To be treated with indifference is the greatest tragedy a Human Soul can suffer. – Tonny K. Brown
Die ganze Nacht kämpfte ich mit wirren Gedanken. Mein Körper ächzte verzweifelt nach Schlaf, doch mein Kopf hatte andere Pläne. Erinnerungen aus meiner Kindheit tauchten wie aus dem Nichts auf und wollten einfach nicht verschwinden. Zudem quälte mich das heutige Ereignis ständig.
Als der Morgen bereits dämmerte und unser Zimmer in ein gesättigtes Orange kleidete, entschloss ich mich für einen morgendlichen Spaziergang, um meinen plagenden Gedanken zumindest für eine kurze Zeit zu entkommen.
Leise schlenderte ich zum Pferdestall. Bis auf ein Wiehern im hinteren Bereich des Stalles, war es vollkommen ruhig. Übermüdet ging ich den Stall entlang bis mich der Anblick einer mir bekannten Gestalt auf der Stelle zum Stehen bleiben zwang.
Erwin striegelte mit seiner üblichen ernsten Miene sein Pferd. Sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich zunehmend als er mich entdeckte.
»Was machst du hier?«, erkundigte er sich mit einem befehlerischem Kommandantentonfall.
Dabei waren wir seit gestern kein einfacher Kommandant und simple Soldatin mehr für einander. Kommandanten küssen ihre Untergebenen nicht.»Das könnte ich dich auch fragen.«, ging ich seiner Frage gewollt aus dem Weg. Er schuldete mir Schlaf.
»Wir müssen reden.«, fügte ich kurz danach trocken hinzu.
Eigentlich fehlte mir die Kraft ihn darauf anzusprechen, aber der Gedanke, dass meine Schlaflosigkeit mich die nächsten Nächte nicht los lassen würde, schenkte mir Entschlossenheit.
»Was willst du bereden?«, erkundigte er sich nichtsahnend.
Dabei wusste er genau, worauf ich hinauswollte. Ich war nicht bereit den gestrigen Vorfall wie er zu ignorieren, zumal ich, selbst wenn ich es wollen würde, nicht dazu im Stande war. Die Ungewissheit verzehrte mich innerlich.
»Das, was gestern Nacht passiert ist.«, erwiderte ich, während ich einen Schritt in seine Richtung machte.
Er hielt nach dem Gesagten inne bis mich seine kalten Augen erwischten.»Es ist nichts passiert.«, meinte er teilnahmelos.
Was?
Seine Worte erfüllten mich mit Zorn. Ich würde es nachvollziehen können, wenn er das Gestrige bereute oder nicht darüber reden wollte. Stattdessen leugnete er das Geschehene wie ein ehrenloser Heuchler.
»Und der Kuss? Was war das?«, fragte ich mit vor Wut bebender Stimme.
»Es war ein Moment der Schwäche, es ist nichts passiert.«, wiederholte Erwin distanziert.
Seine Aussage verletzte mich sehr, sodass sich meine Augen mit Tränen füllten.
»Nichts also… Na schön.«, meinte ich aufgebracht. Nach einem enttäuschten Kopfschütteln verschwand ich ohne ihn nochmals anzusehen.
∞∞∞
Die restlichen Tage der Woche verliefen ruhig. Ich verbrachte viel Zeit mit Miranda und Jean, um mich von ihm abzulenken. Dennoch musste ich weiterhin jeden Abend die Lage darlegen, was mir bei seiner Gleichgültigkeit unmöglich war.
Jedes unserer Gespräche verlief prägnant und größtenteils einseitig, da keiner von uns beiden bereit war so zu tun, als wäre nichts passiert, wenngleich es mir Erwin an den damaligen Morgen beteuert hatte.
Gesammelt stand ich vor dem Eingang des Hauptquartiers und beobachtete wie die Soldaten ihren Aufgaben nachgingen. Es fiel mir nichts Aufsehenerregendes auf. Das einzige was meine Untersuchungen an das Tageslicht befördert hatten, war der verdeckte Fleischschmuggel zwischen den Soldaten. Doch dies war keineswegs mein Ziel gewesen. Ich fühlte mich nutzlos.
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Till Forever Falls Apart (Erwin X OC)
FanficAls Adaina Dalton sich dem Aufklärungstrupp anschließt, hat sie nur ein einziges Ziel: Nicht auffallen. Doch Erwin Smith, dem talentierten Kommandanten des Aufklärungstrupps, entgeht nichts und niemand. Durch ein großes Missverständnis kreuzen sich...