15. Meine hoffnungslose Romantikerin

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I am eternally, desperately romantic and I thought people would see it, because ‘romantic‘ doesn’t mean sugary. It’s dark and tormented – the furor of passion, the despair of an idealism that you can’t attain. – Catherine Breillat

Nach einigen Tagen wurde ich aus dem Krankenhaus des Trupps entlassen. Miranda brachte mir ein weißes, luftiges, knöchellanges Kleid vorbei, weil meine Uniform zu sehr beschädigt war, um sie anzuziehen. Ich packte meine Sachen ordentlich in eine Stofftasche zusammen, bis auf Erwins grünen Umhang, der am Bettpfosten hing.

Komischerweise hatte er ihn an den damaligen Abend nicht mitgenommen. Bevor ich ihn mir über die Schultern warf, roch ich am weichen Stoff. Seit unserem Gespräch hatte er mich nicht mehr besucht – warum denn auch? Er ist bloß mein Kommandant.

Obwohl ich es nicht zugeben wollte, vermisste ich ihn sehr. Außerdem hatte ich Angst, welchen Konsequenzen er sich stellen musste. Ich wollte ihn unbedingt wiedersehen.

Erholt schritt ich aus dem Lazarett und machte mich auf den Heimweg zum Hauptquartier. Das Wetter war herrlich – die Sonne wärmte die Luft auf, solange eine leichte Windbriese meine offenen, langen Haare streichelte. Um die Atmosphäre vollständig genießen zu können, trödelte ich auf dem Rückweg. Die Vögel zwitscherten fröhlich zwischen den Zweigen und der Duft der Wiesenblumen kleidete die Umgebung in ein sommerliches Gewand.

Als ich das Schloss von Weitem entdeckte, verlangsamte ich weiter meine Schritte.

Dort angekommen lief ich sofort zu meinem Zimmer, während ich insgeheim hoffte Erwin davor auf den Gängen zufällig anzutreffen. Meine Hoffnung wurde jedoch enttäuscht, als ich lediglich Jean auf dem Flur sah, der mir augenblicklich meine Tasche abnahm und gemeinsam mit mir das Zimmer betrat. Als mich Miranda in der Türschwelle sah, quiekte sie begeistert auf.

»Endlich bist du wieder da.«, stammelte sie mich in eine Umarmung reißend, während Jean meine Sachen neben dem Nachttisch stellte.

»Wie geht es dir?«, fragte er mit einem überprüfenden Blick nach.

»Sehr gut, und euch?«

»Das sieht man dir auch an.«, entgegnete Miranda entzückt, »in diesem Kleid siehst du aus wie die Heldin aus einem Liebesroman. Einfach zum verlieben.«

Jean ließ sich kopfschüttelnd auf mein Bett fallen.

»Seit wann haben Liebesromanheldinnen Schrammen im Gesicht und einen Verband um den Arm. Du solltest deinen Kopf mit weniger unnützen Zeug vollmüllen.«, beschwerte er sich mit verschränkten Armen.

Miranda sendete ihm einen genervten Blick.

»Deine Liebste ist wieder da und das Einzige, was du machen kannst, ist eine blöde Bemerkung über ihre Verletzungen?«, warf sie ihm aufgebracht vor. Sie dachte wohl immer noch, dass wir ein Paar waren.

»Mädel, was ist dein Problem? Ina und ich sind nicht zusammen.«, beklagte sich Jean wild mit den Händen fuchtelnd.

»Ach wenn das so ist, dann angeln wir uns heute jemand Süßen beim Stadtfest. Dann wirst du noch bedauern, dass dir solch eine Schönheit entglitten ist.«

Sie steigerte sich wirklich in diese Geschichte hinein, aber was mich im Moment mehr interessierte, war das dubiose Fest, von dem ich zum ersten Mal hörte.

»Was hat es mit dem Fest auf sich?«
Jean sprang energisch vom Bett auf. Ein breites Lächeln malte sich auf seinen Mundwinkeln auf.

»Einmal im Jahr wird in diesem Bezirk ein Stadtfest gefeiert. Es gibt gutes Essen, reichlich Getränke und viel Tanz. Im Großen und Ganzen ist für jeden was dabei.«, erklärte er die Hände reibend.

Till Forever Falls Apart (Erwin X OC)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt