19. Seine ausgezeichnete Soldatin

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Das Leben wäre vielleicht einfacher, wenn ich dich nicht getroffen hätte. Es wäre nur nicht mein Leben. – Erich Fried

Als ich meinen Arm wieder belasten durfte, fuhr ich mit dem Training weiter fort.

Heute stand Reittraining an. Wir sollten lernen, unsere Pferde durch jegliche Schlingen und Fallen manövrieren zu können. Wenn ein Titan auf uns Jagd machte, war es entscheidend auf dem Pferd bleiben zu können. Wenn es uns abwerfen würde, wäre es das Ende.
Deshalb organisierte Erwin ein Wettrennen, damit wir genau das lernten.

Mein nussbrauner Hengst, den ich inzwischen Olio getauft hatte, gehörte zur schreckhaften Sorte, weswegen es sich in brenzligen Situation schwierig gestaltete, die Kontrolle über ihn zu behalten. Aber diesmal gab es keine Gnade für ihn.

»Da hat es wohl jemand eilig.«, kommentierte Miranda lachend. Der Rotschopf sprintete mit ihrem schwarzen Pferd zielstrebig hinter mir her.

»Von was rennst du denn weg Ina…«, scherzte sie weiter, nachdem ich keine Antwort von mir gab,
»…oder eher gesagt von wem?«

Sie schaute kurz über ihre Schulter und deutete auf den blonden Mann, der weiter hinten neben den anderen ritt, um sie zu überwachen.

»Ich will nur das verdammte Rennen gewinnen.«, keuchte ich genervt und beschleunigte sofort.

Mein Pferd gab ein unzufriedenes Wiehern von sich. Als wir um die Kurve ritten, tauchte plötzlich ein stämmiger Ast auf, den man wegen dem Winkel nicht sehen konnte. Eilig hetzte ich Olio zum Springen auf. Miranda reagierte langsamer, weshalb ich sie abhängen konnte, doch weil ihr Hengst sehr schnell war, konnte sie die Entfernung wieder wett machen.

»Erzähl schon, was läuft zwischen dir und dem Kommandanten?«

Ich ignorierte sie.

»Du hast mir damals gesagt, dass du mir alles erzählen wirst, aber seitdem war das einzige, was du getan hast, dem Thema aus dem Weg zu gehen.«, bemerkte sie enttäuscht.

Ermüdet atmete ich aus. Eigentlich wollte ich nicht darüber reden, aber ich war meiner besten Freundin eine Erklärung schuldig.

»Dieser riesige Umhang, in dem du immer schläfst gehört doch ihm, du hast dich damals dauernd nachts weggeschlichen... Du mit ihm auf dem Stadtfest… Eigentlich habt ihr euch nichts anmerken lassen, aber rückblickend macht es Sinn.«

Ich schenkte ihr einen beschämten Blick.

»Du hast Recht. Zwischen uns hat sich etwas entwickelt, aber er wollte damit nicht weitergehen.«

Verständnislos runzelte sie die Stirn.

»Warum nicht?«

Voller Zorn trieb ich mein Pferd weiter voran.

»Weil wir Soldaten sind und unseren Fokus nicht verlieren dürfen.«

Plötzlich schnellte ein Papptitan aus dem Waldstück heraus. Augenblicklich zerrte ich meinen geschockten Hengst weg. Dann stand ich auf, seilte mich zu den Giganten und schnitt ihm mit meinen Klingen den Nacken durch. Dann sprang ich wieder auf Olio und setzte das Rennen fort.

»Du weißt schon, dass wir die Titanen nicht erledigen müssen…«, bemerkte sie von meinem Manöver überwältigt. Es war mir egal. Diese Monster sperrten uns erbarmungslos ein.

»Wir müssen sie alle erledigen bis kein einziger von Ihnen mehr übrig ist! Vielleicht darf ich dann-« Frustriert biss ich meine Zähne zusammen.

»Vielleicht darfst du dann was?«, fragte Miranda verwirrt nach.

Auf einmal krachte ein Baumstamm direkt vor uns auf die Strecke. Da ich zu schnell war, konnte ich mein Pferd nicht mehr zum Springen zwingen.
Ohne weiter darüber nachzudenken rappelte ich mich auf, rannte die wenigen Schritten über den Baumstamm, während Olio synchron unter ihm durchritt. Dann flog ich sofort wieder auf seinen starken Rücken.

Till Forever Falls Apart (Erwin X OC)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt