Are you becoming what you've always hated? - Charles Bukowski
Der Mondschein tränkte das Krankenzimmer in ein kaltes Weiß. Der Fieberschweiß auf seiner Stirn glänzte hell im Licht. Unruhig saß ich neben seinem Bett in der Hoffnung, dass sich sein Zustand verbessern würde. Da ich ihn nicht ohne triftige Gründe besuchen durfte, konnte ich ihn tagsüber nicht sehen, doch glücklicherweise hatte Hanji es mir ermöglicht, ihn nachts im Geheimen zu besuchen.
So saß ich nun jeden Abend an seinem Bett, um mindestens für wenige Stunden bei ihm sein zu können. Manchmal las ich ihm etwas vor, erzählte ihm von meinem Tag oder saß, wie jetzt, still schweigend da und hielt seine große Hand. Dabei erwischte ich mich, wie ich anfing seine Atemzüge zu zählen.
Er lebte.
Wie ein heiliges Gebet wiederholte ich diesen Satz still in meinen Gedanken. In diesem Augenblick war diese Wahrheit, das einzige, was zählte. Obwohl ihm ein Arm fehlte und er seit Tagen bewusstlos war, lebte er.
Erwin lebte.
Wahrscheinlich brauchte ich die Besuche mehr als er, denn ohne die Gewissheit, dass sein Zustand einigermaßen passabel war, konnte ich mich meinem Alltag nicht widmen. Außerdem hatte ich mich zu sehr daran gewöhnt ihn ungestört anstarren zu können.
Vor allem in seinem unordentlichen Aufzug, der einen scharfen Kontrast, zu seinem sonst so gepflegten Aussehen bot, konnte ich meinen Blick nicht von ihm abwenden. Auf seinem Kiefer zeichnete sich ein Drei-Tage-Bart auf und seine blonden Haarsträhnen fielen locker auf seine Stirn. Er war in jedem Zustand traumhaft.
»Lehrer, wie können wir uns...« Seine brüchige Stimme riss mich aus meiner Schwärmerei.
»Außerhalb der Mauern...«
Seine Stirn legte sich in tiefe Falten.
Scheinbar träumte er gerade von der Situation als er seinem Vater die Frage gestellt hatte, deren Beantwortung zum Sinn seines gesamten Lebens wurde. Augenblicklich verstärkte ich meinen Griff in der törichten Hoffnung ihm Halt geben zu können.
»Adaina...«
Schockiert hielt ich den Atem an.
»Geh, rette dich...«
Plötzlich umfasste seine Hand die meine mit einer Kraft, die meine Knöchel zerquetschte. Gequält stöhnte ich auf.
»Nein... Adaina... nein...«
Sein Körper begann unkontrolliert zu zucken, während sich seine Finger schmerzlich in meine Haut bohrten.
»Erwin, wach auf, ich bin hier.«, keuchte ich auf.
Immer wieder wiederholte er undeutliche Wortfetzten, solange er sich ungestüm bewegte. Auf der Stelle befreite ich mich aus seinem Griff und fing an ihn wach zu Rütteln. Panisch riss er die Augen auf und packte mich plötzlich am Hals. Er riss mich zu sich auf das Bett und fing an mich zu würgen. Erschrocken zappelte ich herum, um mich von seinem Griff zu befreien.
»Erwin!«, schrie ich so laut ich konnte, doch es kam nur ein Krächzen heraus.
Ruckartig hörte er auf und fasste sich verzweifelt an den Kopf. Ich lag außer Atem auf ihm und versuchte das Geschehene zu verstehen. Sein Brustkorb unter mir bewegte sich rasend auf und ab. Sein Schweigen verriet mir, dass er erst dabei war zu realisieren, was gerade passiert war.
»Es tut mir leid. Ich hatte einen Alptraum.«, keuchte er außer Atem, »Ich dachte, dass du...«
Er hielt inne.
»Dass ich was?«, hakte ich verwirrt nach.
»Das ist egal.« Er räusperte sich.
»Geht es dir gut?«, fragte er nach, bevor ich weiter nachhaken konnte, woraufhin ich lediglich kraftlos nickte.
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Till Forever Falls Apart (Erwin X OC)
FanfictionAls Adaina Dalton sich dem Aufklärungstrupp anschließt, hat sie nur ein einziges Ziel: Nicht auffallen. Doch Erwin Smith, dem talentierten Kommandanten des Aufklärungstrupps, entgeht nichts und niemand. Durch ein großes Missverständnis kreuzen sich...