23. Chaos

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Uns überfüllts. Wir ordnens. Es zerfällt. Wir ordnens wieder und zerfallen selbst. – Rainer Maria Rilke

Die Sonne kitzelte angenehm meine Nase, als ich am nächsten Morgen aufwachte, doch das Zimmer, in dem ich mich befand, war nicht meins. Das gestern Abend war demnach kein Traum gewesen. Lächelnd wand ich mich in seinem Bett um, in der Hoffnung ihn neben mir liegend zu entdecken, doch die Bettseite neben mir war leer. Nachdem ich einige Male verschlafen meine Augenlider rieb, erhob ich mich von seinem Bett. Als ich es wieder ordentlich herrichtete, fiel mir ein Zettel auf seinem Nachttisch auf.

Guten Morgen meine Liebe. Ich hoffe, dass du dich ausruhen konntest. Leider konnte ich nicht bei dir bleiben, da ich in die Stadt muss. Wenn alles gut läuft, bin ich bald wieder da. Pass gut auf dich auf, ich will nicht, dass du entführt wirst.
-         Erwin

Liebevoll strich ich mit einem Finger über seine ordentliche Handschrift. Die Tinte war schon lange getrocknet. Mit einem wehmütigen Lächeln faltete ich die kleine Notiz und machte mich sogleich auf den Weg zurück zu meinem Zimmer.

Da es noch früh war, traf ich glücklicherweise niemanden auf den Gängen an. Beim Frühstück fiel mir auf, dass der Großteil des Aufklärungstrupps nicht anwesend war. Vollkommen alleine aß ich den Brei vor mir bis nach einiger Zeit Miranda auftauchte. Der Rotschopf schritt zu mir mit wackeligen Beinen.

Humpelte sie etwa?

Mit einem schmerzverzerrten Seufzen ließ sie sich neben mir fallen.

»Alles gut bei dir?«, hakte ich besorgt nach, während ich einen weiteren Löffel Brei nahm.

»Mehr als das.«, antwortete sie keuchend.

Ich ließ meinen Blick über die leeren Plätze schweifen. Es war eigenartig den Essensaal dermaßen leer um diese Uhrzeit zu sehen.

»Wo sind eigentlich alle?«, fragte ich die kleine Frau verwirrt, woraufhin sie lediglich mit den Schultern zuckte.

»Also Levi meinte, dass sie irgendeinen Auftrag in der Stadt ausführen. Es geht um Eren. Mehr weiß ich auch nicht.«

Nun fiel mir wieder ein, dass sie gestern mit ihm sprechen wollte.

»Wie war das Gespräch?«

Erwischt blickte sie von ihrer Schüssel auf.

»Es war…« Sie zögerte einen Moment.

»Sehr produktiv.«

Skeptisch zog ich eine Augenbraue hoch.

»Und das bedeutet?«

»Das bedeutet, dass ich für den Rest des Tages nicht mehr normal laufen kann.«

Ich runzelte die Stirn.

»Warte was?«

Genervt rollte sie mit den Augen.

»Bist du echt so schwer von Begriff? Wir haben miteinander geschlafen.«, verkündete sie trocken. Perplex starrte ich sie an.

»Nur geht er dabei richtig zur Sache…«, wimmerte sie die Innenseite ihres Oberschenkels reibend.

»Was zur…«

Ich konnte es nicht fassen. Was hatte ich bitte verpasst?

»Ich dachte, ihr wolltet reden.«

»Taten sagen mehr, als Worte.«, meinte sie verschmitzt grinsend.

Erschlafft schüttelte ich den Kopf. Diese Frau machte keine halben Sachen.

Till Forever Falls Apart (Erwin X OC)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt