ich werde alles tun, um dir nicht von der Seite weichen zu müssen... nicht nochmal", murmelte er beklommem und es war eine gewisse Schwere in seiner Stimme zu erkennen. Es war offensichtlich woran er dachte. Obwohl er die letzten Tage, die Geschehnisse in Zusammenhang mit ihren Erinnerung gut verdrängen konnte, war er immer noch nicht darüber hinweg.
"Dass wir einmal getrennt wurden, beweist nur, dass wir wieder zusammen finden", bekräftigte Alea ihr Band zueinander. Sie sprach allerdings mehr zu sich, als zu Lennox, denn sie hatte ebenfalls Angst, wieder ihren Krieger zu verlieren.
"So weit kommt es kein zweites Mal. Das lasse ich nicht zu!", versprach Lennox und nahm ihre Hand. Alea bekam augenblicklich eine Gänsehaut.
Diesmal war sie es, die sich vorbeugte und ihn küsste. Und für einen kurzen Moment war sie fort von ihren Aufgaben und einfach nur in den Armen ihres Kriegers. Nach einer halben Ewigkeit lösten sie sich wieder von einander. Alea öffnete jedoch nicht sofort ihre Augen. Sie wollte noch eine Sekunde im Moment schwelgen. Sobald sie Lennox wieder ansah, strich er ihr grinsend eine Strähne aus dem Gesicht. Es waren diese kleinen Momente, die ihr Kraft schenkten.

Und plötzlich war Lennox' breites Grinsen verschwunden. Als hätte ihn Jemand wieder in die Realität gerissen, blickte er finster drein. Verwundert drehte sich Alea um. Ihre Pause war vorbei, so viel stand fest.

Es war Cassaras, der hinter ihr stand.

„Seid ihr soweit?", fragte der Finsterling und musterte Alea und Lennox,
„Wenn ich mich recht erinnere, waren wir verabredet." Er sah hoch zu der Sonne.
„Es ist Nachmittag. Ich bin pünktlich", stellte er kühl fest. Während Tess sich keinen Meter bewegte, stürmte Thea regelrecht auf den Besuch zu.
„Hallo, Cassaras!", begrüßte sie ihn freundlich.
„Wie ich sehe spielst du Schach", bemerkte er und durchbohrte Tess mit seinen Blicken.
„Du kannst dich gerne anstellen, wenn du verlieren möchtest", witzelte Thea daraufhin und tat so, als würde sie sich die Nägel polieren. Cassaras reagierte auf ihre Bemerkung jedoch nicht.
„Können wir los?", fragte er stattdessen.
„In zwei Minuten", gab Alea ihm eine Antwort und war etwas enttäuscht, dass sie schon gehen mussten.
„Ich muss noch die Taucherausrüstung anziehen", erklärte Lennox, nicht weniger bedrückt. Kurz darauf verschwand er auch schon unter Deck.

„Wie genau läuft das jetzt ab?", erkundigte sich Alea, um die Zeit überbrücken zu können.
„Haben wir einen Plan?", schloss sich Thea daraufhin sofort an. Die Alpha Cru hatte schon einmal besprochen, ob sie nicht ein Konzept bräuchten, um den Silberumhang zurück zu holen und kamen zu dem Entschluss, dass der Nixenprinz dafür der beste Ansprechpartner wäre. Es dauerte ein Weilchen bis Cassaras ihr antwortete. Es war offensichtlich, dass er nicht zum Plaudern gekommen war, sondern aus praktischen Sinne.
„Wir werden unbemerkt in das Schloss eindringen. Dort lenke ich Mura ab, während ihr Drei in die Schatzkammer einbrecht und euch den Umhang schnappt. Die Details erkläre ich euch später", erläuterte Cassaras geistesabwesend. Alea konnte sich zwar nicht vorstellen, dass das so einfach gehen sollte, beschloss jedoch, keine weiteren Fragen zu stellen. Cassaras' Toleranzgrenze war nunmal schmal, wenn es um Fragen oder allgemein Gespräche ging. Sammy schien das allerdings anders zu sehen.
„Woher haben Sie diese coolen Klamotten?", erkundigte er sich neugierig, woraufhin er sich einen warnenden Blick von Tess einfing. Wie jeden Tag trug Cassaras enge schwarze Kleidung, die tatsächlich irgendwie cool war. Er überhörte gezielt seine Frage und rollte genervt mit den Augen. Sammy ließ sich davon jedoch bei Langen nicht beirren.
„Gibt es dafür einen extra Laden?Mit dem Slogan ‚Hier finden Sie die coolsten Finsterling-Klamotten'?". Sammy überlegte einen Moment und Cassaras schien die Stille zu genießen.
Heute 50% Rabatt, für jeden der besonders mürrisch blickt!", warb er für den besagten Shop. Ehe Cassaras etwas vermutlich fieses erwidern konnte, stieß Lennox zu ihnen. Dankbar atmete Alea auf.

„Von mir aus können wir los", gab Lennox bekannt.
„Ich komme auch mit!", hörten sie eine Stimme. Mit einem Satz sprang Keno auf den Klapptisch, wo noch das Schachbrett stand. Er machte es sich auf dem Turm, gleich neben der Dame bequem.
„Die Reise zu dem Nixenkönigreich klingt spannend. Die Elvarion kann Hilfe bestimmt gut gebrauchen", überlegte er.
„Kein Problem!", stimmte Alea dankend zu. Ein weiterer Magischer käme ihr sicher zu Nutzen. Gleichzeitig stierte sie Sammy beleidigt von der Seite an. Er war noch immer ein bisschen enttäuscht, weil er als Landgänger nicht mit kommen durfte.

Keno sprang zu Lennox. Obwohl er eine Taucherausrüstung trug, schien Keno ihn als vollwertigen Oblivion anzuerkennen und wargerne in seiner Nähe. Sei es der Überlebensinstinkt der Magischen oder weil ihm Lennox sympathisch war.

„Viel Glück, euch", gab Ben ihnen auf den Weg und beobachtete wie alle auf die Reling zugingen..
„Und lasst euch nicht von Mura einschüchtern", fügte Tess möglichst lässig hinzu.
„Bringt mir auch so ein cooles Outfit mit, wenn ihr auf diesen Laden trefft!", betonte Sammy.
„Was für ein Laden?", wunderte sich daraufhin Lennox, der von dem Gespräch zuvor nichts mitbekommen hatte.
„Du hast Nichts verpasst", wehrte Cassaras ab und rollte verspannt den Nacken. 

Wie so oft war Thea die Erste die in das Wasser sprang. All ihre Schritte waren präzise und koordiniert. Wie auch gestern, schmiss sie sich über die Reling und verschwand mit einem Kopfsprung in den Wellen. Keno, Cassaras, Lennox, und Alea folgten ihr ebenfalls und so sprang Einer nach dem Anderen in das Wasser. 

„Folgt mir",  kündigte Cassaras mit fester Stimme an, sobald sie unter Wasser waren. Augenblicklich schwamm er voran, geradewegs zu dem Nixenkönigreich. Ein Ort, der alles verändern würde.

Alea Aquarius Band 7 (Fanfiction)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt