Kapitel 26

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Ein paar unendlich zähe Tage vergingen, und ich verbrachte die gesamte Zeit wie eine Gefangene in meinem eigenen Zimmer. Die Welt da draußen drehte sich einfach weiter, während für mich die Zeit vollkommen stillzustehen schien. Ich verließ meine schützenden vier Wände ausschließlich dann, wenn ich unbedingt auf die Toilette musste – und selbst das war angesichts meines mangelnden Appetits nicht besonders oft der Fall.

Ich nahm seit Tagen keine einzige feste, vernünftige Mahlzeit mehr zu mir. Stattdessen ernährte ich mich fast ausschließlich von den ungesunden Süßigkeiten, Bergen von Schokolade und Chips, die ich glücklicherweise vor Wochen in meinen Nachttischschubladen gebunkert hatte. Ich gammelte ununterbrochen im Bett herum, starrte lethargisch an die Decke und schaute eine Serie nach der anderen auf meinem Laptop, nur um irgendwie die quälend langen Stunden totzuschlagen.

Lauren klopfte ab und zu erstaunlich leise an meine verriegelte Tür und suchte mit sanfter Stimme das Gespräch mit mir. Sie bot mir Essen an und wollte wissen, wie es mir ging, doch ich blockte jedes einzelne Mal eiskalt ab. Ich antwortete gar nicht erst oder herrschte sie durch das Holz an, dass sie verschwinden sollte. Ich wollte niemanden sehen, ich wollte mit absolut niemandem reden – und am allerwenigsten mit der Mutter der Person, die mein Leben auf dem Gewissen hatte. Ich wollte einfach nur meine verdammte Ruhe.

Hin und wieder vibrierte mein Handy auf der Matratze. Rafe rief mich in regelmäßigen Abständen an und hinterließ mir eine besorgte Sprachnachricht nach der anderen, doch nicht mal auf ihn wollte ich im Moment eingehen. Die Enttäuschung über das ganze Geflecht aus Lügen saß einfach zu tief. Zu allem Überfluss hatte ich seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr geduscht, meine Haare nicht gekämmt und gab mir nicht mal die geringste Mühe, die fleckigen, viel zu großen Schlafsachen gegen frische Klamotten einzutauschen. Ich war komplett verwahrlost.

Gerade lief auf meinem Bildschirm ein kitschiger Liebesfilm, und ich erwischte mich wehmütig bei dem Gedanken, warum das echte Leben nicht einfach verdammt noch mal genau so sein konnte wie in diesen Hollywood-Streifen: Ein perfektes, absolut sorgenfreies Leben mit der großen Liebe seines Lebens an der Seite, ohne Intrigen, ohne Kook-Krieg und ohne lügende Stiefschwestern. Wenn es bloß so unendlich einfach wäre...

Ein plötzliches, lautes Klopfen an meiner Zimmertür riss mich unsant aus meinen tiefen Gedanken. Ich seufzte genervt auf und pausierte den Film mit einem rüden Schlag auf die Leertaste.

„Was?!", fragte ich mit einer aggressiven, rauen Stimme durch den Raum und stellte mich innerlich schon auf Laurens unerträglich mitleidige Stimme ein.

„Kate... ich bin's, Sarah", kam es plötzlich von der anderen Seite der Tür.

Ich stockte augenblicklich der Atem. Mein Herz setzte für einen verheerenden Schlag aus. Sarah? Wenn sie nur hierhergekommen war, um mir noch einmal eine Standpauke zu halten oder mir verbal eins reinzuwürgen, dann konnte sie direkt wieder umdrehen und aus diesem Haus verschwinden.

„Was willst du hier, Sarah?", fragte ich merklich leiser, und die Abwehr in meiner Stimme war unüberhörbar.

„Darf... darf ich bitte ganz kurz reinkommen? Ich würde unheimlich gerne vernünftig mit dir reden, Kate", bat die Blondine, und ihre Stimme klang durch das Holz überraschend sanft und fast schon ein wenig brüchig.

Ich blickte mich gehetzt im Raum um und überlegte fieberhaft. Mein Zimmer war nach den Tagen der Isolation das reinste, chaotische Schlachtfeld aus leeren Verpackungen, und ich selbst befand mich optisch wie geruchstechnisch in einem absolut katastrophalen Zustand.

„Das ist keine gute Idee, Sarah", meinte ich flach, schwang die Beine aus dem Bett und ging mit leisen Schritten direkt zur Tür, um nicht länger so laut durch das ganze Haus schreien zu müssen.

JEALOUS | RAFE CAMERON ✓Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt