Kapitel 29

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Nur wenige Tage nach meiner illegalen nächtlichen Eskapade auf der Strandparty saß ich aufrecht auf der Rückbank des Wagens meines Vaters. Wir befanden uns auf dem direkten Weg zum luxuriösen Anwesen der Camerons in Figure Eight. Es war Rose' Geburtstag, und sie hatte unsere neu formierte Familie zu einem exklusiven, privaten Abendessen eingeladen. Mein Vater hatte für diesen Anlass meinen Hausarrest zähneknirschend für ein paar Stunden pausiert – der schöne Schein nach außen hin war ihm schlichtweg wichtiger als jede Bestrafung.

Ich hatte mich für ein schlichtes, weißes Sommerkleid entschieden, auf dem im Brustbereich filigrane, kleine Blumen aufgestickt waren. Die meisten Kook-Mädchen aus unserer Nachbarschaft würden diesen Look wahrscheinlich als vollkommen geschmacklos, langweilig oder viel zu bitter betiteln, aber mir persönlich gefiel es unheimlich gut. Es war simpel, unaufdringlich und besaß eine ganz eigene, dezente Eleganz.

Hailey dagegen hatte sich – wie zu erwarten – für das absolute Gegenteil entschieden. Sie trug ein knallrotes, hautenges Abendkleid mit einem tiefen Ausschnitt und kombinierte dazu mörderisch hohe, schwarze High Heels. Meiner Meinung nach war dieses Outfit für ein einfaches Geburtstagsessen im engsten Kreis bei den Camerons vollkommen overdressed und reine Selbstdarstellung. Sie wollte auffallen. Sie wollte provozieren.

Der Wagen hielt in der gepflasterten Auffahrt, und nur kurze Zeit später öffnete sich die schwere Eingangstür der Villa. Eine strahlende, elegant frisierte Rose stand vor uns.

„Alles, alles Gute zum Geburtstag, Rose!", wünschte ich ihr mit einem höflichen Lächeln und überreichte ihr einen großen, bunten Blumenstrauß, den ich im Flur entgegengenommen hatte.

„Vielen Dank,  Kate!", erwiderte die Blondine erfreut. Sie zog mich in eine kurze, parfümierte Umarmung und wandte sich dann überschwänglich dem Rest unserer Familie zu.

Ich nutzte die Gelegenheit, schlüpfte als Erste durch die offene Tür und ging allein vor. Ich betrat den riesigen, prunkvollen Speisesaal mit der langen Tafel und ließ meine Augen ablenkend über die gold eingerahmten, teuren Gemälde an den Wänden schweifen. Plötzlich hörte ich ein leises Knarren der Stufen, blickte zur großen Treppe und sah jemanden in langsamen Schritten herunterkommen.

Rafe.

Seine dunkelblonden Haare waren wie üblich mit reichlich Gel streng nach hinten frisiert worden, und er trug ein edles, dunkelblaues Poloshirt, das das stechende Blau seiner Augen an diesem Abend ganz besonders intensiv zur Geltung brachte. Er blieb am Fuß der Treppe stehen, fixierte mich und ging langsam auf mich zu.

„Hallo, Prinzessin", raunte er mit einer tiefen, beinahe lautlosen Stimme.

Mit dieser einen, simplen Begrüßung und dem intensiven Blick aus seinen Augen schaffte er es in jeder noch so unpassenden Sekunde aufs Neue, meinen Puls in astronomische Höhen zu treiben und mein Herz schneller schlagen zu lassen.

Bevor sich zwischen Rafe und mir eine greifbare Spannung aufbauen konnte, betraten auch schon die anderen den Speisesaal. Das laute Stimmengewirr meines Vaters und Ward Camerons füllte den Raum. Wir setzten uns alle in einer festgelegten Reihenfolge an die festlich dekorierte Tafel und warteten darauf, dass das Personal den ersten Gang servierte.

Rafe saß direkt neben mir. Ich konnte seine intensiven, bohrenden Blicke auf meiner Haut wortwörtlich spüren, obwohl ich stur nach vorne sah. Seine bloße Nähe und das Wissen um das, was er tat, wenn niemand hinsah, machten mich unendlich nervös.

„Wheezie? Wo ist eigentlich Sarah?", fragte ich seine jüngere Schwester mit möglichst fester Stimme über den Tisch hinweg. Ich hoffte inständig, dass man mir meine extreme innere Anspannung und das Klopfen meines Herzens nicht ansah.

JEALOUS | RAFE CAMERON ✓Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt