Ich weiß, dass ich oft oder meistens ausweichen will. Ich weiß auch, dass das verständlich ist, denn ich will leben. Ich weiß aber nicht mehr, ob man am Leben bleibt, wenn man ausweicht. – Erich Fried
Die restliche Woche verlief ereignislos. Täglich beteiligte ich mich am Training und versuchte Kontakte mit den Jugendlichen zu knüpfen. Erwin Smith begegnete ich in der gesamten Zeit nur selten, da er sich nicht mit unserem Training befasste. Bloß Hanji erkundigte sich nach meiner körperlichen Verfassung einige Male.
Es war ein bewölkter Morgen als der große Tag anbrach. Heute würde ich das erste Mal hinter die Mauer gehen und den Titanen begegnen. Gemischte Gefühle lagen auf meinem Herzen. Einerseits riss mich die Erwartung endlich meinen Platz in dieser verdammten Welt zu finden in einen Rausch, andererseits war ich gelähmt von der Möglichkeit meine Kameraden sterben zu sehen.
Schweren Gemüts sattelte ich mein Pferd. Ich hatte keine Zeit mir jetzt darüber Gedanken zu machen. Am gestrigen Abend erklärte der Kommandant unser Vorgehen und das Ziel der Mission: einen Titanen zu fangen.
Diesmal hatte die Unversehrtheit aller Mitglieder höchste Priorität, da bald eine weitere – viel wichtigere Mission anstand. Ich wurde einer Einheit außerhalb zugeteilt, die hauptsächlich aus Frischlingen bestand.
Gesammelt ritt ich zum Ausgang der Mauer, an der der gesamte Trupp bereit zum Ausritt war. Der Wind ließ meinen grünen Umhang aufflattern.
Nachdem die Titanen, die unmittelbar vor dem Tor waren, beseitigt wurden, wurde es angehoben.»Vorwärts!«, befahl der Kommandant mit seiner eisernen Stimme.
Unverzüglich ritten alle in einem unschlagbaren Tempo hinaus.
Als wir weit genug vom Ausgang entfernt waren, nahmen wir die besprochene Formation ein. Schon nach kürzester Zeit sah ich Signalraketen von der Seite aufschnellen, die die Titanen ankündigten. Dem Anschein nach konnten sie diese erfolgreich beseitigen, da keiner im Inneren der Formation Raketen abfeuerte.Auf unserer Seite wurde bisher kein Titan gesichtet, jedoch war es nur die Ruhe vor dem Sturm. Fokussiert steuerte ich nach vorne als sich plötzlich ein Abnormer in einer rasenden Geschwindigkeit zu uns bewegte. Miranda feuerte eine Rakete ab, die speziell für diese Art von Titanen bestimmt war. Es war unser Ziel bevorzugt solch einen Giganten zu fangen.
Ohne länger zu überlegen, feuerte ich den Haken meines 3-D-Manövers in die Seite des Riesen. Im Bruchteil einer Sekunde war ich in seiner Nähe. Ein paar andere aus meinem Trupp folgten mir. Mit einem gezielten Schnitt zerteilte ich seine Sehne an der Ferse. Ein weiterer Kamerad tat dasselbe an der anderen Seite des Beines.
Der Riese stürzte im selben Moment auf den Boden. Nun konnten wir ihn versuchen zu fesseln, während einige von uns durch wiederholte Einstiche sicherstellten, dass seine Wunden nicht verheilten.
Auf einmal tauchten zwei weitere Titanen am Horizont auf. Vier meiner Einheit stürzten sofort auf sie los und ließen mich und Miranda alleine. Sie hatten jedoch vergessen, dass sich dieser Abnormer in kürzester Zeit regenerieren konnte und genau diese Tatsache wurde uns zum Verhängnis.
Wie Neugeboren richtete sich der Riese mit Miranda, die noch vor wenigen Sekunden sein Maul verschließen wollte, in der Hand auf. Da ich auf seinem Nacken stand, befand ich mich nun im freien Fall. Entsetzt beobachtete ich, wie er sie zu seinem hässlichen Mund führte. Ihre verzerrten Angstschreie brachen mir das Herz. Ich konnte sie nicht sterben lassen.
Rasant schoss ich mich wieder zurück nach oben und verpasste ihm rechtzeitig einen tödlichen Stoß in den Nacken. Der Gigant flog unweigerlich zu Boden. Das Blut in meinem Gesicht verdampfte in Sekundenschnelle. Erleichterung überkam mich, als sie überfordert wieder auf ihr Pferd stieg. Nun näherten sich auch die anderen unserer Einheit, die scheinbar die beiden anderen Titanen hingerichtet hatten.
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Till Forever Falls Apart (Erwin X OC)
FanfictionAls Adaina Dalton sich dem Aufklärungstrupp anschließt, hat sie nur ein einziges Ziel: Nicht auffallen. Doch Erwin Smith, dem talentierten Kommandanten des Aufklärungstrupps, entgeht nichts und niemand. Durch ein großes Missverständnis kreuzen sich...