Kapitel 28

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Die nächsten Tage vergingen wie im Rausch. Mein nächtlicher Ausnahmezustand wurde fast schon zur Routine: Kurz vor Mitternacht aus dem Fenster schleichen, die Nacht mit den Pogues durchfeiern und sich in den frühen Morgenstunden im fahlen Dämmerlicht wieder lautlos ins Zimmer stehlen. Es klappte alles absolut reibungslos. Weder mein Vater noch Lauren bekamen auch nur das Geringste davon mit, dass meine Festung jede Nacht leer stand.

Heute Abend war die Situation allerdings eine andere. Ich musste deutlich früher raus als sonst, denn am Cut stand eine der legendären Strandpartys an – und ich wollte dort unter gar keinen Umständen fehlen.

Zu meinem großen Glück verging der drückend heiße Tag wie im Flug. Sobald die Dämmerung hereinbrach und das Haus in der Abendstille versank, fing ich aufgeregt an, mich für die Party fertig zu machen. Ich durchwühlte meinen Kleiderschrank und zog ein ganz bestimmtes Kleid heraus: ein eng anliegendes, wunderschönes Teil, das Sarah mir zu meinem Geburtstag geschenkt hatte und das ich bisher noch nie getragen hatte. Ich kombinierte es mit dezentem Make-up, zog mir Lidstrich und ließ meine blonden Haare offen in leichten Wellen über die Schultern fallen. Zum Schluss steckte ich mir noch einen filigranen, goldenen Ring an den Finger, der perfekt auf mein schmales Armband abgestimmt war.

Ich betrachtete mich kurz prüfend im Spiegel, zupfte den Stoff zurecht und spürte dieses vertraute, süße Prickeln der Vorfreude im Bauch. Genau in diesem Moment summte mein Handy: Eine Nachricht von Sarah. Sie würden in weniger als fünf Minuten am Waldrand sein.

Ich schnappte mir hastig meine kleine Handtasche, löste die Verriegelung des Fensters und stieg mit geübten Bewegungen über die Rankhilfe nach draußen. Im Laufschritt überquerte ich den dunklen Rasen und sprintete zur wartenden Twinkie, immer in der inständigen Hoffnung, dass mich in der hellen Abenddämmerung niemand beobachtet hatte.

Als ich die Schiebetür aufriss und hineinsprang, riss Sarah fasziniert die Augen auf. „Heilige Scheiße, Kate! Das Kleid sieht einfach nur absolut hammer an dir aus!", rief sie begeistert aus und musterte stolz ihr eigenes Geburtstagsgeschenk.

„Danke dir!", erwiderte ich strahlend, setzte mich auf die abgewetzte Bank und nahm dankbar die geöffnete Bierflasche entgegen, die JJ mir im selben Moment grinsend reichte.

Ich nahm einen großen, erfrischenden Schluck, während aus den scheppernden Lautsprechern des Vans ein bekannter Rocksong dröhnte. Ohne zu überlegen, fing ich an, lautstark mitzusingen. John B grinste über die Schulter, drehte das Radio noch ein ganzes Stück lauter, und innerhalb von Sekunden stimmten auch die anderen mit ein. Wir grölten den Text völlig asynchron und trafen keinen einzigen Ton, was mich mitten im Song in ein lautes, unkontrolliertes Gelächter ausbrechen ließ. Wir sangen so unfassbar schlecht, dass es fast schon wehtat.

Doch genau in solchen flüchtigen Momenten des puren Glücks wurde mir wieder einmal sonnenklar, dass der Umzug nach Outer Banks trotz all dem Kook-Drama die absolut beste Entscheidung meines Lebens gewesen war. Bei diesen Chaoten war ich einfach ich selbst.

Auf der Party am Cut angekommen, tauchten wir sofort tief in die feiernde Menschenmenge ein. Die Bässe dröhnten durch den Sand, überall brannten Fackeln, und die Stimmung war ausgelassen. Wir besorgten uns am provisorischen Tresen erst einmal ein paar kräftige Drinks, wechselten hier und da ein paar Worte mit bekannten Gesichtern aus dem Cut und tanzten wild zur lauten Musik.

Die Stunden verflogen im Takt der Musik. Irgendwann im Laufe der Nacht verschwanden John B und Sarah Arm in Arm für eine ganze Weile im dunklen Schutz der Dünen – aber was die beiden dort trieben, erklärte sich ja wohl von ganz alleine.

JEALOUS | RAFE CAMERON ✓Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt