12. Zwischen Schock, Wut und Lust
Freitag, 21. Oktober 2016
Der Morgen kam früh. Sehr früh für die meisten Studenten. Sie pilgerten fast schon zur Mensa, um sich ihre Frühstücksflocken und Toast zu holen.
Auch die Jungs aus dem Verbindungshaus gingen ausnahmsweise hin, teilweise sehr müde. Als sie die Kantine betraten wunderte sich Jessy, warum die Studenten mitten im Weg standen und an die Wände starrten, doch als er die großen, gerahmten Bilder sah, wurde ihm schlecht.
Auf einem war er selbst zu sehen, im dunkeln, in der Küche des Verbindungshauses, wo er ein Kondom verschwinden ließ, auf einem anderen war er mit Blaine zu sehen, in eindeutiger Pose. "Das..." Er schüttelte den Kopf und ließ den Blick weiter schweifen. Bilder von seinen Freunden beim Schlafen. Es waren riesige Bilder, dazwischen kleinere, auf denen verschiedenste Dinge zu sehen waren. Ein Arsenal an Sexspielzeug, Katzen, zwei Menschen an einem öffentlichen Platz in eindeutiger Lage, jedoch war kein Gesicht zu erkennen und ein Bild von einem jungen Mann von hinten, nackt auf einem Bett kniend. Darüber war ein Schild angebracht, wie in einer Ausstellung:
Der Sündenpool der University of Pokeena .- A
Blaine hatte sich nicht gerührt. Er starrte nur auf die Bilder, auf eins, um genau zu sein. Das war er. Eindeutig er. Und hinter ihn James. Das wusste man nur, wenn man dessen Tattoo am Rücken genauestens kannte, welches halb im Schatten lag. Hölle war ihm schlecht.
"Was für ein kranker Scheiß", fluchte eine unbekannte Stimme. "A? Wer ist A und wieso tut er das?"
"Das ... das ist doch ein Traum", murmelte Jessy und griff nach Blaines Hand. "Das kann nicht sein Ernst sein."
"Da ist ein Bild von uns", sagte dieser leise. "Jessy, was ... Hey Sandro ..."
Er nickte den beiden mit starrer Miene zu, während Marek neben ebenso fassungslos auf die Bilder schaute.
Keegan jedoch musterte eines genauer. Das Rabentattoo kannte er doch.
"Was zum Geier geht hier ab?", fragte Sandro leise. "Dieser Irre macht ernst, oder?"
Blaine wusste nichts zu sagen. Er machte kehrt, zog Jessy mit raus, ob der wollte oder nicht. "Wisst ihr ... Sex haben wir alle, aber das da sind private und brisante Bilder. Das geht zu weit!"
Sid starrte auf ein Bild von sich. Das war aus einem seiner Aufnahmen. Und wenn man genau hinsah, sah man das halbe Seitenlogo. Er schluckte hart. "Die müssen weg. Die gehen keinen was an!"
"Tja ... willst du alle jetzt abnehmen?", fragte Marek.
"Na sollen sie hier hängen bleiben?" Sid spürte, wie ihm die Luft abschnürte. Das konnte alles nicht sein!
Marek schaute zu Sandro und Keegan. "Lasst sie uns erstmal alle abnehmen. Bevor noch eins davon verschwindet."
Unter den wachsamen Blicken der Studentenschaft traten die drei näher an die Wände.
"Sehe ich da Panik in ihren Augen?", fragte ein Kerl, der grinsend seinen Rucksack schulterte.
"Du siehst gleich meine Faust, wenn du nicht still bist!", knurrte Keegan.
Das Tuscheln wurde lauter, doch sie ließen sich nicht beirren und nahmen sie die Bilder ab, die sie nach und nach zu Jessy und Blaine brachten, die unter den Bäumen vor der Terrasse standen. "Danke, dass ihr einfach weg wart", sagte Sandro und legte die Bilderrahmen ab.
"Sorry, ich war zu geschockt. Wo bringt ihr sie jetzt hin?"
"Tja, keine Ahnung."
"Verbrennen", murmelte Sid leise.
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Old scars
Mystère / ThrillerHunderte Studenten besuchen die University of Pokeena. Jeder lebt sein Leben mit allen Facetten, die es zu bieten hat. Glück, Trauer, Frust, Wut, Neugierde und Hass. Und einer ist unter ihnen, der einen perfiden Plan verfolgt. Denn für ihn zählt nur...
