1. Eine einfache Soldatin

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I have stood for thousands of years and have not faltered; the day I met you my legs shook – Unknown

Ich stand inmitten einer Menge von Rekruten, die auf das Auftreten des Kommandanten des Aufklärungstrupps warteten. Wir alle waren am Ende unserer Ausbildung angekommen und mussten nun auswählen, welcher Division wir treu dienen wollten. Ich wusste bereits seit längerem, dass ich mich dem Aufklärungstrupp anschließen würde, auch wenn meine Chancen auf ein langes Leben mit dieser Entscheidung ausgemerzt wurden.

Ich wollte sowieso nicht lange leben und alles war besser als das elendige Leben innerhalb dieses Käfigs. Schon von Kindheit auf fühlte ich mich nicht dazugehörig und Fehl am Platz. Ich dachte, es würde an der Tatsache liegen, dass ich innerhalb der Mauer Maria aufgewachsen war, in der man in sehr schlichten Verhältnissen lebte, doch selbst als ich zum ersten Mal in die inneren Distrikte vordrang, konnte ich das Gefühl eine Fremde zu sein, nie abschütteln. Mich widerte dass feine Leben, dass die Menschen hinter der Mauer Sina führten sogar mehr an, als dass es mich anzog. Allein deswegen, wollte ich mich nicht der Militärpolizei anschließen, obwohl ich sowieso nicht dafür qualifiziert war.

Ich war nichts Besonderes in meinem Jahrgang, sondern nur eine einfache Soldatin, die gut genug war, um nicht bloß Titanenfutter zu werden, aber nicht talentiert genug, um einen Unterschied zu machen. Doch genau diese Tatsache gab mir Hoffnung eines Tages meinen Platz zu finden. Ich wollte nicht herausstechen und weder positiv noch negativ auffallen, ja, die Unscheinbarkeit war mein größter Wunsch, um einfach wie jeder andere zu sein.
Ich fragte mich, ob ich mithilfe des Aufklärungstrupps, endlich eine Heimat finden konnte.
Vielleicht außerhalb der Mauern, vielleicht im Tod, aber einen Versuch war es mir wert.

Eine klare, tiefe Stimme riss mich aus meinem Überlegungen.
Der Kommandant des Aufklärungstrupps begann zu sprechen.

»Rekruten, ich bin Erwin Smith, Kommandant des Aufklärungstrupps.«

Obwohl er sich lediglich vorstellte, drangen seine Worte bis in meine Knochen.

Seine eiskalten, blauen Augen schweiften kurz über uns. Seine Miene war kühl und streng. Erwin Smith war ein hochgewachsener, athletischer Mann mit perfekt zurückgelegtem blondem Haar. Seine Gesichtszüge waren klar definiert und sehr scharf. Doch am stärksten stachen seine klaren, blauen Augen hervor, über denen seine buschigen Augenbrauen lagen. Sein gesamtes Auftreten war einschüchternd. Mit einem einzigen Wort konnte er jeden Anwesenden in seinen Bann ziehen. Meine Kameraden redeten, während der Ausbildung ab und zu über ihn. Es kursierten viele Erzählungen über ihn. Der Teufel wurde er genannt.

Ich hörte seine Stimme, konnte aber seine Worte nicht wahrnehmen. Egal wie sehr ich mich versuchte zu konzentrieren – ich konnte meinen Fokus nicht von seinen kalten Augen abwenden, die den gesamten Platz in Besitz nahmen.

»In den letzten vier Jahren sind 60 Prozent des Aufklärungstrupps gestorben.«

Ein Raunen ging durch die Reihen.

»60 Prozent in den letzten Vier Jahren – das ist eine erschreckend hohe Anzahl. Die diesjährigen Rekruten werden in einem Monat ebenfalls an der Expedition hinter die Mauern teilnehmen. Die Wahrscheinlichkeit dabei zu sterben, liegt bei etwa 30 Prozent. In vier Jahren werden wohl die meisten von euch tot sein, doch diejenigen, die dies überstanden haben, werden zu hervorragenden Soldaten mit einer hohen Überlebensrate geworden sein.«

Als er kurz inne hielt, ließ ich meinen Blick über die anderen, jungen Soldaten schweifen, die allesamt mit angstverzerrten Gesichtern da standen.

»Nun wisst ihr, wie schlimm unsere Situation ist. Wer aber dennoch sein Leben aufs Spiel setzen will, der soll bitte hier bleiben. Doch denkt darüber nach, fragt euch selbst – seid ihr bereit euer Herz für das Wohl der Menschheit zu opfern?«

Till Forever Falls Apart (Erwin X OC)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt